Flughafen gefällig? In Infrastruktur investieren
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Flughafen gefällig? In Infrastruktur investieren

Die öffentliche Hand ist der wichtigste Financier von Infrastrukturen, doch der Marktwert von Infrastrukturvermögen ist 2007–2014 um 300 Prozent gestiegen. Kann private Finanzierung die wachsende Finanzierungslücke bei Infrastrukturen schliessen?

Infrastrukturvermögen verteilt sich auf ein breites Spektrum unterschiedlicher Sektoren wie Transport, Telekommunikation und Technologie, Energie, soziale Infrastruktur sowie Ressourcen und Abfallentsorgung. Diese grossen Bereiche lassen sich jeweils wieder in kleinere Segmente untergliedern, die wir alle kennen und täglich nutzen. Ein Telefon, um Freunde anzurufen, ein Zug, mit dem wir zur Arbeit fahren, oder Strom, um das Haus zu beleuchten… Kommt Ihnen das bekannt vor? Sicher.

Die Lücke bei Infrastrukturinvestitionen schliessen

Bei Infrastruktur ist die Welt zweigeteilt. Die Industrieländer sind gut mit Infrastruktur versorgt. Hier liegt der Schwerpunkt daher auf dem Erhalt und der Modernisierung der bestehenden Einrichtungen. In den Entwicklungsländern müssen dagegen immer noch viele grundlegende menschliche Bedürfnisse erfüllt werden. Deshalb steht hier der Bau völlig neuer öffentlicher Einrichtungen im Mittelpunkt.

Unabhängig vom Hauptziel – Erhalt oder Bau – erfordert Infrastruktur laufende und massive Investitionen. Schätzungen von McKinsey zufolge sind bis 2030 Infrastrukturinvestitionen in Höhe von rund 57 Billionen US-Dollar nötig, nur um mit dem erwarteten Weltwirtschaftswachstum von 3,5 Prozent Schritt halten zu können. Eine schwierige Aufgabe, insbesondere dann, wenn die weltweit erforderlichen Infrastrukturinvestitionen die finanziellen Möglichkeiten von Regierungen übersteigen.

Weltweit erforderliche Infrastrukturinvestitionen

Quelle: McKinsey & Company

Zu den Gründen für die kontinuierlich wachsende Lücke bei Infrastrukturinvestitionen gehören die Nachwirkungen der Finanzkrise, demografische Veränderungen (vor allem die Alterung der Bevölkerung), Urbanisierung und Migration sowie ökologische Faktoren wie der Klimawandel.

Gefragt sind innovative Möglichkeiten zur Finanzierung neuer und bestehender Infrastruktur. Private Finanzierung könnte eine Möglichkeit sein.

Infrastruktur: eine Anlagechance

Laut Preqin, einer Agentur, die alternative Investments analysiert, belief sich das weltweite Infrastrukturvermögen, das von nicht börsennotierten Fonds verwaltet wurde, 2014 auf ein Rekordhoch von 282 Milliarden US-Dollar – dreimal mehr als sieben Jahre zuvor, in der Zeit vor der Finanzkrise.

Institutionelle Anleger wie Versicherer und Pensionsfonds mit langfristigen Verbindlichkeiten «bereichern» angesichts des aktuellen Tiefzinsumfelds ihre Portfolios um Infrastrukturvermögen. Die lange Lebensdauer dieser Vermögenswerte passt hervorragend zu ihren langfristigen Verbindlichkeiten. Für eine Investition in Infrastruktur sprechen auch die relativ stabilen Cashflows, der Schutz vor Inflation, die geringe Volatilität und die Renditen, die in der Regel keine Korrelation zu anderen Vermögenswerten aufweisen.

Steigende Infrastrukturinvestitionen

Quelle: Preqin

Infrastrukturinvestitionen eignen sich nicht für jeden. Die Gruppe der Anleger ist aufgrund hoher Eintrittsbarrieren und spezifischer Risiken sehr exklusiv. Robert Parker, Senior Advisor bei der Credit Suisse, nennt in seinem Artikel «Infrastruktur im Aufwind», der Global Investor 1.15 veröffentlicht wurde, die grössten Risiken von Infrastrukturinvestitionen. 

Bei neuen Projekten gibt es zum einen das offensichtliche Risiko, dass die Projekte entweder gar nicht oder stark verspätet fertiggestellt oder die Kosten überschritten werden. Zu bedenken sind auch politische Risiken, Umweltaspekte und die Risiken, die von neuen Technologien ausgehen.

Öffentliche Einrichtungen, private Gelder

Trotz der Risiken scheint eine stärkere Beteiligung des privaten Sektors an der Entwicklung von Infrastruktur unvermeidbar. Erstens stellen derartige Projekte eine attraktive Option für Investoren dar, die langfristige Vermögenswerte benötigen. Zweitens können diese Investoren aufgrund der wachsenden Lücke bei Infrastrukturfinanzierungen in der Regel auf die Unterstützung durch Regierungen und supranationale Institutionen zählen.

Der private Sektor dürfte von der Stabilität der Projekte profitieren, denn diese sind relativ immun gegenüber kurzfristigen Markttrends. Der öffentlichen Hand dürften dagegen die zusätzlichen finanziellen Mittel und das Know-how zugutekommen. Bei sorgfältiger Planung und Ausführung können öffentlich-private Partnerschaften Win-Win-Situationen für alle schaffen.