Lässt sich künstliche Intelligenz am Arbeitsplatz auf menschliche Weise einsetzen?
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Lässt sich künstliche Intelligenz am Arbeitsplatz auf menschliche Weise einsetzen?

Moderne Computertechnologie kann die Arbeitswelt verbessern und den Menschen dienen – sowohl den heutigen, als auch künftigen Generationen. Sie stellt uns jedoch auch vor drängende ethische und rechtliche Herausforderungen.

Spitzentechnologien wie die künstliche Intelligenz (KI) beeinflussen die Gesellschaft grundlegend, indem sie traditionelle Herangehensweisen an normale menschliche Aktivitäten revolutionieren.[1] Mit der Weiterentwicklung dieser neuen Technologien vergrössert sich auch ihr Anwendungsbereich – sie verbessern nicht nur unsere Gesundheitsversorgung, sondern machen auch den Verkehr sicherer.

Auch unser Arbeitsumfeld ist im Wandel begriffen. Die Publikation AI and The Future of Work des Credit Suisse Research Institute geht dem rasanten technologischen Fortschritt und seinen Folgen für unser tägliches Leben auf den Grund.

Diese Hightech-Innovationen, darin sind sich die Experten einig, prägen auch unsere Wahrnehmung – ob positiv oder negativ – von ihrem langfristigen Nutzen für die Menschen. So ist beispielsweise die Angst vor Maschinen, die auf Basis von Algorithmen über die Zukunft von Menschen entscheiden, weit verbreitet. Zum Teil gründet sieauf eigenen Erfahrungen, etwa mit Einstellungsverfahren auf der Grundlage von automatischen Auswahlprozessen. Viele Unternehmen greifen mittlerweile auf E-Recruiting-Verfahren zurück, an denen kein Mensch mehr direkt beteiligt sein muss. Dies nährt Zweifel, ob die entsprechenden Auswahlprozesse fair ablaufen.

Sorgen vor Datenmissbrauch in Prognosemodellen für menschliches Verhalten sind begründet.

Die wachsende Skepsis bezüglich künstlicher Intelligenz zeigte sich, als E-Rating- und E-Profiling-Verfahren bekannt wurden, bei denen die Arbeitsleistung von Mitarbeitenden anhand zuvor gesammelter Daten analysiert und vorhergesagt wurde, um eine Bewertung dieser Personen vorzunehmen. Solche computerbasierten Bewertungsprozesse können dazu führen, dass Mitarbeitende ausgeschlossen oder entlassen werden, ohne dass der Arbeitgeber zuvor direkt involviert worden wäre.

Automatisierte Entscheidungen, die für Menschen einschneidende Folgen haben können, werfen daher unweigerlich Fragen über die laufende Transformation der Arbeitsmärkte auf:

  • Ist die Beziehung zwischen den Sozialpartnern – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – tatsächlich fair?
  • Wie wird sich diese Beziehung angesichts des Potenzials der künstlicher Intelligenz entwickeln?
  • Wie können wir sicherstellen, dass diese technologischen Fortschritte sich dauerhaft positiv auf die Arbeitswelt auswirken?

Wir brauchen eine adäquate Regulierung: ethisch wie verfassungsrechtlich.

Findet der Gesetzgeber angemessene Antworten auf diese Fragen, so würde dies nicht nur die Rechte des Individuums stärken, sondern könnte auch die Arbeitsbedingungen verbessern. Arbeitsrecht, Sozialwesen und Politik müssen die zahlreichen Aspekte und die langfristigen Folgen, die der Einsatz von Technologie am Arbeitsplatz mit sich bringt, berücksichtigen. Experten empfehlen eine Orientierung an grundlegenden ethischen und rechtlichen Standards:

  • Respekt vor Persönlichkeitsrechten, vom ethischen wie verfassungsrechtlichen Standpunkt aus
  • Vorbereitung der Gesellschaft auf neue Arbeitsformen durch Investitionen in Forschung, Bildung und lebenslanges Lernen
  • Einsatz von KI und Robotik für sozialen Schutz und zur Verrichtung gefährlicher Arbeiten
  • Förderung der Berufstätigkeit von Menschen mit Gesundheitsproblemen oder Behinderungen

Beschleunigung der Verwaltungsprozesse in der Sozialversicherung, um ihre oft infrage gestellte Effektivität zu steigern.

Es lässt sich schwer vorhersagen, welche Folgen die technologische Entwicklungen tatsächlich haben werden. Doch wenn wir Richtlinien schaffen, welche die menschlichen Werte ethischer, kultureller und sozialer Natur schützen, können wir eine Zukunft vermeiden, in der Maschinen über unser Schicksal entscheiden.

[1] Artikel basiert auf «AI: Legal and ethical challenges» von Bettina Hummer, AI and the Future of Work 2019.