Credit Suisse Jugendbarometer 2018: Digitalisierung führt zu Jobangst bei Jugendlichen – in der Schweiz beschäftigt die Altersvorsorge immer stärker
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Credit Suisse Jugendbarometer 2018:

Digitalisierung führt zu Jobangst bei Jugendlichen – in der Schweiz beschäftigt die Altersvorsorge immer stärker

Wie die neueste Ausgabe des Credit Suisse Jugendbarometers zeigt, lösen die Auswirkungen der Digitalisierung auf das Berufsleben auch bei Jugendlichen Verunsicherung aus. Dies ist im Ausland besonders ausgeprägt, wohl weil in der Schweiz das duale Bildungssystem eine gewisse Sicherheit bietet, die in anderen Ländern meist fehlt. Weiter zeigt das Jugendbarometer, dass die Altersvorsorge die grösste Hauptsorge der Schweizer Jugendlichen ist, während Fragen rund um Ausländer, Zuwanderung und Flüchtlinge gegenüber der letzten Umfrage deutlich an Relevanz verloren haben.

Was die nächste Generation bewegt, die die Gesellschaft und Wirtschaft in den kommenden Jahren prägen wird, ist eine zentrale Frage für die Credit Suisse. Mit der Jugendbarometer-Studie will die Credit Suisse deshalb einen Beitrag zur öffentlichen Diskussion zu gesellschaftspolitisch relevanten Themen und zum Dialog insbesondere mit der jungen Generation leisten. Erhoben wird das Jugendbarometer seit 2010: es gibt Einblick in die Lebensweise, Probleme und Einstellungen der Jugendlichen. Für die repräsentative Studie wurden 2018 jeweils rund 1‘000 Jugendliche in der Schweiz, Brasilien, den USA und Singapur im Alter von 16 bis 25 Jahren befragt. Die Umfrage wurde vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen April und Mai 2018 online durchgeführt.

Die 10 wichtigsten Erkenntnisse des Credit Suisse Jugendbarometers 2018:

