Chinas Jugend lässt E-Commerce florieren
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Chinas Jugend lässt E-Commerce florieren

Dank einer wohlhabenden Generation wächst Online-Shopping in China weiter. Die Jugend kauft zunehmend im Internet ein, weil es einfacher ist und es auf dem Land an Geschäften mangelt.

Steigende Einkommen und neue Produkte haben die Einkaufsgewohnheiten der Chinesen in den letzten Jahrzehnten radikal verändert. Mit der unersättlichen Nachfrage nach Smartphones setzt sich diese Entwicklung weiter fort. Derzeit kommen Smartphones auf eine Durchdringungsrate von 37 Prozent, Tendenz steigend. Chinesen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren verbringen im Schnitt mehr als drei Stunden pro Tag mit ihrem Smartphone. «Etwa die Hälfte der in den 90er-Jahren geborenen Chinesen schaut alle 15 Minuten auf das Smartphone und nutzt auf dem Handy installierte Apps für die täglichen Aufgaben: Jobsuche, Freizeitaktivitäten, Chatten, Einkaufen, Spiele, Urlaubsplanung und vieles mehr. Auch Online-Shopping steht weit oben auf der Liste», wie Dick Wei, regionaler Leiter Internet Research der Credit Suisse in Hongkong, erklärt.

Die zunehmende Internetnutzung kommt dem Online-Handel zugute

Die Rolle des E-Commerce in Schwellenländern sollte nicht unterschätzt werden, auch wenn die Internetverbreitung bei Weitem noch nicht abgeschlossen ist. In der letzten Konsumentenbefragung (Emerging Consumer Survey) der Credit Suisse, in der fast 2'600 chinesische Verbraucher im Alter zwischen 18 und 65 Jahren befragt wurden, gaben 71 Prozent der Befragten an, Internetzugang zu haben. Hochgerechnet auf die gesamte Altersgruppe entspricht dies rund 650 Millionen Chinesen. Sollte die Internetnutzung das Niveau der Industrieländer erreichen, würden bald weitere 258 Millionen Chinesen in Web surfen. «Mit zunehmender Akzeptanz und Verbreitung des Internets ändert sich auch das Nutzungsverhalten. Die kommerzielle Nutzung, wie für Online-Einkäufe, -Banking und -Reisebuchungen, löst Spiele und Sofortnachrichtendienste ab. In China beobachten wir diese Entwicklung seit einigen 2Jahren», erklärt Wei. Letztes Jahr gaben fast zwei Drittel der befragten Chinesen an, innerhalb der letzten sechs Monate über das Internet eingekauft zu haben. Prozentual liegt China damit deutlich vor den anderen acht Schwellenländern, die an der Umfrage teilgenommen haben: Brasilien, Indien, Indonesien, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien, die Türkei und Südafrika. Bemerkenswert ist auch, dass sich der Anteil der chinesischen Landbevölkerung, die das Internet zum Einkaufen nutzt, innerhalb der letzten vier Jahre auf 64 Prozent fast verdoppelt hat.

Die Chinesen verbringen mehr Zeit mit Shoppen als mit Spielen und Chatten

Die Chinesen verbringen mehr Zeit mit Shoppen als mit Spielen und Chatten

Quelle: Credit Suisse Emerging Consumer Survey

Begeisterte Online-Kunden

Der Umsatz im chinesischen Online-Handel ist 2014 um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, die Durchdringungsrate lag im letzten Jahr bei 10,7 Prozent. Dieser Wert liegt über den in Industrieländern verzeichneten Raten, beispielsweise in den USA (7,6 Prozent) und Japan (3–5 Prozent), die Nachfrage scheint ungebrochen. 35 Prozent der im Emerging Consumer Survey befragten chinesischen Konsumenten gaben auf Nachfrage an, auch innerhalb der nächsten sechs Monate online einkaufen zu wollen. «Die E-Commerce-Durchdringung in China wird voraussichtlich bis 2020 bei über 20 Prozent liegen», schätzt Wei. Hinter der wachsenden Nutzung von Online-Shopping steckt vor allem die Generation, die zwischen 1985 und 1995 geboren ist. Diese Generation macht die Hälfte aller E-Commerce-Nutzer aus, wobei Männer ganz leicht in der Mehrheit sind. «Diese jungen Menschen sind besser ausgebildet als ihre Eltern und haben oft bessere Jobs. Sie müssen nicht ihre Familie unterstützen und können so mehr Geld für sich ausgeben», erklärt Wei. Laut einer Studie des China Internet Network Information Centre (CNNIC) kauft der durchschnittliche (junge) Chinese 28 Mal im Jahr online ein, wobei er insgesamt 5'374 Renminbi (846 USD) ausgibt.

E-Commerce-Durchdringung in China höher als in den USA

E-Commerce-Durchdringung in China höher als in den USA

Quellen: iResearch, US Department of Commerce, Schätzungen der Credit Suisse

Komfort und mangelnde Einkaufsmöglichkeiten auf dem Land

Der Boom beim Online-Shopping in China hat mehrere Gründe. Im Allgemeinen niedrigere «Preise, mangelnde Einzelhandelsflächen in ländlichen Regionen, die Qualität der Produkte im Internet, die Möglichkeit individueller Produktanpassungen sowie Komfort sind nur einige der Gründe für den Erfolg des E-Commerce», unterstreicht Wei. «Immer mehr chinesische Konsumenten entdecken auch die Dienstleistungsangebote, die online angeboten werden. Zunehmend werden Taxis, Flüge, Hotels oder Reisen online gebucht oder Filme und Eintrittskarten bestellt. Auch Bankgeschäfte werden teilweise über das Internet getätigt», fügt Wei hinzu. Online Banking gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die Zahl der Chinesen, die das Internet für Zahlungen nutzen, steigt.

Mode, Elektronik, Lebensmittel

Chinesische E-Commerce-Kunden kaufen vor allem Kleidung und Schuhe, PCs und Handys sowie Haushaltswaren und Lebensmittel online. Die Gruppe der 20- bis 30-Jährigen wickelte letztes Jahr 41 Prozent der Einkäufe von Elektronikartikeln über ein Smartphone, Tablet oder Notebook ab. Diese Zahl ist mehr als doppelt so hoch wie in den übrigen acht Schwellenländern, die im Emerging Consumer Survey untersucht wurden. Die drei entscheidenden Faktoren im Online-Shopping sind die Marke, der Ruf der Website oder des Verkäufers und der Preis, gefolgt von einer schnellen Lieferung. Dies könnte sich jedoch zukünftig ändern. «Die Servicequalität rückt mehr und mehr in den Mittelpunkt, also eine schnelle und pünktliche Lieferung der online gekauften Waren und Dienstleistungen», erklärt Wei. Langfristig wird der chinesische Online-Einzelhandel aller Voraussicht nach Umsätze von USD 1.1 Billionen erzielen. 2013 lag der Umsatz bei lediglich USD 300 Milliarden. «Diese Prognose scheint nicht überzogen, wenn man die Schätzungen der Credit Suisse berücksichtigt, die davon ausgehen, dass Online-Shopping bis 2016 ein Volumen von etwa 728 Milliarden erreichen und in den nächsten drei Jahren um das Zweieinhalbfache wachsen wird», so Wei.

Die Marke, der Ruf des Verkäufers und der Preis ziehen Kunden an

Die Marke, der Ruf des Verkäufers und der Preis ziehen Kunden an

Quelle: CNNIC