«Rund 30 Prozent der Vermögen werden nachhaltig verwaltet»
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«Rund 30 Prozent der Vermögen werden nachhaltig verwaltet»

Béatrice Fischer, Head Communications & Marketing Swiss Universal Bank, ist auch verantwortlich für das Angebot im Bereich Philanthrophy & Sustainable Investments für unsere Kunden. Sie sieht hohes Potenzial im Nachhaltigkeitssegment.

Ursula Nötzli Breinlinger: Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Wie muss sich ein Anleger «nachhaltiges Investieren» vorstellen?

Béatrice Fischer: Das Ziel des nachhaltigen Investierens ist, finanzielle Erträge mit positiven Auswirkungen auf die Umwelt und Gesellschaft zu kombinieren. Der Investor bemüht sich um eine umfassende Sichtweise, unter Einbezug von nichtfinanziellen Faktoren. Er berücksichtigt bei seinen Anlageentscheidungen auch Nachhaltigkeitsaspekte, das heisst gesellschaftliche Faktoren, die Unternehmensführung der entsprechenden Firmen und Umweltaspekte – auch bekannt als ESG-Kriterien: Environmental, Social, Governance.

Wie sieht der Markt für nachhaltige Anlagen in der Schweiz aus?

Weltweit werden mittlerweile rund 30 Prozent der professionell verwalteten Vermögen nachhaltig verwaltet, die Tendenz ist stark steigend. Das Marktvolumen in der Schweiz ist demgegenüber noch relativ gering und beläuft sich auf rund 192 Milliarden Franken. Das Wachstum ist aber auch hierzulande enorm.

Wie ist die Credit Suisse in diesem Markt positioniert?

Bereits seit 15 Jahren sind wir im Bereich von nachhaltigen Anlagen engagiert. Die Credit Suisse verfügt in der Schweiz über einen Marktanteil von knapp 12 Prozent. Wir sind damit der zweitgrösste Player in der Schweiz. In der Entwicklung unseres Nachhaltigkeitsangebots war die Mitgründung von responsability ein wichtiger Schritt. Responsability ist heute der führende Anbieter von Impact Investments und nach wie vor ein wichtiger Partner für uns.

Bereits seit 15 Jahren sind wir im Bereich von nachhaltigen Anlagen engagiert.

Gibt es Kundengruppen, die ein besonderes Interesse für dieses Thema zeigen?

Wir stellen in allen Kundengruppen, sowohl im privaten wie auch im institutionellen Bereich, ein erheblich steigendes Interesse fest. Hohes Potenzial sehen wir bei den für dieses Thema sehr affinen Kundengruppen wie den Millennials, den weiblichen Investoren aber auch bei Unternehmern. Letztere sind oftmals bei der Führung ihres Unternehmens mit Nachhaltigkeitsaspekten konfrontiert und entwickeln ein entsprechendes Interesse. Hinzu kommen die 13'000 gemeinnützigen Stiftungen in der Schweiz, denn der Swiss Foundation Code 2015 hält sie dazu an, ihre Anlagen mit ihrem Zweck sowie mit Nachhaltigkeitskriterien abzustimmen. Auch Pensionskassen sind immer häufiger mit dem Wunsch der Versicherten konfrontiert, ihr PK-Vermögen nachhaltig anzulegen. Allein aufgrund der Höhe der verwalteten Vermögen bietet dieser Markt interessante Möglichkeiten.

Wie geht die Credit Suisse das Thema nachhaltige Anlagen an, um diese Kundengruppen möglichst zu erreichen?

Für die Kunden bieten wir nachhaltige Portfoliolösungen sowie nachhaltige Einzelprodukte an. Zwei unserer Aushängeschilder sind Impact Investments und Sustainable Real Estate. Impact Investment fokussiert auf Sektoren wie etwa Mikrofinanz, sozial ausgerichtete Unternehmen, nachhaltige Landwirtschaft und Fair Trade sowie Hochschulbildung in Schwellen- und Entwicklungsländern. Der Sustainable-Real-Estate-Bereich bietet innovative Produkte an, die in klimaneutrale Immobilien in der Schweiz und Europa investieren. Das Potenzial nachhaltiger Immobilien ist immens, da sie für 30 Prozent des globalen CO2-Ausstosses verantwortlich sind.

Die Credit Suisse war als erstes Unternehmen in der Schweiz klimaneutral, seit 2010 operiert die Bank global klimaneutral.

Die Credit Suisse engagiert sich über diverse Initiativen auch für eine nachhaltige Entwicklung. Wie nutzen Sie diese Expertise und Erfahrung für die Produkt- und Lösungsentwicklung für Kunden?

Als Konzern engagieren wir uns bei den Schwerpunktthemen Mikrofinanz und Bildung sowie Naturschutz. Die Credit Suisse war als erstes Unternehmen in der Schweiz klimaneutral, seit 2010 operiert die Bank global klimaneutral. In Zusammenarbeit mit Siemens und Wincasa reduzieren wir unsere CO2-Emissionen in fast all unseren 1200 Liegenschaften. Die hierbei gesammelte Erfahrung nutzen wir für die Produktentwicklung: Wir haben den ersten nachhaltigen Immobilienfonds der Schweiz und den ersten klimaneutralen Immobilienfonds in Europa lanciert. Auch im Bereich der Naturschutzfinanzierung kommt der Credit Suisse eine Vorreiterrolle zu. Wir arbeiten mit NGOs und Stiftungen zusammen, um innovative Produkte in diesem Bereich zu entwickeln. Natürlich geht es auch darum, unsere Mitarbeitenden einzubeziehen und ihnen Möglichkeiten zu bieten, sich im Rahmen von Nachhaltigkeitsprojekten einzusetzen.

«Nachhaltig» hat immer noch das Image, teuer zu sein und eine schlechte Performance zu liefern. Wie sehen Sie das?

Die Credit Suisse vertritt die Meinung, dass nachhaltige Anlagen keine strukturelle Underperformance generieren. Einige Studien zeigen, dass sich die ESG-Kriterien positiv auf das Rendite-Risiko-Profil auswirken. Durch die Einbindung von Impact Investments oder Real Estate Building Blocks wird die Diversifikation durch Anlagen erhöht, die nicht oder weniger mit dem traditionellen Finanzmarkt korrelieren. Letztlich ist aber auch die Motivation für nachhaltige Investitionen wichtig: Gewissen Anlegern geht es um die Berücksichtigung ihrer persönlichen Werte. Vor allem institutionelle Kunden nutzen jedoch die erwähnten nichtmateriellen Kriterien bewusst, um Risiken zu vermindern, die erhebliche finanzielle Auswirkungen haben können.