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Credit Suisse Sorgenbarometer 2014

Wirtschaftsoptimismus, EU-Skepsis und Nationalstolz

In der Sorgenbarometer-Umfrage 2014 der Credit Suisse zeigen sich die Schweizerinnen und Schweizer mehrheitlich zufrieden mit ihrer wirtschaftlichen Situation. Sie verfügen über einen ausgeprägten Nationalstolz und hegen das grösste Vertrauen in die Akteure Nationalbank und Bundesgericht. Die Hauptsorge bleibt die Arbeitslosigkeit. Die Skepsis gegenüber allem Ausländischen – der Zuzug von Arbeitskräften und Flüchtlingen genauso wie das Verhältnis zur Europäischen Union – ist in der Befragung nach wie vor sehr gross. Von der Politik wünscht man sich ein offensiveres Auftreten im Ausland.

Im Auftrag der Credit Suisse befragt das Forschungsinstitut gfs.bern die Schweizerinnen und Schweizer jedes Jahr nach ihren Sorgen und nach wesentlichen Identitätsmerkmalen des Landes. Die Langzeitvergleiche zeichnen ein Bild der Beständigkeit. Die Arbeitslosigkeit beispielsweise wird seit über zehn Jahren stets als Hauptsorge bezeichnet. An zweiter Stelle finden sich seit einigen Jahren unverändert die Ausländerfragen. Zu den Hauptsorgen gehören auch die Altersvorsorge/AHV und das Gesundheitswesen.

René Buholzer, Leiter Politik und Nachhaltigkeit der Credit Suisse, sagte: «Dass die Arbeitslosigkeit auch in diesem Jahr wieder die Hauptsorge der Schweizerinnen und Schweizer ist, obwohl nur 7% um die eigene Stelle fürchten, erstaunt nicht. Die Sorge um die Arbeitslosigkeit wird seit je weniger von der persönlichen Situation und stärker von der wahrgenommenen allgemeinen Situation getrieben. So ist ein klarer Zusammenhang zwischen der Sorge um die Arbeitslosigkeit und der Entwicklung der Erwerbslosenquote zu beobachten.»

Optimistische Wirtschaftseinschätzung
60% der Schweizerinnen und Schweizer bezeichnen in der Sorgenbarometer-Umfrage ihre aktuelle individuelle wirtschaftliche Lage als gut oder sehr gut, nur 7% als schlecht oder sehr schlecht. Und 92% gehen davon aus, dass es ihnen in den kommenden zwölf Monaten wirtschaftlich gleich gut oder gar besser gehen wird. Eine pessimistische Einschätzung äusserten 7%. Die allgemeine Wirtschaftslage ist nach Ansicht von 81% der Stimmberechtigten gleich geblieben oder hat sich verbessert; eine Verschlechterung haben 17% wahrgenommen. Auch die Entwicklung im kommenden Jahr wird leicht optimistisch eingeschätzt: 20% glauben an eine Verbesserung, 15% an eine Verschlechterung. Mit 62% gehen die meisten aber davon aus, dass es bleibt, wie es ist.

Das Verhältnis zum Ausland bereitet Sorgen
Gleich vier Sorgen im Zusammenhang mit dem Ausland befinden sich in den Top Ten des Sorgenbarometers 2014. Ebenfalls werden die grössten Gefährdungen der Schweizer Identität von aussen kommend wahrgenommen: die Probleme der EU (76%), die Einwanderung (73%), die internationale Öffnung (70%). Wie soll das Verhältnis zur Europäischen Union künftig ausgestaltet werden? Für eine Fortsetzung der bilateralen Verträge sind 50% der Stimmbürger in erster Priorität und weitere 16% in zweiter Priorität. Kündigen soll man die bilateralen Verträge nach Meinung von 24% in erster sowie 7% in zweiter Priorität. Einen EWR-Beitritt (12%/29%) kann sich die Bevölkerung eher vorstellen als einen Beitritt zur EU (4%/10%). Bei den Verhandlungen auf internationaler Ebene machen die Stimmbürger der Politik Mut: 59% sind für ein eher offensiveres Verhalten, 20% für ein viel offensiveres Verhalten der Schweizer Aussenpolitik, zu eher oder viel defensiverem Verhalten raten insgesamt nur 17%.

