Banklehre 2.0: Lernchat und Sprachaufenthalt

Die Banklehre von heute ist kaum vergleichbar mit derjenigen vor 20 Jahren. Dem trägt auch die Credit Suisse Rechnung und lässt den Young Talents Coach Michael Seibold neue Ideen entwickeln.

Für Louise Brun war die Einführungswoche der perfekte Einstieg in die Berufswelt, zeigt sie doch den Lernenden einen ersten Überblick über die Tätigkeiten und Aufgabengebiete der bevorstehenden Lehre auf. Vor allem machen die Einführungstage neugierig auf die bevorstehende Zeit, das bestätigt auch Louise Brun: «Ich konnte es kaum erwarten, endlich zu starten und die Theorie in die Praxis umzusetzen!» Louise musste sich dann auch gar nicht lange gedulden. Denn bereits in der zweiten Arbeitswoche stehen die Young Talents mitten im Berufsalltag – sei es am Schalter, im Zahlungsverkehr oder in der Kundenberatung. Für die 18-Jährige begann die Lehre in der Personalkundenberatung in Zürich: «Sofort wurde ich mit Themen konfrontiert, von denen ich bis anhin weder gehört noch gelesen hatte. Eine schwierige Situation, aber die zuvorkommende und hilfsbereite Art meiner Arbeitskollegen und -kolleginnen und meiner Praxisbetreuerin haben mir den Einstieg sehr erleichtert».

Forderndes Programm mit umfassender Betreuung

In der dreijährigen dualen Ausbildung als Kaufmann oder Kauffrau bei der Bank wechseln sich Berufsfachschule, Arbeit und Branchenkunde am Center for Young Professionals (Branchenkunde an der Berufsschule) ab. Allen Anforderungen der drei Lernorten zu genügen und daneben auch noch Zeit für Hobbies, Freunde und Familie zu finden, ist eine grosse Herausforderung. Das hat auch Louise Brun erlebt. Sie beschreibt es als ein nicht zu unterschätzendes Spannungsfeld. Trotzdem sei es gerade das, was bis zum heutigen Tag für eine spannende und bereichernde Lehrzeit sorge. Während dieser intensiven Zeit erhält Louise Brun wie alle Young Talents der Credit Suisse Unterstützung durch die Lernendenabteilung, dem Young Talents Team. Für Michael Seibold, der selber über 70 Lernende begleitet, ist es ein wichtiger Bestandteil seiner Funktion. «Als Human Resources Consultant ist es mir ein Anliegen, den Lernenden das nötige Rüstzeug mitzugeben, damit sie mit diesen neuen und hohen Anforderungen umzugehen lernen.» Auch Louise Brun schätzt diese Betreuung sehr, es helfe ihr, sich in der Lehre besser zurechtzufinden.

Events und Volunteering für die Kontaktpflege und Teambildung

Neben der persönlichen Begleitung organisiert das Young Talents Team die ganze Ausbildungszeit hindurch Events und Lerneinheiten, welche die Lernenden näher zusammenbringt und befähigt, den nächsten Schritt zu tätigen. Beispielsweise fand das ganze Team zum Volunteering für das Bergwald-Projekt (Aktion zu Gunsten der Gemeinde in Trin) zusammen, was allgemein als eine sehr willkommene Abwechslung zum Büroalltag empfunden und als eine gute Möglichkeit, um wertvolle Kontakte zu anderen Lernenden zu knüpfen, gesehen wird. Der Halbzeit-Event sowie die Future Days sind gemäss Michael Seibold dagegen eher berufs- und ausbildungsbezogen: «Am Halbzeit-Event soll den Lernenden bewusst werden, was sie schon alles erreicht und geleistet haben. So ein Rückblick erfüllt viele mit Stolz.» Der Future Day hingegen soll einen Beitrag an die berufliche Zukunft der Young Talents leisten. Michael Seibold liegt dieser Event besonders am Herzen: «Dort können wir Wege und Möglichkeiten innerhalb der Credit Suisse aufzeigen und bei der weiteren Karriereplanung unterstützen».

Neue Lösungen sind gefragt

Der Betreuungsstandard der Bank hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht nur stark verdichtet sondern auch den Anforderungen der Zeit angepasst. Doch gerade in den letzten Jahren haben sich die Bedürfnisse von jungen Menschen stark gewandelt, und es fragt sich, ob sich eine Lehre für die Generation Y noch massgeschneiderter gestalten liesse. Denn betrachtet man die Ergebnisse des Jugendbarometers, so wird schnell klar, was bei den Jugendlichen wirklich zählt: Ständige und stetige Kommunikation über Smartphones, Blogs und Chats, Freizeit und Beruf sollen sich im Gleichgewicht halten. Grosse Bedeutung wird dem Treffen von Freunden und einer frühen Selbstverwirklichung zugemessen. Informationsbeschaffung findet oft über Gratiszeitungen anstelle von nachhaltigem Journalismus statt, Trends werden verstärkt durch Kommunikationsmittel geprägt. Inwiefern bezieht die Credit Suisse also diese Faktoren in der laufenden Optimierung der Lehre mit ein? Was könnte zusätzlich in die Lehre integriert werden?

