M&A-Aktivität 2015 auf Rekordkurs
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M&A-Aktivität 2015 auf Rekordkurs

Mega-Transaktionen treiben den Gesamtwert für M&A-Transaktionen in die Höhe. Ein Überblick zeigt die grössten Deals und die wichtigsten Trends des Jahres.

Als Dow Chemical und DuPont Mitte Dezember eine Fusion der beiden Unternehmen mit insgesamt mehr als 300 Jahren Geschichte und einem Volumen von USD 130 Mia. bekanntgaben, war dies symbolisch für den gesamten M&A-Markt.Das Jahr 2015 neigt sich dem Ende zu und der Wert sämtlicher Transaktionen ist auf gutem Weg, den Rekord des Jahres 2007 von USD 4'61 Bio. zu übertreffen. Die entscheidende Frage: Auf welchen Trends basiert dieser Transaktionswert und wie sieht die Zukunft für Fusionen und Übernahmen aus? Ein Blick auf einige der wichtigsten Transaktionen des Jahres und die besonders aktiven Sektoren zeigt, welche treibenden Kräfte für die Dynamik verantwortlich waren und wie sich die Lage im nächsten Jahr entwickeln könnte.

Mega-Transaktionen verantwortlich für Marktentwicklung 2015

Die Dow-DuPont-Fusion ist nur eine der Transaktionen des Jahres 2015, die den Wert der M&A-Aktivitäten in die Höhe getrieben haben. Weitere Mega-Transaktionen 2015 waren der Erwerb von SABMiller durch AB Inbev für USD 106 Mia., das öffentliche Kaufangebot von Shell für die BG Group über USD 70 Mia. und der Erwerb von EMC durch Dell für USD 67 Mia. Es verging kaum eine Woche ohne Ankündigung einer spektakulären Transaktion, die den Gesamtwert des M&A-Marktes 2015 markant nach oben trieb. Das M&A-Transaktionsvolumen in diesem Jahr ist mit USD 4'75 Bio. und nur noch wenigen verbleibenden Tagen rekordverdächtig, aber mengenmässig führt immer noch 2007. Das zeigt, dass hauptsächlich Mega-Deals für die überaus positive Marktentwicklung in diesem Jahr verantwortlich waren. Dutzende von Transaktionen über USD 10 Mia. prägten das Marktgeschehen. Laut Dealogic lag das durchschnittliche Transaktionsvolumen 2015 bei über USD 1 Mia., es gab weltweit aber weniger als 19'000 Deals im Vergleich zu den beinahe 24'000 im Jahr 2007. Dies verdeutlicht die Bedeutung von Bewertungen gegenüber der reinen Anzahl an Transaktionen.

Technologie und Gesundheit besonders stark vertreten

Die Sektoren Technologie und Gesundheit verzeichneten sehr hohe Aktivitäten. Ihre relative Stärke hat verschiedene Gründe. Dell beispielsweise wollte durch die Übernahme von EMC, mit der Credit Suisse als Finanzberater für Dell und den Mitbieter Silver Lake Partners, seine Produktpalette in anderen Bereichen stärken und Wettbewerber abwehren. Technologieunternehmen stehen wegen des raschen technologischen Wandels unter ständigem Innovationsdruck und durch Übernahmen können schnell neue Produkte angeboten und Märkte erschlossen werden. Fusionen im Gesundheitssektor werden durch Faktoren wie den Affordable Care Act und Aktionärsforderungen nach höheren Renditen angetrieben. Der Sektor verzeichnete einige der grössten Deals, zum Beispiel die Übernahme von Humana durch Aetna für USD 56 Mia. (Genehmigung der Regulierungsbehörden noch ausstehend). Die Anleger verlangen weiterhin verbesserte Unternehmensgewinne, auch wenn dies das Aufkaufen von Konkurrenten erfordert. Geografisch betrachtet kam es aufgrund der soliden Wirtschaftslage besonders in den USA und in Asien zu Fusionen. Asiatische Unternehmen suchen im Ausland nach grösseren Gewinnen – durch Offshoring von Aktivitäten können sie die Unternehmenssteuern senken.

Die Kräfte hinter den Konsolidierungen

Der Grund für die starken Aktivitäten in diesem Jahr sieht Greg Weinberger, Co-Leiter Global M&A bei der Credit Suisse, in einem wachstumsschwachen gesamtwirtschaftlichen Umfeld, «gepaart mit Wachstumschancen durch das Hinzufügen neuer Geschäftsfelder und Kunden». Trotz einer recht soliden US-Wirtschaft war der globale Umsatz schleppend und Gesellschaften suchten deshalb nach anderen Wegen, ihr Betriebsergebnis zu verbessern und die Aktionäre zufriedenzustellen. Mangels organischen Wachstums gingen Firmen dazu über, Konkurrenten zu übernehmen oder mit ihnen zu fusionieren. Dies war einer der Faktoren bei der Dow-DuPont-Fusion, da die Anleger von den Chemiegiganten höhere Renditen forderten. Kommt hinzu, dass viele Unternehmen dank grosser Bargeldreserven und niedriger Zinsen in der Lage sind, Konkurrenten aufzukaufen.

Bedroht die Zinsanhebung der US-Notenbank Federal Reserve im Dezember die Fusionsaktivität? «Ich glaube nicht, dass die Zinsanhebung einen merklichen Einfluss auf M&A haben wird, da eine Zinsanhebung als Zeichen von Vertrauen in die Wirtschaftslage anzusehen ist», sagt Robin Rankin, Co-Leiterin M&A bei der Credit Suisse. «Unsere Erfahrung ist, dass M&A-Aktivitäten mehr mit BIP-Wachstum und so auch mit der wirtschaftlichen Einschätzung der Verwaltungsräte korreliert als mit Zinsbewegungen.»

Ausblick 2016

Wie sieht die Zukunft für M&A aus? Aufgrund der Volatilität der Weltwirtschaft – instabiles Wirtschaftswachstum in China, geopolitische Krisen und Terrorismus – ist es schwer, Voraussagen zu treffen. In der Regel treten M&A-Transaktionen in Wellen auf, die vier bis fünf Jahre andauern. Robin Rankin ist der Auffassung, dass der aktuelle Zyklus stark ist und weitere zwei Jahre Bestand haben wird. Sie sieht Konsolidierungen in bestimmten Sektoren wie Landwirtschaft, Halbleiter sowie Öl und Gas. Obwohl es keine Garantien im Bereich M&A gibt, «scheint die Pipeline für das nächste Jahr stark zu sein», hält sie fest. Es hängt ihrer Meinung nach viel von externen Kräften ab, wie zum Beispiel der allgemeinen Weltwirtschaftslage und geopolitischen Ereignissen, «es ist aber unwahrscheinlich, dass die Fusionsbereitschaft der CEOs vollständig erlischt».