«Das Team ist entscheidend, damit ich meine Leistung bringen kann»
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«Das Team ist entscheidend, damit ich meine Leistung bringen kann»

Vom Tennisspieler zur globalen Marke: Roger Federer über Tennis als Teamsport, sein Family-Business und das Spezielle an der Partnerschaft mit der Credit Suisse.

Sie begannen als Kind mit Tennisspielen – jetzt stehen Sie im Mittelpunkt eines kleinen Familienunternehmens. Wie fühlt sich das an?

Sehr speziell. Du spielst als Bub, weil es dir Spass macht. Es geht um Vorhand, Rückhand, wie du deine Fussarbeit verbessern kannst und wie du es schaffst, beim Breakball mental stark zu sein.

Jetzt geht’s um Sponsoren, Preisgelder, Reisen und als Vierfach-Papa um noch viel mehr. Wie gross ist das Familienunternehmen Federer?

Zwischen 10 und 20 Leute kümmern sich um verschiedene Aufgaben.

Und Sie sind der Manager, der alles zusammenhält.

Ich sehe mich nicht als Chef, ich bin in erster Linie Tennisspieler. Nur weil ich meinen Coach für seine Dienste entschädige, ist er noch lange nicht ein Angestellter von mir.

Das tönt gar bescheiden.

Nein, das ist einfach die Realität. All diese Menschen machen Tag für Tag alles, damit ich auf dem Platz besser bin. Tennis ist zwar ein Einzelsport. Ein funktionierendes Team ist für mich aber entscheidend, damit ich mich aufs Spiel fokussieren und meine volle Leistung bringen kann.

Aber wenn es Ärger gibt, müssen Sie doch auf den Tisch klopfen.

Ich muss viel delegieren. Es ist für mich wichtig, dass ich anderen Power gebe. Und es macht mich stolz, wenn all die Leute rundherum mitdenken, um eine Situation am besten zu bewältigen. Wenn es ein Problem gibt, sitze ich mit allen Parteien an den Tisch. An einem gewissen Punkt muss ich vielleicht auch mal die Reissleine ziehen, klar. Am Schluss fälle ich den Entscheid und stehe dafür auch gerade. Ich möchte die Verantwortung nicht anderen aufbürden.

© Paul Zimmer

Sie hatten in Ihrer Karriere mehrere Coaches, von denen Sie sich trennten.

Das fiel mir nie leicht, das nahm mich stark mit. Wir sind aber nie im Krieg auseinandergegangen. Ich war immer sehr dankbar für das, was sie geleistet hatten.

Dass die Coaches 20 oder 30 Jahre älter waren, machte die Sache wohl auch nicht einfacher.

Nicht wirklich. Ich dachte oft: Jetzt bricht eine Welt zusammen. Aber meist reagierten die Coaches gefasst. Ältere sind abgeklärter als Junge. Wenn man mit 16 mit der Freundin oder dem Freund Schluss macht, denkt man auch: Jetzt geht das Leben nicht mehr weiter. (lacht)

Was machen Sie, damit sich einschneidende Ereignisse nicht negativ auf ihr Spiel auswirken?

Man muss Unstimmigkeiten schnell und offen angehen. Man muss Verantwortung übernehmen. Das ist für mich eine Frage der Führung. Ich bin Löwe im Sternzeichen und ich stehe gern – natürlich nicht immer – im Mittelpunkt. Ich bin aber auch froh, wenn es vorbei ist und ich zur Normalität zurückkehren kann.

Wurden Ihnen unternehmerische Fähigkeiten in die Wiege gelegt oder besuchten Sie Kurse?

Das kam alles natürlich. Ich hatte viel mit Menschen zu tun, die älter waren als ich und von denen ich viel lernen konnte. Daneben arbeite ich aber auch mit jungen Leuten zusammen. Die gehen Sachen anders an, haben nichts zu verlieren. Dieser Mix ist entscheidend. Das erlaubt mir auch, ohne Angst Risiken einzugehen. Im Tennis und im Business zahlt sich Risiko aus.

Wie hilfreich waren Tätigkeiten in der Vermarktungsagentur Team8, als Präsident der ATP Spielervereinigung oder in der Roger Federer Foundation, um unternehmerisches Know-how aufzubauen?

Das sind drei ganz unterschiedliche Bereiche. Mal geht es klar ums Business, dann um das Finden eines Konsens zwischen Spielern und Veranstaltern und um wohltätige Projekte. Alles in allem aber eine sehr gute Schule.

Sie haben auch ganz grosse Figuren des öffentlichen Lebens getroffen.

Muhammad Ali oder Bill Gates haben mich tief beeindruckt. Was auffällt: Viele dieser aussergewöhnlichen Menschen hatten auch harte Zeiten, in denen sie unten durch mussten. Wenn es bergab geht, tun sich im Business und im Sport immer auch Möglichkeiten auf. Doch du musst die Chancen spüren.

© Paul Zimmer

Ihr Geheimnis?

Du musst den Winner-Instinkt haben. Du musst Selbstvertrauen haben, darfst dich gleichzeitig aber nicht überschätzen. Es geht darum, dass du es dem Gegner so schwer wie möglich machst, dich zu schlagen. Meine Ziellinie ist nicht der nächste Punkt, meine Ziellinie ist erst in ein paar Stunden.

Sie sind einer der bestbezahlten Profisportler der Welt. Das Forbes-Magazin schätzte ihre Einkünfte aus Sponsoring und Preisgeldern im vergangenen Jahr auf 68 Millionen Dollar.

Ich profitiere heute davon, dass ich in jungen Jahren nicht gierig geworden bin. Am Anfang war ich sehr selektiv. Ich habe auf die richtigen Sponsoren gewartet. Die Geduld hat sich ausbezahlt. Heute assoziieren sich einige sehr bedeutende Brands mit mir. Die Credit Suisse engagierte sich jahrelang nur im Teamsport: bei Sauber in der Formel 1 und bei der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft. Erst 2009 ergab sich eine Zusammenarbeit.

Was ist das Besondere beim Credit-Suisse-Engagement?

Als ich vier Monate alt war, haben meine Eltern für mich ein Sparkonto eröffnet. Als ich das erste Geld mit Tennis verdient hatte, ging es auf ein Konto der Credit Suisse. Freunde sind oder waren dort tätig, auch der Götti meiner Söhne. Deshalb lag es auf der Hand, etwas gemeinsam zu machen. Dass die Bank mit mir einen Zehnjahres-Vertrag abgeschlossen hat, zeugt von Vertrauen und Respekt. Das ist für einen Einzelsportler ungewöhnlich lang. Es ist ein Riesenkompliment für mich als Person und erfüllt mich mit Stolz.

Was ist für Sie wichtig bei einem Partner und Sponsor?

Optimal ist es, wenn es zu Synergien kommt. Ich habe mir immer geschworen: Ich bleibe mir treu. Ich muss mich teilweise anpassen, aber ich lasse mir nicht vorschreiben, wie oder was ich reden soll, wie ich mich geben muss. Ein Sportler muss natürlich sein und auch Ecken und Kanten zeigen.

Roger Federer Foundation Talk

Roger spricht mit Janine Händel, CEO Roger Federer Foundation, über Bildung in der frühen Kindheit.