Virtuelles Lernen nimmt zu…

Um den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen, macht sich auch die Bank, namentlich Michael Seibold, dazu Gedanken. Bereits hat er einige Ideen entwickelt und bei den Young Talents Rückmeldungen dazu eingeholt: «Zur Zeit prüfen wir, ob wir eine Plattform für die Lernenden anbieten wollen, die es ihnen ermöglicht, sich auch virtuell zu vernetzen. Dadurch könnten Fragen zur Ausbildung direkt in einen dafür vorgesehenen Chat gestellt, das Young Talents Team bei Fragen über die Plattform direkt angeschrieben werden. Sämtliche Informationen liessen sich von Plattform beziehen.» Diese Idee sei bei den Lernenden auf sehr offene Ohren gestossen. Louise Brun sieht hier gar noch weitere Möglichkeiten: «Die Zugehörigkeit zu verschiedenen Interessensgruppen gäbe uns Lernenden sogar die Option, Events und Ausflüge zu organisieren! Und die Suche nach Lerngruppen zu einem spezifischen Thema würde dadurch viel einfacher». Ein Angebot also, das voll auf die aktuellen Bedürfnisse und das Medienverhalten der jungen Menschen zugeschnitten wäre. Michael Seibold spinnt den Faden «virtuelle Welt» aber noch weiter. Er möchte den Lernenden sogar online-Abonnemente von einschlägigen Wirtschaftsmagazinen zur Verfügung stellen, weil sich dadurch mehr Informationen und Zusammenhänge aneignen liessen. Louise Brun bestätigt, dass dies auch einen riesigen Mehrwert im Hinblick auf die Lehrabschlussprüfung darstellen würde und ergänzt: «Wir lesen solche Dinge nur, wenn sie jederzeit und überall verfügbar sind, online Medien sind daher ideal!»

… aber der persönliche Kontakt bleibt wichtig

Für Louise Brun und auch andere Young Talents hat die Anwendung von Medien jedoch auch Grenzen. So sehen sie Michael Seibolds Vorschlag, viele, bisher im Klassenverband durchgeführte Lerneinheiten künftig via Smartphone oder Tablet (tragbarer, flacher Computer mit Touchscreen) zu behandeln, nicht als optimal. Louise Brun präzisiert: «Der Unterricht würde sich zu stark auf einen virtuellen Meinungsaustausch beschränken. Ich empfinde den persönlichen Kontakt als sehr wertvoll und finde es spannend zu lernen, wie man in einem Team Lösungen erarbeiten kann». Aber nicht nur gemeinsame Erfahrungen seien ihr wichtig, sondern auch der Austausch mit anderssprachigen Menschen, aus anderen Kulturkreisen. «Andere Sprachen zu lernen und anzuwenden ist für mich extrem bereichernd!» Michael Seibold hört dieses Bedürfnis nicht zum ersten Mal und hat deshalb auch eine weitere Idee dazu entwickelt. So würde er gerne den Lernenden ermöglichen, ein Semester in der Romandie zu absolvieren und so nicht nur die Französischkenntnisse zu vertiefen sondern auch eine bereichernde Erfahrung mehr zu machen. Umgekehrt könnte ein Young Talent aus Genf die Finanzmetropole der Schweiz kennenlernen, die deutsche Sprache verbessern und in einer unbekannten Abteilung der Bank arbeiten. Schliesslich käme dieser Austausch auch der Bank zu Gute.

Das Niveau halten und ausbauen

Betrachtet man den heutigen Stand der Lehre bei der Credit Suisse und insbesondere die Zeit nach der Ausbildung bei der Bank, sprechen die Zahlen für sich: Im August 2013 blieben 82 Prozent der Lernenden bei der Credit Suisse und starteten ihre Karrieren in einem Front- oder Backoffice-Bereich. Die restlichen 18 Prozent der Abgehenden holten zu einem grossen Teil entweder die Berufsmaturität in einem Vollzeitpensum nach oder sie nahmen einen Sprachaufenthalt im Ausland in Angriff. Dieses Resultat sieht Michael Seibold als Bestätigung dafür, dass die Bank sich auf dem richtigen Weg befindet. Er präzisiert: «Die Zahlen bestätigen, dass wir in Punkto Selektion, Begleitung und Platzierung der Lernenden nach der Ausbildung auf dem richtigen Kurs sind. Die Kultur und Werte der Credit Suisse, aber auch Breite und Inhalt der Ausbildung finden hohen Anklang. Damit wir jedoch auch zukünftig die besten Young Talents auf dem Markt finden, sind wir bestrebt, die Lehre in qualitativer Hinsicht auf diesem hohen Niveau zu halten und weiter auszubauen.» So würde das Lehrmodell laufend den Bedürfnissen der jungen Menschen angepasst und auf dem Markt noch exklusiver und eigenständiger platziert. Denn dass die Credit Suisse ein attraktiver Arbeitgeber ist, zeigt die Haltung, die Mitarbeitende wie Michael Seibold vorleben: «Die Zeit und damit die Ansprüche an einen Arbeitgeber haben sich in den letzten Jahren rasant verändert. Wir alle im Team wollen diesem Umstand Rechnung tragen und sind deshalb bestrebt, dass wir uns auch immer weiterbewegen. Auch genau deshalb empfinden wir unsere Aufgabe als äusserst spannend und bereichernd und leben unser Teammotto "we grow talents" in allen Facetten.