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Monitor Schweiz – Die Schweiz steht vor wegweisenden Entscheiden

Die Ökonomen der Credit Suisse haben heute die Winterausgabe 2014 des «Monitor Schweiz» veröffentlicht. In der quartalsweise erscheinenden Publikation kommentieren und prognostizieren sie die wichtigsten Entwicklungen in der Schweiz und beleuchten auch das globale Umfeld. Die Wachstumsprognose für 2015 belassen sie unverändert bei 1.6%, nach 1.8% für 2014. Wegen des nur mässigen Wirtschaftswachstums und externen Einflüssen bleibt die Inflation gemäss Einschätzungen der Ökonomen 2015 bei null. Dies ist das vierte Jahr in Folge ohne Teuerung. In der aktuellen Ausgabe des «Monitor Schweiz» analysieren die Ökonomen zudem die Strategie des Bundes zur Energiewende. Sie kommen dabei zum Schluss, dass diese Strategie wesentliche Schwachstellen aufweist. Weiter zeigen die Ökonomen der Credit Suisse, in welche Richtung sich die Beziehungen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union (EU) nach Annahme der Masseneinwanderungsinitiative entwickeln könnten. Ferner gehen die Ökonomen anhand eines selbst entwickelten Modells auf die regionalen Unterschiede bei der Versorgungsdichte sowohl bezüglich Fachärzten als auch bezüglich Allgemeinpraktikern in der Schweiz ein.

Die Erholung der Schweizer Exportwirtschaft dürfte 2015 zu verhalten ausfallen, um den Schwungverlust der Binnenkonjunktur zu kompensieren. Entsprechend gehen die Ökonomen der Credit Suisse von einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums auf 1.6% aus, nach 1.8% im 2014. In Anbetracht der flauen Wachstumsdynamik verändern sich weder die Arbeitslosigkeit noch das Preisniveau im kommenden Jahr, weshalb die Schweizerische Nationalbank an der EUR/CHF Wechselkursuntergrenze von 1.20 festhalten und das Zinsniveau somit noch länger tief bleiben dürfte.

Energiewende: Lenkungsabgaben würden mehr Erfolg versprechen
Die Ziele der «Energiestrategie 2050» des Bundes sind gemäss Einschätzung der Ökonomen der Credit Suisse in vielerlei Hinsicht problematisch und widersprüchlich. So dürfte die Energieversorgung mit einem Wegfall der Kernenergie und einem Ausbau von erneuerbaren Energien, welche jedoch starken Schwankungen unterliegen, an Stabilität und Flexibilität einbüssen. Dies ist insbesondere ohne eine enge Vernetzung mit dem Ausland, um potentielle Versorgungslücken schliessen zu können, äusserst problematisch. Dennoch strebt die Energiestrategie eine möglichst auslandsunabhängige Stromproduktion an. Dabei wird übersehen, dass die Schweiz im Strombereich keineswegs autark ist: Der Stromhandel mit dem Ausland ist nicht nur versorgungssicherheitstechnisch eine Notwendigkeit und die wohl wichtigste Voraussetzung für einen erfolgreichen Ausstieg aus der Kernenergie, sondern generiert auch einen bedeutenden Nutzen für die Schweizer Strom- und Volkswirtschaft. Weiter stehen dem Ausbau der erneuerbaren Energien in der Schweiz einige Hürden im Weg. Die tiefen Strompreise auf dem europäischen Markt machen Investitionen in der Schweiz zurzeit unrentabel. Dies betrifft jedoch ausgerechnet jene Energiequellen, für welche die Energiestrategie einen Ausbau vorsieht, in erster Linie Grosswasserkraftwerke. Investitionen in erneuerbare Energien stehen zudem teilweise im Konflikt mit Interessen des Natur-, Landschafts- und Denkmalschutzes.

Ob sich zudem auf der Nachfrageseite die ambitiösen Ziele zur Senkung des Energiekonsums, als weiteres Ziel der «Energiestrategie 2050», ohne Einschränkungen und Verhaltensänderungen erreichen lassen, beurteilen die Ökonomen der Credit Suisse als äusserst fraglich. Um Verhaltenswirkungen beim Konsum und Innovationen bei der Energieproduktion anzuregen, halten die Ökonomen Lenkungsabgaben für deutlich zielführender als ein subventionslastiges Fördersystem. Die Ablösung des heutigen Fördersystems durch ein Lenkungssystem wäre demnach ein Schritt in die richtige Richtung.

