Ein neues ökonomisches Paradigma
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Ein neues ökonomisches Paradigma

Dank aufstrebenden innovativen Branchen entwickelt sich China zu einem wichtigen Forschungsstandort.

In den letzten 15 Jahren hat China erhebliche Anstrengungen unternommen, um den Rückstand zu anderen Ländern in puncto Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E) aufzuholen. Offiziellen Angaben zufolge beliefen sich die Bruttoinlandsaufwendungen für Forschung und Entwicklung im Jahr 2015 auf 228 Milliarden Dollar (bereinigt um die Kaufkraftparität: 373 Milliarden Dollar). Dies sind jedoch noch immer 25 Prozent weniger als in den USA.

Dieser Trend scheint sich fortzusetzen. Die chinesische Regierung plant die Förderung von Innovation, um der Wirtschaft neue Horizonte zu eröffnen: Das Ausgabenziel für Forschung und Entwicklung soll bis etwa 2020 auf 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erhöht werden. 2015 lag dieser Wert noch bei 2 Prozent. Eine Erhöhung um 0,5 Prozentpunkte mag gering erscheinen, doch bei einem Land, dessen BIP über 11 Billionen Dollar beträgt, macht dies enorme Summen aus. Die Credit Suisse schätzt, dass die geplante Steigerung voraussichtlich eine Erhöhung der nationalen F&E-Ausgaben um 73 Prozent seit 2015 bedeutet und damit die USA auf Kaufkraftparitätsbasis vermutlich übertrifft.

Vielversprechende Branchen

Dank massiven F&E-Investitionen in den letzten 20 Jahren konnte China in mehreren Branchen Fuss fassen, insbesondere in den Bereichen Telekommunikation und Internet. Die Marktführer in diesen beiden Branchen investieren nicht nur mindestens 10 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung, sondern gehören auch zu den 25 Akteuren mit den höchsten F&E-Ausgaben in China.

Growth of Major Technology Areas 2015-2020E

Growth Estimates of Major Technology Areas 2015-2020

«In den vergangenen 15 Jahren hat China andere Länder bei der Technologieentwicklung regelrecht übersprungen und sich von einem adaptierenden zu einem innovativen Land gemausert, das viele globale Branchenführer hervorbringt», erklärt Vincent Chan, Leiter China Macro Research. «Die potenziell disruptiven Folgen der Innovationskraft Chinas sollten nicht unterschätzt werden.»

Auf dem Vormarsch

Während angesichts der stagnierenden Reformen im staatlichen Sektor Besorgnis herrscht, hat das Internet in China neue Wachstumsdimensionen eröffnet und dem Privatsektor eine für China völlig neue strategische Bedeutung verliehen. Mittlerweile erkennt die chinesische Regierung an, dass neue chinesische Unternehmer die treibenden Kräfte hinter Innovation und Technologieentwicklung sind.

Total R&D of China vs OECD

Total Research and Development of China vs OECD 

Deutlich wird dies angesichts der Tatsache, dass China bei der Zahl der sogenannten Einhörner (Start-ups mit einer Bewertung von über einer Milliarde Dollar) weltweit Platz zwei belegt (31 von 163 Einhörnern weltweit1 per 16. Mai 2016). Diese belaufen sich auf einen Wert von insgesamt 154 Milliarden Dollar und machen damit 26 Prozent des globalen Gesamtwertes aus. Von diesen 163 Unternehmen sind nur zwölf nicht im Bereich Internet tätig, acht davon stammen aus den USA, zwei aus China.

2014 waren über 90 Prozent2 der chinesischen Einhörner-Start-ups in der Internet- sowie in der Online-to-Offline-Branche tätig, darunter Bereiche wie E-Commerce, Medien, Spiele, Social Networking, Fintech und Lifestyle. Die einzigen Branchen, die nichts oder weniger mit dem Internet zu tun hatten, waren Hardware und Gesundheitswesen.

1)CBInsights, 16.05.2016; 2)36kr.