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Standortqualität 2025 – Ausblick nach der Steuerreform: Zug verteidigt die Spitze, Basel-Stadt überholt Zürich, Genf neu auf Rang 4

Die Credit Suisse publiziert ihre jährliche Analyse zur Standortqualität der Kantone und Regionen

Das langfristige Wirtschaftspotenzial der Schweizer Kantone wird massgeblich durch die Rahmenbedingungen für Unternehmen geprägt. Im diesjährigen Standortqualitätsindikator der Credit Suisse behaupten sich die Kantone Zug, Zürich und Aargau an der Spitze. Der fundamentale Umbau der Unternehmensbesteuerung dürfte jedoch in den nächsten Jahren Bewegung in den Standortwettbewerb bringen: Der Ausblick auf die Standortqualität im Jahr 2025 sieht Zug weiterhin an der Spitze, Basel-Stadt überholt aber Zürich und Genf liegt neu auf Rang 4.

Der intensive Standortwettbewerb zwingt die Schweizer Kantone und Regionen, ihre Attraktivität im Rahmen des Möglichen zu optimieren. Der jährliche Standortqualitätsindikator (SQI) der Credit Suisse misst die Attraktivität der Schweizer Regionen und Kantone für Unternehmen. Er fokussiert auf sieben «harte» Standortfaktoren und ist damit einerseits ein Wegweiser für Unternehmen, die verschiedene Standorte evaluieren. Andererseits kann er als Benchmarking-Instrument für die Optimierung der kantonalen oder regionalen Standortpolitik dienen.

Zug und Zürich auch 2018 an der Spitze
Der Kanton Zug steht seit Jahren unangefochten an der Spitze des Kantonsrankings, gefolgt von Zürich (vgl. Abb. 1). Den dritten Rang belegt seit 2016 der Kanton Aargau, der damals insbesondere dank gestiegener steuerlicher Attraktivität für Unternehmen nicht zuletzt an Basel-Stadt vorbeizog. Diese Standorte weisen die günstigste Kombination von Attraktivitätsfaktoren auf. Ebenfalls klar überdurchschnittliche Resultate erreichen die Kantone Nidwalden, Schwyz und Luzern. Im breiteren Mittelfeld positionieren sich diverse Agglomerationskantone sowie der Stadtkanton Genf. Insgesamt gab es nur kleinere Veränderungen gegenüber dem Vorjahr: Der Kanton Tessin überholt Freiburg, Neuchâtel überholt Bern und der Thurgau zieht an Obwalden vorbei. Die peripheren Kantone Jura und Wallis mit ihrer anspruchsvollen Topografie weisen die geringste Standortqualität auf.

Regionale Sicht: Erhebliche Unterschiede innerhalb von Kantonen
Die Betrachtung auf Ebene der Kantone greift in grösseren, heterogenen Kantonen – etwa Bern, Waadt, Tessin oder Graubünden – zu kurz. Aus diesem Grund betrachten die Ökonomen der Credit Suisse die Standortqualität zusätzlich auf Ebene der 110 Wirtschaftsregionen (vgl. Abb. 2). Die Zentren Zürich, Zug, Baden, Luzern, Basel und Bern sowie die Agglomerationen zählen zu den attraktivsten Regionen für Unternehmen, was hauptsächlich deren verkehrstechnischer Erreichbarkeit zu verdanken ist. In der Romandie kann sich Nyon deutlich von seinen Nachbarregionen distanzieren, im Tessin tun dies die Region Lugano und vor allem Mendrisio. Die Regionen im Alpen- und Jurabogen sind aus Sicht der Unternehmen klar weniger attraktiv, was durch ihre Topografie und die teilweise beträchtlichen Fahrzeiten in die Ballungszentren bedingt ist.

Standortqualität 2025: Provisorisches Ranking nach Steuerreform und NEAT-Fertigstellung
In den kommenden Jahren werden sich zwei Komponenten der Standortqualität deutlich verändern. Zum einen ist im Rahmen des Reformpakets «Steuervorlage und AHV-Finanzierung» (STAF) ein fundamentaler Umbau der Unternehmensbesteuerung geplant. Zudem wird mit der Eröffnung des Ceneri-Basistunnels 2020 insbesondere die Erreichbarkeit des Tessins verbessert.

