Wettbewerbsdruck aus China
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Wettbewerbsdruck aus China

Der schwache Yuan und andere Treiber verschaffen chinesischen Firmen Marktvorteile.

Letzten Monat löste die Entscheidung der chinesischen Zentralbank, die streng kontrollierte Währung Chinas abzuwerten, auf den globalen Finanzmärkten Schockwellen aus. Nach Angaben der People’s Bank of China spiegelt diese Entscheidung die Hinwendung der Bank zu einer stärker marktorientierten Bewertung wider, doch es gibt auch andere Interpretationen. Etwa, dass durch diese Massnahme der schwächelnde Exportmarkt angekurbelt werden soll. Dieser hat dringend Unterstützung nötig. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass chinesische Exportunternehmen von einem schwächeren Yuan profitieren. Die jüngste Währungsabwertung kommt jedoch nicht alleine daher, sie ist nur eine von mehreren Treibern, die chinesischen Unternehmen zu Wettbewerbsvorteilen verhelfen. Insbesondere in Produktmärkten mit hohem Wertschöpfungspotenzial. Hier ein Überblick über einige andere wichtige Wettbewerbstreiber:

Überschusskapazitäten

Zuerst einmal besteht die Gefahr, dass China seine Überschusskapazitäten exportiert und so weiterhin Preisverzerrungen auslöst. In China wird weiterhin ein ungewöhnlich hoher Anteil des BIP investiert – die Quote liegt deutlich über den Höchstwerten, die in Japan und in Korea während der industriellen Expansionen dieser Länder verzeichnet wurden. Ein Rückgang der Industrieproduktion in China gekoppelt mit einer nachlassenden Binnennachfrage wird zwangsläufig zu niedrigeren Preisen führen. Infolgedessen sehen sich chinesische Unternehmen gezwungen, sich im Ausland nach neuen Märkten umzusehen. Kommt hinzu, dass die für das nächste Jahr erwartete Fortsetzung der Währungsabschwächung das Risiko eines weiteren Preisverfalls erhöht.

Mehr Bewegung bei Produkten mit hohem Wertschöpfungspotenzial

Bereits seit mehreren Jahren ist eine stete Durchdringung der Industriemärkte durch chinesische Unternehmen zu beobachten, wobei es sich heute bei 40 bis 50 Prozent der exportierten Güter um Maschinen oder Transportmittel handelt. Genauso bedeutend ist die Tatsache, dass die Importintensität in Zusammenhang mit diesen Ausfuhren stark zurückgegangen ist. Konkret: Beispielsweise ist der Prozentsatz der Computerkomponenten, die importiert werden müssen, um Computerexporte überhaupt erst zu ermöglichen, von 40 Prozent im Jahr 2000 auf 15 Prozent im Jahr 2013 gefallen.

Nicht unerwähnt bleiben darf die Tatsache, dass die Abwertung der Währung nicht nur den Absatz von Billigerzeugnissen ankurbelt, sondern auch in vielen Bereichen, in denen hohe Margen zu erzielen sind, für Auftrieb sorgt. Und genau in diese Bereiche stossen chinesische Unternehmen zunehmend vor.

Profitabilitätslücke

Die Margen und Renditen chinesischer Unternehmen waren schon immer geringer als die ihrer westlichen Konkurrenten. Dass dies nach wie vor so ist, liegt an einem guten Zugang zu günstigen Finanzierungsmitteln und weitaus niedrigeren Kapitalkosten, aber auch an dem eigenen Wunsch, nationale Champions mit hohen Marktanteilen zu etablieren anstatt die Profitabilität in bestimmten Branchen zu maximieren. Chinesische Unternehmen sind bereit, Abstriche bei der Profitabilität zu machen, wenn sie so ihre strategischen Ziele in bestimmten Branchen – und zunehmend in Bezug auf Produkte mit hohem Wertschöpfungspotenzial – erreichen können. Das bedeutet, dass Firmen aus westlichen Industrieländern in Zukunft nicht mehr ohne Weiteres die Qualitätskarte spielen können, wenn es darum geht, ihre Preise zu rechtfertigen.

«Made in China 2025»

Es sieht so aus, als drehe sich in der chinesischen Politik alles darum, die Marktpositionierung in einer Reihe von Branchen mit hohem Wertschöpfungspotenzial zu verbessern. «Made in China 2025» ist der erste von drei 10-Jahres-Plänen, durch die China bis 2049 in eine auch im Hinblick auf Qualität und Wertschöpfung führende Produktionsmacht verwandelt werden soll. Es geht um den Wandel von einer am unteren Ende angesiedelten, quantitätsorientierten und arbeitskräfteintensiven produzierenden Wirtschaft zu einer modernen, integrierten und digitalisierten Produktionsmacht. Diese soll bei globalen und technischen Innovationen die Nase vorn haben und nicht länger von importierten Komponenten und Werkzeugmaschinen sowie internationalem Know-how abhängig sein. Im Zentrum dieser bedeutenden Transformation stehen zehn Schlüsselsektoren. Bei Konsumgütern, in der Telekommunikationsbranche und in bestimmten Bereichen bei Kapitalgütern und Werkzeugmaschinen sind bereits Qualitätsverbesserungen festzustellen. Doch bis 2025 wird sich noch einiges tun.