Alte gegen das Alter
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Alte gegen das Alter

Die gesellschaftlichen Auswirkungen des langen Lebens werden nicht immer unkritisch beurteilt, speziell von älteren Menschen. Die Altersvorsorge bereitet den Schweizerinnen und Schweizern am meisten Sorge und ihre Sicherung als das wichtigste politische Ziel.

Wie in den meisten industrialisierten Ländern wird auch die Bevölkerung in der Schweiz immer älter: 1900 waren weniger als 200'000 Menschen über 65 Jahre alt, heute fast anderthalb Millionen. Somit hat sich diese Bevölkerungsschicht in den letzten knapp 120 Jahren mehr als versiebenfacht, während sich die Gesamtbevölkerung im gleichen Zeitraum nur etwas mehr als verdoppelte.

Verändert sich die Bevölkerungspyramide so stark, müssen einerseits die Vorsorgewerke angepasst werden, andererseits wird das Zusammenleben neu definiert. Im diesjährigen Sorgenbarometer wurde gefragt: «Wie beurteilen Sie die gesellschaftlichen Auswirkungen des längeren Lebens?» Nicht ganz überraschend freut sich eine grosse Mehrheit über diese (breit definierten) Auswirkungen (68 Prozent Zustimmung), aber trotzdem findet doch einer von vier Befragten, er oder sie begrüsse die gesellschaftlichen Veränderungen eher oder überhaupt nicht.

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Und schaut man die Antworten nach Altersgruppen an, wird das Resultat noch überraschender: Befragte unter 70 Jahren begrüssen die gesellschaftlichen Auswirkungen des längeren Lebens durchwegs, mit 67 Prozent Zustimmung und mehr. Von den Befragten über 70 aber freuen sich nur 55 Prozent darüber, 35 Prozent hingegen eher nicht oder überhaupt nicht. Was könnten die Hintergründe dazu sein? Vielleicht finden die älteren Befragten, die Gesellschaft habe sich ihren Bedürfnissen nicht genü­gend angepasst? Oder stehen sie selbst der Verlängerung des Lebens nicht so positiv gegenüber wie die Jüngeren, die (allzu) rosige Vorstellungen vom verlängerten Lebensabend haben?

Die Studie stellte weitere Fragen zum langen Leben, die Antworten lassen aufhorchen: So sind 62 Prozent der Meinung, die finanzielle Absicherung im Alter sei in der Schweiz ungenügend. Das deckt sich mit dem Sorgenbarometer-Resultat dahin gehend, dass die Befragten bei der AHV den grössten Reformbedarf ausmachen. Auch eine OECD-Studie kommt zum Schluss, dass das Alterseinkommen in der Schweiz für viele Rentner im europä­ischen Vergleich relativ gering ausfällt – was allerdings auch mit Kapitalbezügen der 2. Säule zu tun hat.

Heute ist die Alterspflegeversicherung in der Schweiz freiwillig. Laut Sorgenbarometer finden 48 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer, es brauche eine obligatorische Alterspflegeversicherung. Da weitere 8 Prozent der Befragten hierzu keine Stellung nahmen, hätte ein solcher Vorstoss an der Urne allenfalls gute Chancen. Zuletzt eine optimistische Aussicht: 57 Prozent sind überzeugt, das Leben im Alter werde durch die Automatisierung und Roboter immer angenehmer.