Mehr finanzielle Selbstbestimmung für Frauen
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Mehr finanzielle Selbstbestimmung für Frauen

Eine Milliarde Frauen ohne Bankkonto müssen zwingend in das Finanzsystem eingegliedert werden. Mehr Rechte für Frauen verbessern die Gesamtsituation von Familien und Gesellschaften und sorgen für nachhaltiges Wirtschaftswachstum.

Die Zahl der Menschen weltweit, die keinen Zugang zum Finanzsystem haben, ist seit 2011 auf 2 Milliarden gesunken. Unter Berücksichtigung des Bevölkerungswachstums haben während dieses Zeitraums ca. 700 Millionen Menschen ein Bankkonto eröffnet. Die Kluft zwischen den Geschlechtern blieb jedoch in den Entwicklungsländern unverändert bei 9 Prozent. Dies bedeutet, dass trotz der allgemeinen Fortschritte immer noch 1,1 Milliarden Frauen ohne Bankkonto sind. De facto leiden Frauen jeder Einkommensebene in allen Ländern der Erde unter grösserer finanzieller Ausgrenzung als Männer: Nur 9 Prozent der Frauen im Nahen Osten und Nordafrika haben Zugang zu Finanzdienstleistungen – bei den Männern sind es immerhin 19 Prozent. Am grössten ist die Geschlechterkluft in Südasien. Dort haben 55 Prozent der Männer, jedoch nur 37 Prozent der Frauen ein Konto.

Kundendurchdringung per Geschlecht

Kundendurchdringung per Geschlecht

Quelle: The Global Findex Database 2014

Bedeutung von finanzieller Integration für die Gesellschaft

Eine stärkere finanzielle Integration hat tief greifende Auswirkungen auf das allgemeine Wirtschaftswachstum und die Gemeinschaftsentwicklung. «Auf der Makroebene steigert eine Ausweitung der finanziellen Integration das BIP-Wachstum und sorgt für eine höhere Erwerbsbeteiligung», so Karen Miller, Chief Knowledge and Communications Officer von Women's World Banking, einer global tätigen gemeinnützigen Organisation mit dem Ziel, mehr gering verdienenden Frauen Zugang zu Finanzdienstleistungen zu verschaffen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt, dass die Weltwirtschaft ohne die bestehende Geschlechterungleichheit im Arbeitsmarkt ein um 27 Prozent höheres BIP-Wachstum pro Kopf erzielen könnte. Höhere Beschäftigungsquoten und bessere Ausbildungsmöglichkeiten für Frauen im Nahen Osten und Nordafrika könnten das jährliche BIP dieser Regionen um 1 bis 2 Prozent steigern. Auf mikroökonomischer Ebene führt die finanzielle Integration von Frauen zu einem wesentlichen Anstieg der finanziellen Kompetenz und der sozialen Stabilität von Familien und Einzelpersonen, was sich wiederum positiv auf die Gesellschaft als Ganzes auswirkt.

Bedeutung für die betroffenen Frauen

Wer keinen Zugang zu einer Bank hat, ist gezwungen, all seine täglichen Geschäfte durch Tausch oder Barzahlung abzuwickeln. Bargeld kann zum einen gestohlen werden, zum anderen neigen Verwandte und Freunde durch seine unmittelbare Verfügbarkeit eher dazu, um Kredite zu bitten, die sie dann häufig nie mehr zurückzuzahlen. In einer Gesellschaft, die ausschliesslich mit Bargeld handelt, können sich Geschäftsaktivitäten ausserdem extrem in die Länge ziehen. Diese Zeit geht dann für Ausbildung und Arbeit verloren. Frauen und insbesondere Mädchen sind zudem grösseren Gefahren ausgesetzt, wenn sie Bargeld bei sich führen. «Der Zugang zu Konten, Versicherungen und Vorsorgeplänen ermöglicht es Frauen, ihre Familien und Geschäfte vor unerwarteten Risiken wie plötzlichen Erkrankungen zu schützen, ohne ihre Geschäfte aufgeben oder Geld, das für Lebensmittel und Unterkunft bestimmt ist, verwenden zu müssen», erklärte Miller. «Studien zeigen, dass Frauen, die ihr Geld selbst verwalten, in die Gesundheit, Ernährung und Ausbildung ihrer Familie investieren. Diese Investitionen verbessern die Lebensumstände der Folgegeneration und steigern den Wohlstand von Gemeinschaften erheblich», so Miller weiter. Diese Fakten zeigen deutlich, dass finanzielle Integration für Frauen – und Männer – entscheidende Vorteile bietet.

