Die Credit Suisse lanciert «Kunst für alle»
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Die Credit Suisse lanciert «Kunst für alle»

Das Kunsthaus Zürich veranstaltete am 1. April 2017 einen Tag der offenen Tür für alle Kunstinteressierten. Mit dem diesjährigen Motto «Kunst und Integration» beabsichtigte das älteste Sammlungs- und Ausstellungsinstitut der Schweiz, eine Vielzahl von Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Hintergründen anzusprechen. Die Credit Suisse lud als langjähriger Partner zu Spezialführungen ein.

Als Partner des Kunsthaus Zürich ist die Credit Suisse jedes Jahr am Tag der offenen Tür vor Ort. Aufgrund des diesjährigen Mottos bot es sich an, neben den vom Kunsthaus vorgesehenen Führungen erstmals zwei Spezial­führungen für gehörlose und sehbehinderte Personen zu veranstalten. Entstanden ist diese Idee aus einer Zusammenarbeit von Sponsorship Switzerland und dem Center of Accessibility (CoA), das sich um die Bedürfnisse von Kunden und Mitarbeitenden mit Seh-, Hör- und Mobilitätseinschränkungen beim Zugang zu den Produkten und Dienstleistungen der Bank kümmert.

Rund 40 Gäste kamen Anfang April zu den Spezialführungen ins Kunsthaus und wurden von Alireza Darvishy, Leiter Center of Accessibility, empfangen. Die Gästeschar bestand je rund zur Hälfte aus Personen mit Seh­einschränkungen und aus gehörlosen Teilnehmenden. Der Anlass sprach ein breites Publikum an: Besucher aus unterschiedlichen Regionen und verschiedenen Alterskategorien fanden den Weg ins Kunsthaus. Verschiedene Hilfsorgani­sationen wie der Schweizerische Blindenverband und der Schweizerische Blindenbund haben die Credit Suisse bei der Ausschreibung des Anlasses für Menschen mit Sehbehinderung unterstützt. Für die gehörlosen Gäste wurde auf den guten Kontakt zum Schweizerischen Gehörlosenbund zurückgegriffen.

Mit Ohren sehen, mit Händen schauen

Die Spezialführung für die sehbehinderten Gäste stand unter dem Motto «Mit Ohren sehen, mit Händen schauen». Kunstvermittlerin und Museumspädagogin Madeleine Witzig führte durch die Sammlung des Kunsthauses und zeigte, dass Kunst auch Sehbehinderten umfassend vermittelt werden kann.

Die Begeisterung der Museumspädagogin übertrug sich auf die Anwesenden: «Sie hat viele Details des Bildes anschaulich beschrieben, was zusammengefügt einen Gesamteindruck des Kunstwerks ergab», so einer der sehbehinderten Gäste. Für ihn war die verbale Vermittlung visueller Ausdrucksformen das Entscheidende.

Die Gruppe der sehbehinderten Gäste ergründete unter anderem das Werk «Stillleben mit Hummer und grosser Zinnkanne» (um 1645) von Abraham van Beyeren.

Eine Besucherin fand es faszinierend, gewisse Elemente des Gemäldes in der realen Welt vorzufinden: Die furchige Schale der mitgebrachten Zitronen in den Händen und der Duft der aufgeschnittenen Frucht in der Nase machten das Kunsterlebnis ganzheitlich erfahrbar. Um die Vorstellung des Stilllebens noch zu vervollständigen, wäre für sie das Ertasten des Hummers von Vorteil gewesen. Die Teilnehmerin hegt einen grossen Wunsch: Einmal eine Giacometti-Skulptur ertasten. Damit war sie nicht alleine. Kunstobjekte ertasten zu können, war unter den Teil­nehmenden ein mehrfach geäussertes Bedürfnis.

Die Kunsterfahrung in dieser Form war auch neu für Luciano Butera, Leitung Fachstelle Technologie & Innovation vom Schweizerischen Blindenverband. Butera, selbst auch sehbehindert, betonte, dass ein gutes Kunsterlebnis nicht nur vom Augenlicht, sondern vor allem von der Kompetenz der Fachperson abhängt. Aufgrund dieser positiven Erfahrung wird er auch in Zukunft wieder einmal eine geführte Kunstausstellung besuchen. Die sehbehinderten Teilnehmenden der Spezialführung beschäftigten sich zwar nur mit drei Bildern, hatten so aber ausreichend Zeit, sich mit den Objekten auseinanderzusetzen. So wurde nach Buteras Meinung der Unterschied zwischen blinden und sehenden Betrachtern viel kleiner. Wichtige Kontextinformationen wie die Biografie des Malers, die Entstehungszeit des Gemäldes sowie das politische und soziale Umfeld kamen viel besser zum Tragen.

Barrierefreie Kunstvermittlung mit Gebärdensprachdolmetscherin

Unter den gehörlosen Besuchern waren auch mehrere Vertreter des Schweizerischen Gehörlosenbunds. Die Führung mit der Gebärdensprachdolmetscherin sei für die meisten Teilnehmenden eine spannende und neue Erfahrung, bestätigte Roland Wagner, Leiter Kommunikation und Fundraising des Gehörlosenbunds. «Dank der Credit Suisse konnten viele Gehörlose teilweise zum ersten Mal in ihrem Leben die Sammlung des Kunsthaus Zürich kennenlernen. Hochkultur hängt oft mit höherer Bildung zusammen, und davon waren Gehörlose im Schweizer Bildungssystem leider – das zeigt auch eine Studie, die der Gehörlosenbund demnächst veröffentlichen wird – in den vergangenen Jahrzehnten grösstenteils ausgeschlossen worden. Umso wertvoller war diese Veran­staltung. Wir würden uns sehr freuen, wenn es nächstes Jahr ein Follow-up geben könnte!»

Schlichtweg begeistert von der Führung waren Ronny Bäurle, Leiter Finanzen des Gehörlosenbunds, und eine der gehörlosen Teilnehmerinnen. Sie schätzten den barrierefreien Zugang zur Kunstvermittlung, der durch die Erklä­rungen der Gebärdensprachdolmetscherin zu verschiedenen Gemälden von van Gogh, Monet und anderen ermöglicht wurde.

Die Credit Suisse engagiert sich seit mehr als zehn Jahren zugunsten ihrer Kunden und Mitarbeitenden für die Barrierefreiheit und gehört damit zu den Pionieren auf dem Gebiet der Accessibility. Mit «Kunst für alle» beschreitet die Bank wiederum neue Wege, damit auch bei der Kunstvermittlung die Barrieren zunehmend verschwinden.

Eine Wiederholung der Spezialführungen im nächsten Jahr ist bereits angedacht.