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Credit Suisse Sorgenbarometer 2013

Grosses Vertrauen in Institutionen und Akteure; Arbeitslosigkeit bleibt Hauptsorge

In der Sorgenbarometer-Umfrage 2013 der Credit Suisse bezeichnet die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer die eigene wirtschaftliche Situation als gut, über drei Viertel äussern sich zuversichtlich zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Dementsprechend positiv werden die politischen und wirtschaftlichen Handlungsträger beurteilt: Das Vertrauen in Institutionen und Akteure hat gegenüber 2012 deutlich zugenommen. Man wünscht sich allerdings eine selbstbewusstere Haltung dem Ausland gegenüber. Hauptsorge bleibt wie in den Vorjahren die Arbeitslosigkeit, die Dringlichkeit hat jedoch deutlich abgenommen. Bei den genannten Sorgen ergeben sich im Vergleich der letzten Jahre nur geringfügige Verschiebungen, die sieben im Jahr 2013 meist genannten Sorgen befinden sich schon seit längerem in den Top Ten.

Die zehn am häufigsten genannten Sorgen der Schweizerinnen und Schweizer drehen sich 2013 um gesellschaftlich und sozial relevante Fragen mit einem mehr oder weniger direkten Bezug zur Sicherheit. Makrowirtschaftliche Sorgen bleiben im Hintergrund, vielmehr beschäftigen Themen, die greifbar sind und die Menschen persönlich betreffen wie Löhne oder die Arbeitslosigkeit. Letztere steht nun schon zum elften Mal in Folge an der Spitze des Sorgenbarometers der Credit Suisse. Noch immer nennen 44% der Schweizer Bevölkerung die Arbeitslosigkeit als eine ihrer Hauptsorgen – im Vergleich zu den Vorjahren sind das jedoch deutlich weniger Nennungen (2012: 49%; 2011: 52%). Langfristig lässt sich eine Korrelation zur effektiven Arbeitslosenquote in der Schweiz feststellen: Die Rekordwerte der Sorge Arbeitslosigkeit stammen aus den Jahren mit besonders hoher Arbeitslosigkeit, namentlich 1993, 1997 und 2010. Seither sind die Arbeitslosenzahlen bei einer Quote um drei Prozent stabil geblieben.

René Buholzer, Leiter Politik und Nachhaltigkeit der Credit Suisse, sagte: «Im diesjährigen Sorgenbarometer der Credit Suisse hat das Vertrauen der Schweizerinnen und Schweizer in die zentralen Akteure unseres Landes stark zugenommen und ist so hoch wie nie. Politik und Wirtschaft wird ein gutes Zeugnis ausgestellt, was Ausdruck der stabilen wirtschaftlichen Lage der Schweiz sein dürfte. Wenig überraschend werden Neutralität, Bildung und Stabilität in der Umfrage als wichtigste Stärken des Landes bezeichnet. Besonders freut mich, dass die bedeutende Rolle der Bildung für ein rohstoffarmes Land wie die Schweiz erkannt wird.»

Ausländerfragen bleiben aktuell
Wie schon 2012 liegt die Zuwanderung von Ausländern (Personenfreizügigkeit) mit unverändert 37% an zweiter Stelle der Hauptsorgen. Zwar ist allgemein anerkannt, dass die Wirtschaft auf den Zuzug ausländischer Fachkräfte angewiesen ist, Kopfzerbrechen bereitet der Bevölkerung aber deren Integration. Zudem dürften die ausländischen Arbeitskräfte als Konkurrenz angesehen werden. Trotz der steigenden Anzahl an Asylgesuchen hat die entsprechende Sorge wieder etwas an Relevanz verloren (28%, -4 Prozentpunkte (pp)).

Sicherheitsbedürfnis ist gross
Grossen Stellenwert nehmen für die Schweizerinnen und Schweizer weiterhin Sicherheitsfragen ein. An Wichtigkeit zugenommen hat für die Bevölkerung nicht nur die persönliche Sicherheit in Bezug auf Kriminalität und Gewalt (24%, +3pp), sondern auch die Sicherung der Sozialwerke (21%, +2pp). Die AHV als drittwichtigste Sorge gehört als Angst um die eigene Altersvorsorge zu diesem Problemkomplex, sie wird von 29% (-7pp) der befragten Personen als eine der Hauptsorgen bezeichnet.

In der Bedeutung etwas zugenommen haben die Fragen um eine gerechte Verteilung des Wohlstandes (Sorgen Löhne beziehungsweise Neue Armut) sowie um die Natur mitsamt deren Ressourcen (Sorgen Energiefragen und Umweltschutz), allerdings sind es jeweils weniger als ein Fünftel der Befragten, die dies als eines der wichtigsten Probleme der Schweiz sehen.

