Nutzniesser des Elektrofahrzeug-Booms
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Nutzniesser des Elektrofahrzeug-Booms

Die Zukunft fährt elektrisch. Sinkende Batteriekosten, strengere Emissionswerte und regulatorische Anreize unterstützen den Trend hin zu batteriebetriebenen Fahrzeugen.

In den nächsten fünf Jahren dürfte die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen und elektrischen Speichersystemen (ESS) eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 20 respektive 10 Prozent aufweisen.

Technologische Entwicklungen und ausgereifte Batterietechnologien haben zu neuen Anforderungen in Bezug auf Bodenschätze geführt. Lithium, Kobalt, Grafit, Nickel, Aluminium und Kupfer werden höchstwahrscheinlich von der stark steigenden Batterienachfrage profitieren.

Warum boomen Batterien gerade jetzt?

Sinkende Batteriekosten, strengere Emissionswerte und regulatorische Anreize (Steuerfreibeträge und Subventionen) unterstützen den Trend hin zu batteriebetriebenen Fahrzeugen. Das EU-Emissionsziel für Personenwagen von 95 g/km für das Jahr 2020, das Ziel der USA von 93 g/km bis 2025, Japans Ziel von 105 g/km bis 2020 und Chinas 117 g/km bis 2020 werden ohne die breite Einführung von Elektrofahrzeugen wohl unmöglich zu erfüllen sein. Aktuell belaufen sich die  Emissionen auf rund 200 g/km. Gleichzeitig haben technologische Entwicklungen in den letzten zehn Jahren die Energiedichte von Batterien erheblich gesteigert und die Kosten erheblich gesenkt. 2008 lagen die Kosten pro Kilowattstunde für Batterien bei rund 1'000 Dollar. Im Jahr 2015 bezifferte die Internationale Energieagentur sie auf rund 250 Dollar und prognostizierte für das Jahr 2022 noch Kosten von 150 Dollar. Das sollte die Branche dabei unterstützen, den künftigen Wegfall von Kaufanreizen verkraften zu können. Gleichzeitig findet auch ein grundlegender Wandel bei der Energieerzeugung statt. Bis zum Jahr 2035 sollen erneuerbare Energien beinahe die Hälfte der stetig steigenden globalen Stromerzeugung abdecken. Die Herausforderung für erneuerbare Energien lautet: Energiespeicherung. Um Last- und Frequenzmanagementprobleme zu lösen, werden lithiumbasierte Batterien verwendet. Weltweit liegt die Speicherkapazität derzeit bei rund 250 Megawatt und dürfte bis 2023 auf 14'000 Megawatt anwachsen.

Elektroautos verstärken die Lithiumcarbonat-Nachfrage

Elektroautos verstärken die Lithiumcarbonat-Nachfrage

Quelle: Credit Suisse Investment Banking Research

Lithiumbatterien – «das Salz im Salat»

Elon Musk, der Gründer und CEO von Tesla, antwortete auf die Frage, ob er darüber besorgt sei, dass der Elektrofahrzeugboom zu einem Lithium-Lieferengpass führen könnte: «... es ist wie das Salz im Salat. Unsere Zellen sollten eigentlich Nickel-Grafit-Zellen genannt werden.» Seine Antwort sollte zwar Bedenken bezüglich der starken Abhängigkeit von Lithium zerstreuen, sie unterstreicht aber gleichzeitig, dass der Druck auf Nickel- und Grafitpreise ansteigen könnte. Klar ist, dass die Batterietechnologie für Elektrofahrzeuge und Stromspeicher reifer geworden ist und sich auf eine Reihe lithiumbasierter Kathodentechnologien konzentriert. Kathoden machen ungefähr 30 Prozent der Batterie aus und erfordern Lithium, Nickel und Kobalt. Laut dem Global Equity and Credit Research Team der Credit Suisse wird die Nachfrage nach Lithiumcarbonat von heute 200 Kilotonnen bis 2025 auf über 500 Kilotonnen steigen. Anoden machen rund 8 Prozent der Batterie aus und erfordern sphärischen Grafit, wobei die aktuelle Grafitnachfrage von heute rund 90 Kilotonnen bis auf 400 Kilotonnen im Jahr 2020 anwachsen wird.

Engagement in diesem Bereich aufbauen

Die Nachfrage nach Rohmaterial, das für Batterien geeignet ist, übersteigt das Angebot. Entsprechend ist ein Preisanstieg im Gange. Dieses Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage dürfte sich mit dem Bau von bis zu zwölf neuen Megafabriken für Batterien noch verschärfen. Durch sie sollen die Kapazitäten zur Herstellung von Batterien bis 2020 verdreifacht werden. Angesichts des rasanten Anstiegs der Nachfrage nach Batterien erwarten wir eine Verknappung des Angebots für Lithium, Grafit und Kobalt. Kupfer und Aluminium dürften jedoch ebenfalls von diesem Trend profitieren. Elektrofahrzeuge benötigen bis zu drei Mal soviel Kupfer wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, während Aluminiumoxid (Aluminium) für den Bau leichterer Fahrzeuge (zur Erhöhung der Reichweite) sowie als Separator in Elektrofahrzeugbatterien eingesetzt wird.

Abgesehen von den Minenbetreibern  gehören auch die Hersteller von Batteriematerialien zu den Gewinnern. Ausserdem werden Autozulieferer mit relevanten Produkten und geringer Abhängigkeit von herkömmlichen Motoren von einem beschleunigten Übergang zu Elektrofahrzeugen profitieren – insbesondere jene mit Energiemanagementlösungen. Obwohl erst richtig im Entstehen begriffen, dürften schliesslich auch Unternehmen, die in Ladeinfrastruktur und Ladestationen investieren, zu den Nutzniessern des Elektrofahrzeugbooms  gehören.