Kultur des Dazugehörens
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Kultur des Dazugehörens

Sie wurde auf einer der abgelegensten Inseln der Welt geboren, zog aus und verdiente ein Vermögen. Dann kehrte Zita Cobb zurück und machte Fogo Island zu einem sozialen, nachhaltigen Kunstprojekt.

Frau Cobb, was ist die Vision Ihrer Stiftung «Shorefast Foundation»?

In unserer Arbeit geht es immer um die Frage, wie traditionelle Gesellschaften zur modernen Welt gehören. Wie können wir unsere Wurzeln bewahren und gleichzeitig auf sinnvolle Art und Weise Teil der globalisierten Welt sein? Zudem wollen wir unsere Gemeinschaft durch Wissen stärken.

Was heisst das konkret?

Wir arbeiten mit der so genannten Asset-Based-Community-Development-Methode, bei der es um die Entwicklung einer Gesellschaft auf Basis von deren Stärken und Potenziale geht. Wir haben mit Kunstprojekten begonnen, weil Kunst einen Zugang zu Wissen und Denken vermittelt. In dieser einzigartigen Landschaft mit einer ganz eigenen Kultur erschien eine zeitgenössische Kunstinitiative als eine natürliche Wahl.

Wie können wir unsere Wurzeln bewahren und gleichzeitig auf sinnvolle Art und Weise Teil der globalisierten Welt sein?

Und dann?

Wir wollten Geschäftsfelder schaffen, welche die ökonomische und kulturelle Widerstandsfähigkeit des Ortes stärkten. Sie sollten so organisiert sein, dass sie dem Ort gerecht werden, und die Gewinne sollten in die Gesellschaft zurückfliessen.

Für welche Geschäftsfelder haben Sie sich entschieden?

Gastfreundschaft ist eine der natürlichen Stärken der Insel Fogo, es war also folgerichtig, ein Spitzengasthaus zu entwickeln – das «Fogo Island Inn». Architektur und Design wiederum sind zentral, um funktionale, schöne Dinge zu gestalten, die unsere menschlichen Beziehungen widerspiegeln. Das waren weitere zentrale Beiträge zu einer Kultur des Dazugehörens, wie wir es nennen: dazugehören zur Vergangenheit, zur Gegenwart und zur Zukunft.

Fogo ist etwa so gross wie der New Yorker Stadtteil Brooklyn. Verbringen wir eine Woche auf der Insel, was sollten wir unbedingt tun?

Die Insel hat sieben Jahreszeiten. Wir nennen sie Winter, Eisschmelze, Frühling, Kabeljauzeit, Sommer, Beerenlese, Spätherbst. Das Beste, was Sie tun können, ist, mit den Menschen dort Zeit zu verbringen, die über einzigartiges Wissen verfügen. Jeder Besucher im «Fogo Island Inn» wird einem lokalen Gastgeber zugeteilt, der ihn über die Insel führt und über das Leben auf Fogo berichtet. Was die Gäste konkret tun, hängt sehr von der Jahreszeit ab, der Wissenstransfer ist also der wichtigste Teil. Was Fogo immer ist: ein einmaliger Ort voller Kraft im Nordatlantik, in einer der letzten grossen Wildnisse. Hier wird man an seinen Platz in einer natürlichen Ordnung erinnert, die weit grösser ist als man selbst.

Welche Art von Besuchern zieht es nach Fogo?

Das ist ja kein Ort, an den man durch Zufall gerät. Die Leute kommen mit einer gewissen Absicht hierher: Sie sind interessiert an der Natur und an der lokalen Kultur. Und es macht ihnen nichts aus, ein wenig zu kämpfen, um diese Destination zu erreichen.

Möchten Sie ein Vorbild für andere wohlhabende Menschen sein?

Jeder sollte etwas mit seiner und für seine Gemeinschaft tun. Und ist man nicht bereits Teil einer Gemeinschaft, sollte man sich eine suchen. Das ist die beste Art, die Welt und seinen eigenen Platz darin zu sehen. So können wir entdecken, was wirklich wertvoll ist.

Welche Werte haben Sie eigentlich durch das Leben begleitet?

Mein ehemaliger Boss sagte immer: «Das Wichtigste ist, das Wichtigste als das Wichtigste zu erkennen.» Ich wuchs in einfachen Verhältnissen auf, aber alle Bedürfnisse waren gedeckt. Mir war immer bewusst: Allzu viel ist ungesund.

Fogo Island liegt 15 Kilometer nordöstlich der Küste Neufundlands und zählt rund 2700 Einwohner.