Claude Monet: Lichtgestalt und Bauarbeiter
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Claude Monet: Lichtgestalt und Bauarbeiter

Die National Gallery in London, langjährige Partnerin der Credit Suisse, lädt zum Besuch von Claude Monets Bauwerken. Treten Sie ein und fühlen Sie sich wie zu Hause.

Hört man den Namen Claude Monet (1840–1926), denkt man unweigerlich an Gemälde von Landschaften und an Seerosenbilder. Auch wenn Letztere zunächst nur beschränkt Anklang fanden, so sind sie heute ausserordentlich populär und haben wesentlich dazu beigetragen, dass Monet oft als Naturmaler gefeiert wird. Als einer der Gründerväter des Impressionismus stellte Monet seine Staffelei besonders gern im Freien auf, um «en plein air» zu malen. Er verschrieb sich dabei jedoch nicht nur der Schöpfungen der Natur, sondern ebenso jenen, die von Menschenhand geschaffen wurden. Immer wieder bannte er Gebäude und Konstruktionen – bald prachtvolle, bald bescheidene – auf die Leinwand; Sinnbilder der Kultur und Ausdruck des freien Schöpfungswillens des Menschen. Im Laufe seiner 50 Jahre währenden Karriere – von den 1860er bis in die 1910er Jahre – malte Monet sowohl in seiner Heimat Frankreich als auch auf seinen Reisen in ganz Europa Städte und Ortschaften, bedeutende Bauwerke, Wohnhäuser, Kirchen sowie Brücken.

Vom 9. April bis zum 29. Juli 2018 präsentiert die National Gallery in London eine weltweit einmalige Ausstellung, die sich ausschliesslich der Rolle von Bauten im Werk von Claude Monet widmet: «The Credit Suisse Exhibition: Monet & Architecture». Die Ausstellung umfasst 78 Gemälde des impressionistischen Meisters. Die Credit Suisse ist stolz, ihre zehnjährige Partnerschaft mit der National Gallery mit der aktuellen Monet-Ausstellung fortsetzen zu können.

Monet & Architecture

Einführung in die Rolle der Architektur im Leben von Monet – von Christopher Riopelle, Kurator der National Gallery für Gemälde ab 1800

Chronist des Fortschritts…

Die Gründe, warum Monet Bauwerke in seinen Gemälden darstellte, sind mannigfaltig. Unverkennbar ist jedoch seine Faszination für das Neue und Moderne, für den Anbruch einer Zeit, die gross denkt und gross handelt: Baron Haussmanns kühne Neugestaltung von Paris fasziniert den Maler ebenso wie die technischen Segnungen des Industriezeitalters: grossartige Ingenieursleistungen oder riesige Bahnhöfe mit schnaubenden Zügen, die einen in Windeseile von A nach B tragen. Während seiner verschiedenen Aufenthalte in London in den Jahren 1870–1871 und 1899–1901 malte Monet einige der neuesten und markantesten Bauten der Stadt.

…und Zeuge der Vergangenheit

Gleichwohl wandte er sich stets auch historischen Gebäuden und berühmten architektonischen Wundern wie der Kathedrale von Rouen oder der Kirche San Giorgio Maggiore von Andrea Palladio in Venedig zu und wählte mitunter selbst bescheidene, traditionelle Katen und Hütten als Motiv. Unverwechselbare Gebäude verleihen den Gemälden nicht selten ein charakteristisches Gefühl für den Ort. In der normannischen Heimat Monets lassen sich die Ortschaften alleine schon aufgrund ihrer mittelalterlichen Kirchtürme voneinander unterscheiden. Auf seinen Reisen stellte Monet Windmühlen in Holland dar, strahlend weisse Villen am Mittelmeer und die unverwechselbaren Palazzi am Canal Grande von Venedig.

Farbenfrohe Kontrapunkte

Beim Erschaffen einer Komposition bilden die regelmässigen Formen von Gebäuden, aus der Nähe oder Ferne betrachtet, einen Kontrast zu den organischen Formen der umgebenden Landschaft und vermitteln auf diese Weise ein Gefühl für den Massstab, der mitunter mit dramatischer Wirkung eingesetzt wird. Monet wählte den Standort seiner Staffelei sorgfältig aus und malte bisweilen sogar in anderen Gebäuden, um einen höheren Blickpunkt zu haben. Von Menschenhand errichtete Bauten boten ihm darüber hinaus die Möglichkeit, kräftige Komplementärfarben zu verwenden und etwa die roten Dachziegel eines Hauses als Kontrapunkt zum umgebenden grünen Blattwerk zu setzen.

Gleich und doch anders

Monets Gemälde mochten Szenen des modernen Lebens oder historische Gebäude darstellen, im Vordergrund seines malerischen Schaffens stand jedoch stets die Wirkung des Lichts und des Wetters. Häufig malte er mehrere Versionen desselben Motivs, variierte jedoch die Lichtstimmung, sodass zwischen kompositorisch ähnlichen Bildern deutliche Unterschiede in der emotionalen Tonalität entstanden. Die Fassade eines Gebäudes konnte als Leinwand fungieren, auf der das Sonnenlicht spielt, eine Brücke als unverrückbare Konstante, die von Nebel, Schnee oder Regen verhüllt wird. Die Londoner Ausstellung bietet den Besuchern damit nicht nur einen Rausch der Farben, sondern auch ein faszinierendes Wechselspiel der Lichtverhältnisse je nach Tageszeit und Witterungsbedingungen. Einmal mehr demonstriert Monet damit seine Fähigkeit, das Publikum in Erstaunen zu versetzen.