Im Gegensatz dazu sind die Sorgen hinsichtlich der europäischen Integration und der Eurokrise weniger dominant als zuletzt. Auch wenn die Finanz- und Wirtschaftskrise in weiten Teilen der Europäischen Union noch nicht ausgestanden ist, sind die Befragten doch mehrheitlich der Meinung, die Schweiz sei stark genug, um zu verhindern, dass sie in eine allfällige europäische Krise hineingezogen würde.

Die wirtschaftliche Situation stimmt optimistisch
Mit Blick auf ihre wirtschaftliche Situation ziehen die Schweizerinnen und Schweizer insgesamt eine positive Bilanz, dies auch vor dem Hintergrund der angespannteren Lage im südlichen Europa. 56% (-3pp) bezeichnen ihre eigene wirtschaftliche Situation als gut oder sehr gut. Sogar 90% (-2pp) sind zuversichtlich, dass ihre wirtschaftliche Lage zumindest gleich gut bleiben wird; noch nie waren derart viele Schweizerinnen und Schweizer (22%) überzeugt, es werde ihnen im nächsten Jahr (noch) besser gehen als jetzt. In Bezug auf die allgemeine wirtschaftliche Lage sind unverändert 72% der Meinung, der Schweiz gehe es zumindest gleich gut wie im Vorjahr. Nicht weniger als 78% (+7pp) sind überzeugt, es werde der Schweiz in den kommenden zwölf Monaten gleich gut oder sogar besser gehen.

Die als gut wahrgenommene wirtschaftliche Situation findet ihren Niederschlag auch darin, dass 53% (+3pp) der Befragten der Wirtschaft insofern ihr Vertrauen aussprechen, als sie der Meinung sind, die Wirtschaft versage in entscheidenden Fragen selten oder gar nicht. Mit 63% (+4pp) schneidet die Politik in dieser Hinsicht sogar nochmals deutlich besser ab und erreicht einen absoluten Rekordwert; im Jahr 2005 hatten erst 38% der Befragten eine solche Aussage gemacht.

Die positive Situationsbeurteilung manifestiert sich auch bei der Frage des Vertrauens in die wichtigsten Institutionen und Akteure der Schweiz: An der Spitze befinden sich – wie fast immer – Bundesgericht und Polizei, aber alle Institutionen und Akteure haben gegenüber dem Vorjahr spürbar an Vertrauen gewinnen können, im Durchschnitt beträgt der Anstieg 12 Prozentpunkte, besonders ausgeprägt ist er bei den Medien.

Nationalstolz ist weiterhin gross
Der Stolz auf die Schweiz ist wie in den Vorjahren sehr ausgeprägt: Unverändert sind 86% der Befragten eher oder sehr stolz auf die Schweiz. Zudem sind nicht weniger als 91% (+8pp) überzeugt, dass das Ansehen der Schweiz im Ausland eher oder sehr gut ist. Verbunden mit dem Wissen um die eigene wirtschaftliche Stärke beurteilen 63% (+1pp) das Verhalten der Schweizer Politiker im Ausland als defensiv: Eine klare Mehrheit wünscht sich bei künftigen Verhandlungen eine offensivere Gangart.

Bildung als Grundlage des Wohlstands
Als die wichtigsten Stärken des Landes werden Neutralität (47%, +6pp), Bildung (46%, +5pp), Stabilität (35%, +10pp), Frieden (34%, +4pp) sowie Mitspracherecht (33%, -5pp) angesehen. Dazu passt, dass die Förderung der Bildung von nahezu allen Schweizerinnen und Schweizern als wichtiges politisches Ziel anerkannt wird (96%, +2pp). Daneben werden die Sicherung der Altersvorsorge (94%, -1pp), die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit (92%, -1pp) sowie die Finanzierung des Gesundheitswesens (90%, +12pp) als weitere wichtige Themen der aktuellen politischen Agenda genannt.

Repräsentative Umfrage
Welches sind des Schweizers grösste Sorgen? Und wie steht es um das Vertrauen in die Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft? Diesen Fragen geht die Credit Suisse seit nunmehr 37 Jahren in ihrer jährlichen Sorgenbarometer- und Identitätsbarometer-Umfrage nach. Zwischen dem 30. Juli und dem 25. August 2013 befragte das Forschungsinstitut gfs.bern im Auftrag der Credit Suisse 1000 Stimmberechtigte in der ganzen Schweiz unter anderem nach deren Sorgen. Die Befragten konnten aus einer Auswahl von 34 Sorgen die fünf wichtigsten auswählen.