Vereinfachte Kundenansprache

Aber wie können diese 1,1 Milliarden Frauen – die meisten von ihnen Geringverdienerinnen – effektiv erreicht werden? Der beste Weg für Finanzinstitute ist wahrscheinlich die Wahl einer vereinfachten Kundenansprache. Frauen ohne Zugang zu Bankdienstleistungen benötigen Zugriff auf Sparkonten, Darlehen, Versicherungen und Vorsorgepläne. «Anstatt sich neue finanzielle oder mobile Produkte auszudenken und zu hoffen, dass Frauen diese irgendwie annehmen werden, wären Privatakteure – auch mit Blick auf ihre Gewinne – besser beraten, zunächst herauszufinden, was Frauen am dringendsten benötigen. Danach könnten sie ihre Produkte und Dienstleistungen entsprechend anpassen und Frauen dabei helfen, ihr Leben einfacher und finanziell sicherer zu gestalten», erklärte Miller. Digitale Finanzdienstleistungen sind der Schlüssel für eine vollständige finanzielle Integration und bieten ausserdem eine Möglichkeit, viele der Hürden zu überwinden, denen sich Frauen gegenübersehen. Dazu gehören das Fehlen von Ausweisdokumenten zur Kontoeröffnung, der Mangel an finanzieller Unabhängigkeit und folglich Geld, Kontoführungsgebühren usw.

Gründe, warum kein Bankkonto eröffnet wird

Gründe, warum kein Bankkonto eröffnet wird

Quelle: The Global Findex Database 2014

Digitale Finanzdienstleistungen – die Lösung?

Die jüngste Zunahme von benutzerfreundlichen digitalen Finanzdienstleistungen hat die finanzielle Integration erheblich verbessert. Die Bankenbranche spielt eine wichtige Rolle dabei, Frauen über digitale Kanäle Zugang zu Sparkonten und Versicherungen zu verschaffen. «Solche Dienstleistungen eignen sich besonders gut für Frauen, da sie ihren Bedürfnissen in puncto Vertraulichkeit, Komfort und Sicherheit entsprechen», stellte Miller fest. Die sechstgrösste Geschäftsbank Nigerias, Diamond Bank, hat beispielsweise mit ihrem Sparprodukt BETA einen erfolgreichen Ansatz gefunden. Miller: «Dieses günstige Sparkonto erlaubt es Kunden, viele von ihnen gering verdienende Frauen, über ihr Handy nach eigenem Ermessen geringe Beträge einzuzahlen. Es gibt keine Mindestbeträge und es werden keine Gebühren verlangt.» Durch eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Banken und Mobilfunkbetreibern sowie anderen Privatakteuren wie Investment- und Versicherungsgesellschaften könnten viele weitere Kunden mit geringem Einkommen gewonnen werden. Würde man die 1,7 Milliarden Frauen, die bislang noch kein Mobiltelefon besitzen, mit einem solchen Gerät ausstatten, könnte man die finanzielle Ausgrenzung noch schneller beseitigen.

Unternehmen profitieren von stärkerer Einbeziehung von Frauen

Die Fokussierung auf weibliche Kunden macht sich für Finanzinstitute bezahlt.  Eine von Women's World Banking durchgeführte Studie zeigte, dass es zwischen dem weiblichen Kundenanteil und Portfoliowachstum, Kundenzuwachs, Renditen und Darlehen einen signifikanten statistischen Zusammenhang gibt. Laut Studie erhöht sich durch die Fokussierung auf weibliche Kunden die Wachstums-, Rendite- und Kreditqualität von Finanzinstituten. Mehr Vielfalt im Management wirkt sich ebenfalls positiv auf die Geschäfte aus. Aus der vom Credit Suisse Research Institute durchgeführten Studie «The CS Gender 3000: Women in Senior Management (EN)», die mehr als 28'000 Führungskräfte aus mehr als 3'000 Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von über 10 Milliarden US-Dollar umfasste, ging hervor, dass Unternehmen von besseren Führungsmöglichkeiten für Frauen profitieren. Mehr Vielfalt in Führungsgremien und Management liessen sich empirisch mit höheren Erträgen auf Aktien, einem höheren Kurs-Buchwert-Verhältnis und einer besserer Aktienkursentwicklung in Zusammenhang setzen. Die Message ist klar: Weibliche Führungskräfte und Kunden sorgen für gesellschaftliche und geschäftliche Vorteile. Kein Wunder also, dass die Credit Suisse Women's World Banking bei ihrem Programm «Innovation durch Führung und Vielfalt» mit dem Ziel, Führungskräften von Finanzinstituten mit Schulungen und innovativen Tools dabei zu helfen, besser auf die Bedürfnisse weiblicher Kunden einzugehen, unterstützt.