Die Beziehung Schweiz-EU steht am Scheideweg
In einer Analyse der möglichen Entscheidungsvarianten zeigen die Ökonomen der Credit Suisse in der aktuellen Ausgabe des «Monitor Schweiz», wie sich die Verhandlungen zwischen der Schweiz und der EU bis zum Ende der Übergangsfrist im 2017 entwickeln könnten. Gemäss den Ökonomen steuern die Schweiz und die EU zwar auf eine Situation zu, in welcher die Schweiz aufgrund der Einführung moderater Zuwanderungsquoten die bilateralen Verträge verletzt, aber weder die Schweiz noch die EU diese Verträge kündigen dürften. Die daraus resultierende Unsicherheit sowie mögliche Massnahmen seitens der EU, mit welchen die Schweiz punktuell konfrontiert werden könnte, wie z.B. bei der Umsetzung der Mehrwertsteuer- oder der Zolldeklaration, dürften angesichts der Grössenverhältnisse vor allem der Schweizer Wirtschaft schaden.

Ärztedichte: Medizinischer Röstigraben
Anhand eines selbst entwickelten Modells zeigen die Ökonomen der Credit Suisse die regionalen Unterschiede bei der Versorgungsdichte sowohl bezüglich Fachärzten als auch bezüglich Allgemeinpraktikern. Konkret werden dabei für jede Gemeinde die Nachfrage und das Angebot von Arztdienstleistungen im Umkreis von 30 Autofahrminuten zum Gemeindemittelpunkt ermittelt. Es wird ersichtlich, dass sich Fachärzte vor allem in den Städten konzentrieren. So befinden sich in Gemeinden mit mehr als 20'000 Einwohnern zwar nur rund 28% der Bevölkerung, aber 61% aller Stellen in Facharztpraxen. Auffällig ist zudem auch ein Unterschied zwischen der Deutsch- und Westschweiz. Letztere weist – in erster Linie aufgrund der im Verhältnis zur Nachfrage hohen Zahl an Fachärzten in den Städten Genf und Lausanne – eine überdurchschnittlich hohe Versorgungsdichte auf. Dies gilt auch im Vergleich zu den Städten Zürich und Basel. Ein anderes Bild zeigt sich bei den Allgemeinpraktikern. Zwar ist auch bei den Grundversorgern in Städten eine höhere Versorgungsdichte feststellbar als in ländlichen Gemeinden. Dieser Umstand ist aber weniger ausgeprägt als bei den Fachärzten. So befinden sich in Gemeinden mit mehr als 20'000 Einwohnern (mit 28% aller Einwohner) rund 41% aller Stellen in Allgemeinarztpraxen. Markant sind wiederum die Unterschiede zwischen Deutsch- und Westschweiz – aber unter umgekehrten Vorzeichen. So weist die Westschweiz eine signifikant tiefere Dichte an Allgemeinpraktikern aus als die Deutschschweiz. Vermutlich wird die Grundversorgung in der Westschweiz stärker von Facharztpraxen und Spitälern sichergestellt.

Unterschiedliche Facetten der Wirtschaft in einer Publikation
Die aktuelle Ausgabe des «Monitor Schweiz» umfasst ausserdem eine Übersicht über die globalen Konjunkturaussichten, kommentiert die Geldpolitik der Nationalbank und zeigt, wo es aus steuerlichen Gesichtspunkten am attraktivsten ist, sich pensionieren zu lassen. Appenzell Innerrhoden, Uri und Schaffhausen besteuern den Bezug von Kapital aus Vorsorgeeinrichtungen beispielsweise besonders wenig, während Freiburg, Waadt und Zürich aus steuerlicher Sicht am ungünstigsten für eine Pensionierung mit beträchtlichem Kapitalbezug sind. Analysen zur Bedeutung der Bauwirtschaft und zur Solidität der Staatsfinanzen runden den «Monitor Schweiz» ab.

Der «Monitor Schweiz» wird quartalsweise publiziert. Die nächste Ausgabe erscheint am
17. März 2015.