Carol Franklin: Teak spricht für sich

Die Verwaltungsratspräsidentin von Forests for Friends und The Tree Partner Company spricht über Investitionen in Teakholz, Ökologie und den Standort Panama.

Bäume sind ein fester Bestandteil der Landschaft und sie beflügeln die menschliche Vorstellungskraft. Ihre Produkte sind in unserem Leben allgegenwärtig. Kein Wunder, dass sie auch als Finanzanlage genutzt werden. Teak wird besonders geschätzt wegen seiner Schönheit, seiner spirituellen Assoziationen, weil es widerstandsfähig ist und sich gut verarbeiten lässt. Der Teakbaum erreicht seine Reife in rund 20 Jahren und ist ziemlich einfach zu kultivieren, obschon die für ein gesundes Wachstum erforderlichen Standorte gewisse Bedingungen erfüllen müssen. In den richtigen Händen bietet Teak geduldigen Investoren aber dennoch interessante Möglichkeiten.

Giselle Weiss: Sie sagen, Sie seien «zufällig» beim Edelholzanbau gelandet und dass Sie ihn interessant fänden. Weshalb?

Carol Franklin: Wer in Bäume investiert, gibt sein Geld für 20 Jahre aus der Hand. Solche Anlagen sind schwer an den Mann oder die Frau zu bringen, weil sie – richtig aufgelegt – wirklich illiquid sind. Die meisten unserer Konkurrenten versprechen, nach drei bis fünf Jahren erste Ausschüttungen vorzunehmen und die Investition bei Bedarf zurückzuzahlen. Das ist absoluter Unsinn. Sie stellen zudem Renditen von 9 bis 15 Prozent jährlich in Aussicht, was ebenfalls Unsinn ist. Unsere Renditen liegen bei jenen, die man früher auf Sparkonten erzielte: 6 bis 7 Prozent pro Jahr, wobei 85 Prozent davon nach 20 Jahren anfallen, wenn die Bäume abgeerntet werden.

Wie funktioniert das Ganze?

Gemäss unserem Konzept bezahlt der Investor den ganzen Anlagebetrag zu Beginn und erhält dafür eine Beteiligung. Wir haben folglich genug Kapital für die 20 Jahre, die der Baum für sein Wachstum benötigt. Wir kaufen das Land, pflanzen die Bäume und pflegen sie sehr sorgfältig. Läuft alles gut, können wir nach vier, fünf Jahren das erste Mal nicht kommerziell auslichten. Weitere Ausdünnungen erfolgen nach 8 und 14 Jahren, die Ernte nach 20 Jahren.

Schauen wir etwas zurück: Weshalb Bäume? Warum nicht Weingüter, edle Autos, Picassos oder ein kleines, aber feines Start-up in der chemischen Industrie?

Ich habe mich schon immer für Ökologie interessiert. Bäume sind für unser Überleben unerlässlich. Sie bremsen den Klimawandel, indem sie CO2 speichern. Man kann sie – anders als etwa Derivate – sehen und berühren.

Weshalb Teak?

Teak lässt sich nach 20 Jahren verkaufen. Es gibt viele schöne und interessante Bäume, für die aber kein internationaler Markt besteht. Beim Teak hingegen funktioniert der Markt. Zurzeit verkaufen wir all unser Holz nach Indien, das die gesamte globale Ernte aufnehmen könnte. Jüngst sind die Märkte Vietnam und China gewachsen und ein Teil des Holzes geht in diese Länder, wo es zu wunderschönen Gartenmöbeln, Türen, Schränken und anderem verarbeitet wird. Es wäre schön, wenn die Märkte USA und Europa schon bald wieder mehr Leben zeigen würden.

Wir sprechen hier über Holzplantagen, nicht über Tropenwald, richtig?

Ja. Wir pflanzen die Bäume auf brachliegendem Weideland an. Plantagen sind an sich nicht ökologisch, lindern aber den Druck auf die Primärwälder, weil dort weniger Bäume geschlagen werden. Unsere Plantagen sind ausserdem allesamt vom Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert.

Warum haben Sie Panama als Standort ausgewählt?

Teak wächst nur entlang des Äquators. In vielen Ländern dieser Region würden Sie Ihr Geld aber wohl nicht anlegen wollen. Panama hat ein relativ verlässliches Rechtssystem. Das Land ist schmal und befindet sich zwischen zwei Ozeanen, sodass der nächste Seehafen nie weit ist. Pflanzen Sie etwa in Brasilien an, kann der nächste Hafen 3000 Kilometer entfernt sein. Der Transport des Holzes an die Küste kostet dort ein Vermögen. Der Transport zur See ist im Vergleich zu jenem über Land nicht sehr teuer. Panama gewährt zudem Steuervergünstigungen für Wiederaufforstungen.

Wer sollte in eine Teakplantage investieren?

Ums schnelle Geld geht es hier nicht. Gefragt sind langfristige Mittel von Anlegern, die sich Bäumen verbunden fühlen, denen ökologische Aspekte wichtig sind und die etwas tun möchten, um die Welt zu retten. Pensionskassen wären ideal, weil Teak eine langfristige Anlage ist und Pensionskassen berechenbare, langfristige Verpflichtungen haben. Teak eignet sich zudem für Family Offices. Familien mit einer grossen Tradition besassen oft eigenen Wald – einige auch noch heute. Wir haben unter unseren Anlegern viele Grosseltern! Sie denken langfristig und Teak generiert nach kürzerer Zeit Renditen als etwa deutscher Wald. Eine Eiche benötigt bis zu ihrer Reife 100 Jahre.