René Buholzer, Leiter Politik und Nachhaltigkeit der Credit Suisse, sagte: «Zugenommen haben die Sorgen über Ausländerfragen im Zusammenhang mit der Integration und der Personenfreizügigkeit. Hier erwarten die Befragten in den Verhandlungen über die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitaitve von der Politik eine selbstbewusste Haltung der Schweiz.»

Hoher Nationalstolz
90% der Bevölkerung sind stolz darauf, Schweizerin oder Schweizer zu sein. Dies bedeutet gegenüber dem Vorjahr nochmals eine Zunahme um vier Prozentpunkte und somit eine neuerliche Rekordmarke. Dieser hohe Nationalstolz widerspiegelt sich auch im Stolz auf wesentliche Merkmale der Schweizer Politik und Wirtschaft: Neutralität 96% sehr oder ziemlich stolz, Unabhängigkeit 96%, Volksrechte 92%, Zusammenleben der Sprachkulturen 91%, Bundesverfassung 90%, Föderalismus 86%, Sozial¬partnerschaft 81%, Uhrenindustrie 96%, internationaler Qualitätsruf 95%, starke Marken 95%, Maschinenindustrie 94%, erfolgreiche KMU 94%, Forschung 91%, Innovationskraft 89%, Pharmaindustrie 89%, Service-Public-Unternehmen 82%.

Vertrauen in Nationalbank und Bundesgericht
Besonders grosses Vertrauen haben die Schweizer Stimmbürger in die Nationalbank (64%), das Bundesgericht (62%) und die Polizei (60%). Von den politischen Akteuren geniesst der Bundesrat (57%) das grösste Vertrauen, knapp vor dem Nationalrat (56%) und dem Ständerat (55%), die politischen Parteien (42%) folgen wie immer mit einem grösseren Abstand. Bei den Medien finden wir das Fernsehen (59%) an der Spitze vor dem Radio (54%). Hinter den elektronischen Medien folgen die Zeitungen, die kostenlosen (49%) und bezahlten (48%) praktisch im Gleichschritt.

Zugehörigkeitsgefühl zur Schweiz
Fühlten sich im Jahr 2011 noch 53% der Bevölkerung in erster oder zweiter Priorität der Wohngemeinde zugehörig, so sind es drei Jahre später nur noch 29%. Der Sprachregion fühlen sich in erster oder zweiter Priorität 35% zugehörig, dem Kanton 41%. Auch diese Einheiten haben gegenüber 2011 verloren. Profitiert hat von diesem Trend das Land als Ganzes: Die Schweiz als Nation ersetzt die Wohngemeinden als Identifikationsfaktor Nummer eins. Fühlten sich 2011 erst 39% der Bevölkerung in erster oder zweiter Linie der Schweiz zugehörig, so sind es nun 66%.

Sorgenbarometer: repräsentative Umfrage
Welches sind die grössten Sorgen der Schweizerinnen und Schweizer? Und wie steht es um das Vertrauen in die Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft? Diesen Fragen geht die Credit Suisse seit nunmehr 38 Jahren in ihrer jährlichen Sorgenbarometer- und Identitätsbarometer-Umfrage nach. Zwischen dem 28. Juli und dem 16. August 2014 befragte das Forschungsinstitut gfs.bern im Auftrag der Credit Suisse 1010 Stimmberechtigte in der ganzen Schweiz unter anderem nach deren Sorgen. Die Befragten konnten aus einer Auswahl von 34 Sorgen die fünf wichtigsten auswählen.

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