  1. Zuversichtliche Jugend – doch Digitalisierung führt zu Verunsicherung: Drei von vier Jugendlichen in den USA, Brasilien und Singapur befürchten, dass es ihren Beruf aufgrund des sich verändernden Arbeitsmarktes in Zukunft nicht mehr brauchen wird. Sie fühlen sich durch die von der Digitalisierung getriebenen Veränderungen überfordert. In der Schweiz fürchten lediglich 34 %, dass ihr Job verschwinden wird. Dennoch: Im Vergleich zu 2016 blicken die Jugendlichen mit etwas mehr Zuversicht in die Zukunft. Weniger als 15% der Befragten in Singapur und Brasilien sowie weniger als 10 % in den USA und der Schweiz sehen ihre Zukunft eher düster.
  2. Topsorge Altersvorsorge: In der Schweiz gilt bei den Jugendlichen die Altersvorsorge und Fragen rund um die AHV neu als Hauptsorge. Gleichzeitig hat die Ausländer- und Flüchtlings-Thematik an Wichtigkeit verloren und das Zusammenleben zwischen Jugendlichen und jungen AusländerInnen wird in der Schweiz als immer harmonischer beurteilt (2010: 11 %, 2018: 33 %).
  3. Lieber in der Verwaltung als in der IT-Branche arbeiten: Die IT-/Techbranche gilt – ausser in der Schweiz (43 %) – mit Abstand als beliebtester Arbeitssektor (USA: 75 %; Brasilien: 72 %; Singapur: 75 %). Die Schweizer Jugendlichen arbeiten hingegen lieber im Bildungswesen (56 %), in den Medien (53 %), im Tourismus (50 %) oder der Verwaltung (47 %).
  4. Aufgehende Informationsschere: Die Digitalisierung wirkt sich nicht nur auf die Art und Weise respektive Häufigkeit aus, wie die Jugendlichen News konsumieren, sondern schafft an sich ganz neue Themen. Die digitale Verbreitung von Fake News wird von relevanten Anteilen junger Menschen in allen vier befragten Ländern als eines von fünf der wichtigsten Probleme des Landes angesehen. Auffällig ist: Die Informationsschere scheint immer weiter aufzugehen. Während sich mehr Jugendliche mehrmals täglich über das Tagesgeschehen informieren, nimmt die Zahl derjenigen, die sich gar nie oder selten informieren, seit den letzten Jahren in der Schweiz und in Brasilien erheblich zu. Weder klassische noch neue Medienkanäle füllen diese Lücke der "News-Deprivierten".
  5. Sharing Economy und Nachhaltigkeit: Die Sharing Economy ist bei den Jugendlichen sehr beliebt, rund die Hälfte der befragten Jugendlichen hat solche Plattformen bereits einmal benutzt. Hierfür gibt es ökonomische Gründe wie das Sparen von Geld, aber auch ideologische, ist doch ein nachhaltiger Umgang mit vorhanden Ressourcen ein wichtiges Anliegen der Millennials. Trotz grundsätzlicher Offenheit sehen die Millennials auch gewisse Einschränkungen: Sharing-Plattformen sollen reguliert sein wie andere Wirtschaftssektoren auch – und Dinge, die einem lieb und wertvoll sind, will eine Mehrheit doch weiterhin für sich alleine haben.
  6. Sparen liegt weiterhin im Trend: Ungefähr ein Viertel der befragten Jugendlichen würde einen grösseren geschenkten Geldbetrag aufs Sparkonto legen (in der Schweiz sind es am meisten). Weitere rund 10 % des Geldes würden für schwierige Zeiten zurückgelegt werden. Eine grosse Mehrheit möchte ein Eigenheim. Rund die Hälfte der Jugendlichen (USA 59 %, Brasilien 46 %, Singapur 48 %), die finanzielle Verpflichtungen wie Hypotheken haben, empfinden diese als belastend. In der Schweiz sind es 39 %.
  7. Zunehmende Individualisierung: Seit 2015 nimmt das Zugehörigkeitsgefühl der Millennials zu einzelnen sozialen Einheiten in der Schweiz mit wenigen Ausnahmen ab. Am meisten fühlt man sich dem Freundeskreis oder der Familie zugehörig, am wenigsten einer Religionsgemeinschaft oder einer Online-Community. Dieses sinkende Zugehörigkeitsgefühl zu einzelnen sozialen Einheiten ist auch in Brasilien und vereinzelt in den USA über die Jahre hinweg zu beobachten.
  8. Erste Unterschiede zwischen Generation Y und Z: In der Schweiz verwenden die Jugendlichen immer mehr Kommunikationstechnologien wie WhatsApp, YouTube, Streaming-Dienste, Instagram und Snapchat (ein ähnliches Bild zeigt sich in den anderen Ländern). Der Fernseh- und der Facebook-Konsum ist in der Schweiz rückläufig, beide werden aber in den USA, Singapur und Brasilien wieder häufiger verwendet. Es zeichnet sich auch klar ab, dass Generation Y (geboren zwischen 1980 und 2000) und Generation Z (geboren ab 2000) unterschiedliche Plattformen bevorzugen: Twitter, Facebook und Internet im Allgemeinen versus Instagram/ Snapchat/ WhatsApp/ YouTube.
  9. Politisches Engagement international wieder zunehmend "in": Zwar ist das Interesse an institutioneller Politik mitzuwirken, etwa im Rahmen einer Partei, weiterhin gering. Politisches Engagement an sich ist international allerdings wieder zunehmend "in". Mehr als doppelt so viele Jugendliche wie noch 2016 sind beispielsweise in den USA bereit, an einer Demonstration teilzunehmen. Die Gleichstellung von Mann und Frau scheint in den USA, Brasilien und Singapur ein wichtiges Thema zu sein, zunehmend wichtiger wird sie auch in der Schweiz.
  10. In & Out: Die Liste derjenigen Dinge, die als "in" bezeichnet werden, ist klar von der Digitalisierung geprägt. Unter den Top 10 in der Schweiz befinden sich unter anderem das Smartphone, WhatsApp, YouTube, Spotify, aber auch der öffentliche Verkehr. Facebook gehört in der Schweiz und den USA nicht mehr dazu. In den USA ist Fernsehen gefolgt von Smartphone und YouTube am beliebtesten, in Brasilien und Singapur Chatplattformen wie WhatsApp oder WeChat.