Die Augen nach F&E-Ausgaben offenhalten

Wie können Anleger trotz des langsameren globalen Wachstums profitabel anlegen? Die Credit Suisse schlägt vor, sich auf Unternehmen zu konzentrieren, die viel für Forschung und Entwicklung ausgeben.

Trotz der starken Erholung der Wirtschaft in den USA ist es unwahrscheinlich, dass das Wachstum des nominalen globalen BIP in den nächsten Jahren das Niveau erreicht, das es kurz vor der globalen Finanzkrise hatte. Entwickelte Volkswirtschaften sind zwischen 1997 und 2007 um durchschnittlich 5 Prozent gewachsen; zwischen 2010 bis 2019 sollen sie laut Schätzungen der Credit Suisse durchschnittlich um 3,9 Prozent wachsen. Daher wird es schwieriger sein, starkes Ertragswachstum in den globalen Aktienmärkten zu finden. Wie können Anleger also an der Börse weiterhin sein? Die Credit Suisse schlägt vor, den Fokus auf Unternehmen zu richten, die viel für Forschung und Entwicklung ausgeben.

Unternehmen mit hohen F&E-Ausgaben entwickeln sich besser als der Rest

Nachdem sie knapp zwei Jahrzehnte lang rückläufig waren, steigen die F&E-Ausgaben wieder an – und Unternehmen mit hohen F&E-Ausgaben entwickeln sich langfristig besser als der Durchschnitt. Anhand einer Datenbank mit 3'400 weltweit kotierten Unternehmen (ohne Finanz- und Versorgungsunternehmen) hat die Credit Suisse berechnet, dass die Gesamtausgaben für Forschung und Entwicklung von 1,9 Prozent des Umsatzes im Jahr 2007 auf 2,3 Prozent im Jahr 2013 angestiegen sind. Und in dieser Gruppe übertreffen Unternehmen, die über 5 Prozent ihres Umsatzes für Forschung und Entwicklung ausgeben, globale Aktien. Bis zu einem gewissen Punkt: Diejenigen, die über 30 Prozent des Umsatzes ausgeben – die Credit Suisse bezeichnet diese als «Unternehmen mit extremen F&E-Ausgaben» – tun dies nicht. Das Momentum ist ebenfalls von Belang. Die Aktien von Unternehmen, die laufend ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung erhöhen, haben sich besser entwickelt als die Unternehmen, die in den letzten zehn Jahren ihre F&E-Ausgaben um 7,5 Prozent pro Jahr reduziert haben.

Beste Renditen in den USA, in Kanada, Grossbritannien, Dänemark und Deutschland

In welchen Teilen der Welt werden die grössten F&E-Ausgaben beobachtet? In ihrem jüngsten Bericht mit dem Titel «Investing for Growth: The Innovators» präsentieren die Credit Suisse-Analysten Eugene Klerk und Richard Kersley eine Liste mit Unternehmen, die besonders hohe F&E-Ausgaben aufweisen. Auf dieser Liste haben die US-Unternehmen mit 65 Prozent den Löwenanteil. Andere Länder mit überdurchschnittlichen Ausgaben sind Japan, Grossbritannien, Taiwan und China. Nicht überall werfen F&E-Ausgaben jedeoch die gleich hohen Renditen ab. Unternehmen in den USA, in Kanada, Grossbritannien, Dänemark und Deutschland schöpfen aus ihren F&E-Ausgaben die weitaus höheren Renditen als Unternehmen in Thailand, Neuseeland, Israel, Italien und Spanien.

F&E-Ausgaben sind im Technologie- und Gesundheitssektor effektiver

Das Gleiche gilt für Sektoren. F&E-Ausgaben haben sich für Unternehmen in den Sektoren Technologie, Gesundheitswesen und Industrie als wesentlich effektiver für die Erzielung von Renditen erwiesen als in den Sektoren Telekommunikation und Dienstleistungen. Und bei diesen erfolgreichen Sektoren kann eine Titelselektion auf Basis der F&E-Ausgaben eine erfolgreiche Strategie darstellen. Im Gesundheitswesen hat zum Beispiel die Selektion von Titeln basierend auf ihrem F&E-Profil im Vergleich mit einem Portfolio, das aus Titeln des gesamten Gesundheitssektors besteht, eine jährliche Outperformance von 3,5 Prozent erzielt. Ebenso im Technologiesektor, in dem ein F&E-orientiertes Portfolio seit dem Jahr 2000 jährlich eine Outperformance von knapp 4 Prozent liefert.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in The Financialist.