Nachdem die meisten Kantone ihre Steuerstrategien im Rahmen der STAF kommuniziert haben, haben die Ökonomen der Credit Suisse eine erste Zukunftsprognose für die Standortqualität 2025 gemacht. Basierend auf den von den Kantonsregierungen beabsichtigten Anpassungen der Unternehmensbesteuerung (vgl. Abb. 3), die in vielen Fällen schrittweise bis ca. 2025 implementiert würden, haben sie den Standortqualitäts-Teilindikator «Steuerliche Attraktivität für juristische Personen» neu berechnet. Mit Ausnahme des Kantons Waadt, wo die Reform der Unternehmenssteuern bereits 2016 in einer Volksabstimmung beschlossen wurde, müssen die kantonalen Steuerstrategien in der Regel noch von den Bürgern genehmigt werden. Das neu berechnete Kantons-Ranking soll – auf Basis des aktuellen Kenntnisstands – einen Eindruck davon vermitteln, in welche Richtung sich die Standortqualität entwickeln könnte. Berücksichtigt wurden neben der Unternehmensbesteuerung die Veränderungen in den Erreichbarkeitsindikatoren infolge der Fertigstellung der NEAT. Die anderen Standortfaktoren – die Steuerbelastung der natürlichen Personen sowie die Verfügbarkeit von Hochqualifizierten und Fachkräften – bleiben unverändert.

In diesem hypothetischen SQI für das Jahr 2025 steht der Kanton Zug weiterhin an der Spitze (vgl. Abb. 4). Mit der geplanten Senkung der Gewinnsteuerbelastung auf 13,04 % rückt Basel-Stadt nach aktueller Information auf der Skala am deutlichsten vor: Er verweist den Kanton Zürich (geplante Gewinnsteuerbelastung von 18,19 %), der seit Beginn unserer Messung den 2. Rang innehatte, klar auf den dritten Rang. Ebenfalls deutlich verbessern würde sich Genf (geplante Gewinnsteuerbelastung 13,79 %), welches ganze 9 Ränge gutmachen würde. Basel-Landschaft und Solothurn verbessern sich beide um 6 Ränge, weil sie ebenfalls ihre Gewinnsteuersätze deutlich reduzieren (auf 13,45 % bzw. 13 %) und zudem die Kapitalsteuern senken möchten. Der Kanton Aargau, 2018 auf dem dritten Rang, würde bei geplanter Reduktion des Gewinnsteuersatzes auf 17,9 % und des Kapitalsteuersatzes auf 0,75 Promille voraussichtlich auf Rang 6 zurückfallen.

Im generellen erhöhen die geplanten Senkungen der Unternehmenssteuern die Standortqualität. Aufgrund der relativen Betrachtung der Standortqualität können Kantone trotz Entlastungen dennoch Ränge im Standortqualitätsindikator verlieren. Die heutigen Spitzenreiter bei den Unternehmenssteuern werden ihres relativen Vorteils zumindest teilweise beraubt, weil die Unterschiede insgesamt geringer werden und sich einige Kantone in Zukunft steuerlich gar noch attraktiver positionieren möchten. Auch international findet der Steuerwettbewerb zunehmend über tiefere ordentliche Steuersätze statt. Die Schweiz ist in diesem globalen Standortwettbewerb gut aufgestellt: Neben tiefen Unternehmenssteuern bieten Schweizer Standorte eine hohe politische Stabilität, qualitativ hochstehende Infrastrukturen und Bildungsinstitutionen, Arbeitsfrieden sowie gesunde öffentliche Finanzen.

Der Standortqualitätsindikator der Credit Suisse
Die Credit Suisse bietet seit 1997 quantitative Analysen der Standortqualität der Schweizer Kantone und Regionen an. Unser Standortqualitätsindikator (SQI) wurde entwickelt, um die Attraktivität der Schweizer Regionen und Kantone aus Unternehmersicht zu messen. Dieser stellt die Attraktivität eines Gebiets in Form eines relativen Index dar und basiert auf den folgenden sieben quantitativen Teilindikatoren: Steuerbelastung der natürlichen und juristischen Personen, Verfügbarkeit von Hochqualifizierten und Fachkräften sowie Erreichbarkeit der Bevölkerung, der Beschäftigten und von Flughäfen.

Die Publikation «Standortqualität 2025. Ausblick auf das Ranking nach der Steuerreform» ist im Internet in Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch verfügbar unter:
www.credit-suisse.com/publikationen 

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