Kommunikation
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WhatsApp, Snapchat, Instagram – will man etwas über die Jugend erfahren, muss man auch wissen, wie sie kommuniziert. Dabei gibt es teilweise überraschend grosse Unterschiede zwischen den untersuchten Ländern. Snapchat ist dieses Jahr der grosse Senkrechtstarter.

Wenig erstaunlich: «Mal offline sein» wird nur von einem Viertel (Schweiz) oder knapp einem Fünftel der Jugendlichen (USA, Brasilien, Singapur) als in bezeichnet und auch wirklich praktiziert.

Eine Erklärung könnte sein, dass Jugendliche bisher in jeder Epoche fürchteten, etwas Interessantes zu verpassen. Die englische Umgangssprache kennt sogar einen Begriff für dieses Gefühl: FOMO («fear of missing out» oder eben die «Angst, etwas zu verpassen»). 

Analoge und digitale Welt sind für die Jugendlichen schon längst verschmolzen.

Eine tieferschürfende Begründung könnte sein, dass die Befragten gar nicht zwischen online und offline unterscheiden. Diese Generation, die 1991 und später geboren ist, kennt die Welt ohne Internet nicht. Dementsprechend sind die analoge und die digitale Welt für sie schon längst verschmolzen. Ein Beispiel für diese These ist das Handy-Spiel Pokémon Go. Dass man dort in der realen Welt virtuelle Fantasiefiguren sammelt, finden nur die Eltern seltsam. 

International comparison: Most important communication tools

Was sich im ganzen Jugendbarometer zeigt: Obwohl «digital» keine Grenzen kennt und man es gerne gleichsetzt mit «global», gibt es grosse Unterschiede zwischen den Ländern. Gerade in der Kommunikation wird das sichtbar. Die SMS gewinnt in den USA und in Singapur immer noch an Bedeutung, in Brasilien und der Schweiz wird sie nur von einer Minderheit benutzt. Zumindest in den USA hat das damit zu tun, dass sich das – notabene amerikanische – WhatsApp nie durchgesetzt hat, wohl, weil die SMS schon immer mehrheitlich gratis war. In der Schweiz und in Brasilien hingegen dominiert WhatsApp.

Facebook übernimmt immer mehr Funktionen im Leben der Jugendlichen. Der Facebook-Messenger liegt in der Hitparade für Kommunikationsmittel in allen Ländern auf den vordersten Rängen, man braucht das soziale Netzwerk aber auch, um News zu konsumieren, und es gilt seit Jahren als «in». Auch WhatsApp gehört zum Facebook-Konzern, der folgende Nutzerzahlen veröffentlicht. Facebook: 1,6 Mrd. jeden Monat aktive Mitglieder, WhatsApp: 900 Mio., Messenger: 800 Mio.

Doch die Jugendlichen kennen bei digitalen Technologien wenig Markenloyalität, und gemäss ihren Aussagen könnten Facebook und WhatsApp bald unter Druck kommen, denn die Jugendlichen haben einen Favoriten auserkoren: Snapchat aus Los Angeles, gegründet 2011. Den Kommunikationsdienst, der Fotos und Videos stärker in den Mittelpunkt stellt als WhatsApp und mehr Privatsphäre bietet (die Nachrichten werden nach einer gewissen Zeit gelöscht, und man wird informiert, wenn ein Empfänger etwas archiviert), nutzen bereits 52 Prozent der Befragten in der Schweiz und auch für die Mediennutzung wird in allen Ländern immer mehr auf Snapchat zurückgegriffen. Laut Bloomberg ist Snapchat bereits 18 Mrd. Dollar wert. Wie viele Nutzer es hat, wird nicht kommuniziert.

International comparison: Statements about Facebook

Zuletzt eine weniger erfreuliche Nachricht: Viele Jugendliche haben schon negative Erfahrungen bei der Kommunikation im Internet gemacht. 40 Prozent von ihnen in den USA, 25 Prozent in Brasilien, 33 Prozent in Singapur und 39 Prozent in der Schweiz geben an, auf Facebook lästig angemacht oder richtiggehend gemobbt worden zu sein. In der Schweiz hat dieser Wert stark zugenommen, 2010 berichteten erst 11 Prozent von solchen Erlebnissen. Das könnte ein Grund sein, warum jene Kommunikationsdienste in den letzten Jahren an Popularität gewonnen haben (WhatsApp, Snapchat, Facebook-Messenger), bei denen sich besser als auf der Facebook-Pinnwand steuern lässt, wer was lesen und kommentieren darf. 

Jugendbarometer 2016: Kommunikation

Quelle: YouTube (Credit Suisse Schweiz)