CIO Video April 2015

Wo man hinschaut: die Aussichten für die Weltwirtschaft scheinen sich einzutrüben. Seien es die gemischten US-Wirtschaftsdaten, die agressive Lockerung der Geldpolitik in China oder die immer noch ungelöste Schuldenkrise in Griechenland. Welche Auswirkungen hat dies auf die Geldanlage? Diese Frage möchte ich heute mit Michael Strobaek, Global CIO der Credit Suisse, besprechen.

Dominique Franz: Herr Strobaek, ist die Erholung der Weltwirtschaft immer noch auf Kurs?

Michael Strobaek:

  • In den USA erscheint der Arbeitsmarkt immer noch robust. Insbesondere ist ein positives Lohnwachstum zu verzeichnen, was auf eine nach wie vor selbsttragende Erholung schliessen lässt. Auch die niedrigen Ölpreise kurbeln den Konsum an.
  • In China reagieren die Währungshüter zügig und aggressiv auf die schwächeren Daten. Dies dürfte zu einer Stabilisierung beitragen. Wir rechnen hier mit weiteren Zinssenkungen.
  • In Europa stellt die Lage Griechenlands immer noch ein Problem dar. Das Ansteckungsrisiko scheint jedoch gering und unter Kontrolle zu sein. Jüngste Äusserungen vom IWF-Treffen deuten darauf hin, dass die Gespräche allmählich konstruktiver werden. Aus der Umfrage der Europäischen Kommission zu Mischfinanzierungen (dem sogenannten «Blending») geht zudem hervor, dass sich die Kreditbedingungen nach dem Start der quantitativen Lockerung allmählich verbessern. Also sind erste Verbesserungen festzustellen.
  • Daher beurteilen wir die Wirtschaftsaussichten nicht so pessimistisch wie andere Marktteilnehmer.

Das Anlagekomitee hat beschlossen, an einer neutralen Positionierung in globalen Aktien festzuhalten. Haben sich vielleicht aber die regionalen Präferenzen verändert?

  • Seit einiger Zeit betonen wir immer wieder, dass Aktien aus zyklischer Sicht unsere bevorzugte Anlagekategorie für dieses Jahr sind. Und vor Kurzem konnten wir eine Verbesserung der charttechnischen Indikatoren feststellen. So ist das Momentum nun neutral. Allerdings sind die Bewertungen sehr hoch. Daher möchten wir lieber eine uneingeschränkt positive technische Beurteilung abwarten, bevor wir eine Übergewichtung eingehen.
  • Was die regionalen Präferenzen betrifft, bevorzugen wir nach wie vor Regionen mit einer stützenden Geldpolitik, wie z.B. Japan oder Australien, aber auch China. Nach dem jüngsten Rückschlag haben wir jedoch beschlossen, bei unseren Positionen in der Eurozone, die wir mit Outperform einstufen, Gewinne mitzunehmen. Wegen verbesserter technischer Indikatoren haben wir den Ausblick für den US-Aktienmarkt auf Neutral hochgestuft.

Den Fixed-Income-Bereich schätzen wir weiterhin negativ ein. Was können Anleger in dieser Anlagekategorie noch kaufen?

  • Durch das extrem tiefe Zinsniveau lassen sich mit Anleihen nur sehr schwer positive Gesamtrenditen erzielen. Die Bewertungen erscheinen durchweg ausgereizt.
  • Wir bevorzugen jene Segmente, die zu einem angemessenen Risiko einen Renditevorteil bieten. So sind wir zum Beispiel noch in Hochzinsanleihen übergewichtet.
  • Auch inflationsgeschützte Anleihen sind attraktiv. Die Inflationserwartungen haben nämlich die Talsohle durchschritten und tendieren nun nach oben.

Sie haben den Ausblick für Rohstoffe auf absolut Negativ gesenkt. Wie tief können die Ölpreise noch fallen?

  • Die Rohstoffmärkte unterscheiden sich von den Aktien- und Anleihenmärkten darin, dass sie weniger vorausschauend sind. Während Aktien und Anleihen bereits auf die Erwartung einer weiteren geldpolitischen Lockerung reagieren, steigen Rohstoffe erst, wenn sich die harten Wirtschaftsdaten konkret verbessern.
  • Die negativen Überraschungen in China dürften daher die Rohstoffe belasten. Es sind bereits Lockerungsmassnahmen auf dem Weg, von denen die Finanzmärkte profitieren dürften. Es wird jedoch einige Zeit dauern, bis sich dies in harten Wirtschaftsdaten widerspiegelt. Bis dahin besteht die Gefahr, dass Rohstoffe weiter unter Druck bleiben.
  • Innerhalb der Rohstoffe schätzen wir Öl mit Outperform ein. Die Ölpreise dürften sich also besser entwickeln als andere Rohstoffpreise, zumal es in den USA erste Anzeichen für einen Rückgang der Fördermengen an Schieferöl gibt.

Vielen Dank Herr Strobaek