Und wer sollte nicht investieren?

Anleger, die ihr Geld in den nächsten 20 Jahren möglicherweise benötigen. Ich würde auch nie mehr als zehn Prozent meines verfügbaren Kapitals in ein Projekt wie dieses investieren. Wir sind nicht börsennotiert, was die Anlage noch illiquider macht. Dies bedeutet aber auch, dass wir von den Finanzmärkten entkoppelt sind. Beim nächsten Crash – und der kommt ganz bestimmt – werden zumindest Ihre Bäume weiter wachsen. Sollten die Holzpreise zu einem gegebenen Zeitpunkt unattraktiv sein, lassen wir die Bäume einfach stehen und war ten. Wir sind nicht im Geschäft mit Reis, Orangen oder etwa mit Trauben.

Können Sie den Pflanzzyklus beschreiben?

Sie kaufen Land, bearbeiten das Land und pflanzen die Bäume. Sie brauchen den richtigen Boden und die richtigen Setzlinge. Letztere wurden in den vergangenen zehn Jahren dramatisch verbessert. Weil unsere Plantagen ökozertifiziert sind, können wir gewisse Schädlings- und Unkrautbekämpfungsmittel nicht einsetzen. Gras und Büsche müssen deshalb mit der Machete kontrolliert werden. In der Wachstumsphase entfernen wir die Äste, um Knotenbildung zu vermeiden. In der Regel werden pro Hektare 800 bis 1100 Bäume im Abstand von drei Metern gepflanzt. Nach vier Jahren werden die Bäume ausgedünnt, um ihnen Platz und Licht zu geben, sodass sie zu grossen, starken und geraden Exemplaren heranwachsen.

Während des weiteren Wachstums lichten Sie erneut aus?

Richtig. Die nächste Auslichtung findet nach acht Jahren statt, sie ist die erste kommerzielle Nutzung. Das Holz wird für Türrahmen, Täfelungen mit Nut-Feder-Verbindungen, Holzdielen oder Möbel verwendet. Wir verdienen bei der zweiten Ausdünnung mehr Geld, als wir für die Arbeiten aufwenden, doch wir setzen es für den Unterhalt ein. In unserer Liquiditätsplanung sind das Erträge, die wir nicht an die Anteilsinhaber ausschütten – anders als andere Unternehmen, die damit ihre Aktionäre bei Laune halten und zusätzliche Mittel für die Pflege der Plantage benötigen. Eine weitere Auslichtung wird nach 14 Jahren, die eigentliche Ernte nach 20 Jahren vorgenommen. Abhängig vom Wachstum der Bäume oder der Marktlage können es aber auch 18 oder 22 Jahre sein.

Sind die Bäume anfällig für Witterungseinflüsse oder Schädlinge?

In den ersten vier, fünf Jahren kann Feuer Schaden anrichten. Wir haben deshalb Feuerschneisen eingerichtet, meist in Form von Strassen. Zudem haben wir Angestellte, die auf der Plantage leben und aufpassen. Panama kennt keine Wirbelstürme. Es gibt lokale Windhosen, die manchmal junge Bäume umlegen. Diese können aber wieder aufgerichtet werden und wachsen weiter. Eine bestimmte Pilzerkrankung kann ebenfalls problematisch sein; sie kommt aber nur begrenzt vor und wir bekämpfen sie früh.

Was sollten Anleger wissen oder berücksichtigen, bevor sie sich engagieren?

Sie müssen sich vor allem bewusst sein, dass sie ihr Geld für die nächsten 20 bis 24 Jahre aus der Hand geben. Und sie sollten uns unter die Lupe nehmen, weil sie hier in Menschen investieren, nicht in Dinge. Das ist wie eine Rückversicherung. Das mag technisch klingen, aber letztlich schliessen sie eine Versicherungspolice auf den Versicherer ab.

Macht Ihnen der Klimawandel Sorgen?

Nun, es gibt Bedenken, weil die Regenfälle unvorhersehbar werden. Und wenn die Tropen kühler würden, wäre das ein Problem. Im Tagesgeschäft sind die politischen Risiken wohl tendenziell grösser als die natürlichen. Panama ist vermutlich stabiler als einige andere Länder in den Tropen.

Haben Sie Besucher, die sich die Bäume ansehen möchten?

Wir organisieren Anlegerreisen inklusive Exkursionen in Panama – wir besuchen den Kanal, ein indigenes Dorf, die alte Festung bei Colón und unsere Schaf- und Ziegenfarm. Viele Besucher möchten sich nur umsehen und wollen nicht investieren oder potenzielle Anleger möchten uns näher kennenlernen, bevor sie investieren. Das ist uns recht.

Wenn Sie von vorne beginnen könnten, würden Sie dies nochmals tun?

Meine erste Erfahrung mit derartigen Investments machte ich effektiv als Verwaltungsratsmitglied eines Unternehmens, das scheiterte. Das ist eine lange Geschichte. Mein Mann und ich machten es zu unserer Mission, dieses Unternehmen – das heute als Forests for Friends firmiert – zu retten. Das war ein enormes Wagnis und unsere Chancen standen schlecht. Hätten wir die Herausforderung hingegen nicht angenommen, hätten 2500 Menschen ihr Geld verloren. Wir hatten Erfolg, und das sowie die Gründung von The Tree Partner Company haben mein Leben für immer verändert.