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Credit Suisse Jugendbarometer 2013

Schweizer Jugend zeigt sich zufrieden und sieht kaum Reformbedarf; im Ausland werden die Zukunftsperspektiven von den Jugendlichen kritischer beurteilt

Das Credit Suisse Jugendbarometer wurde 2013 erstmals in vier Ländern in vier Kontinenten erhoben: Zur Schweiz, den USA und Brasilien kommt neu auch Singapur. Die Resultate des Jugendbarometers 2013 sind geprägt von der jeweiligen nationalen Wirtschaftslage und den zum Teil unsicheren Berufsaussichten. Der Beruf bleibt die zentrale Orientierungsgrösse im Leben der 16- bis 25-jährigen Befragten aus allen vier Ländern, und wenig überraschend zählt denn auch die Arbeitslosigkeit überall zu den am meisten genannten Sorgen der Jugendlichen. Die Schweizer Jugend präsentiert sich im internationalen Vergleich als Sonderfall: Sie ist optimistischer eingestellt und sieht kaum politischen Reformbedarf.

Im Vordergrund stehen bei den Jugendlichen in allen vier Ländern die persönliche Berufskarriere und das Streben nach Sicherheit. Schule und Bildung sind enorm wichtig, lebenslange Weiterbildung ist für diese Generation unerlässlich. Grundsätzlich gilt: Wer keine Freude am Beruf hat, soll ihn wechseln, und wer ihn gerne macht, hat auch Erfolg. Allerdings durchkreuzen die Arbeitsmarktrealitäten in den USA, Brasilien und Singapur diese Vorstellungen, denn die Mehrheiten sind dort der Ansicht, dass man froh sein muss, überhaupt einen Job zu haben. Einmalig präsentiert sich die Situation in der Schweiz mit ihrer wirtschaftlichen Stabilität und dem dualen Bildungssystem. Die Jugendarbeitslosigkeit ist im internationalen Vergleich tief, deutlich mehr Befragte als in den anderen Ländern sind mit ihrer beruflichen Situation glücklich.

Die zehn wichtigsten Erkenntnisse des Jugendbarometers 2013 im Überblick:
1. Lebensgefühl: Das Lebensgefühl der Jugend hat sich gewandelt und präsentiert sich etwas weniger hoffnungsvoll als in den vergangenen drei Jahren. Deutlich gesunken ist die Zuversicht in den USA, wo nur gerade die Hälfte der Jugendlichen ihre eigene Zukunft optimistisch einschätzen (Rückgang um 6 Prozentpunkte gegenüber 2012). In Brasilien ist die Zuversicht zwar nach wie vor am höchsten (68%), aber auch hier ist sie um 5 Prozentpunkte zurückgegangen. Am stabilsten werden die Zukunftschancen in der Schweiz eingeschätzt (65%, Rückgang um 1 Prozentpunkt), während in Singapur gerade einmal 45% ihre Aussichten als positiv beurteilen.

2. Ziele: Was die Jugend weltweit verbindet, ist der grosse Wunsch nach einem Eigenheim, das Ziel, die eigenen Träume zu verfolgen und das Streben nach einer guten Work-Life-Balance. Auch von einer Familie mit Kindern träumt in allen vier Ländern eine Mehrheit, wobei dieser Wunsch in Brasilien und der Schweiz (je 68%) besonders ausgeprägt ist.

3. Karriere: 76% der Brasilianer möchten im Beruf Karriere machen (Singapur: 66%, USA: 62%, Schweiz: 51%). In der Schweiz ist das Private ebenso wichtig wie der Beruf: 88% streben einen spannenden Beruf an, 91% wollen Freunde haben, auf die man sich verlassen kann.

4. Geld: Der Sparwille ist sehr hoch und gegenüber den letzten Jahren sogar leicht angestiegen. Von einer grossen, geschenkten Summe Geld würden die Jugendlichen zwischen 25% (Schweiz) und 37% (USA) auf die Seite legen (Brasilien 34%, Singapur 35%).

5. Schulden: Die amerikanischen und brasilianischen Jugendlichen sind am höchsten verschuldet, jeweils 26% geben an, privat Kredite zu haben (Singapur 17%, Schweiz 4%). Noch weiter verbreitet sind Schulden gegenüber Mobiltelefon-Anbietern: Brasilien 32%, USA 25%, Singapur 22%. Einzig in der Schweiz sind auch solche Schulden recht selten (5%).

6. Nationalstolz: Ist das Verhältnis der Jugend zum Staat historisch betrachtet eher kritisch, so sind die Jungen heute mit Ausnahme von Brasilien (39% gegenüber 47% im Vorjahr) mehrheitlich stolz auf das eigene Land. Besonders ausgeprägt ist der Nationalstolz bei der Schweizer Jugend (83%). In den USA sind 67% stolz auf ihr Land, in Singapur 74%.

7. Politik: Fordert in der Schweiz nur gerade ein Drittel politische Reformen, so sind es in Brasilien 80%, was sich auch jüngst in der nationalen Protestbewegung manifestiert hat. Schweizer Jugendliche sind zwar grundsätzlich zufriedener mit dem politischen System, äussern aber dezidierte politische Meinungen, wenn sie sich direkt betroffen fühlen.

8. Sorgen: Gemeinsam ist den Jugendlichen aller vier Länder die grosse Sorge um Arbeitslosigkeit bzw. Jugendarbeitslosigkeit. In den USA (54%) und in Singapur (42%) ist sie die grösste Sorge überhaupt, in Brasilien (42%) liegt sie an zweiter und in der Schweiz (32%) an dritter Stelle. Ansonsten sind die Sorgen sehr länderspezifisch. In den USA ist die zweitgrösste Sorge der Benzin- und Ölpreis (44%), in Singapur die Inflation bzw. Teuerung (41%). In Brasilien rangiert Korruption an der Spitze (63% gegenüber 50% im Vorjahr), in der Schweiz das Thema Ausländer, Integration und Personenfreizügigkeit (50%).

9. Kommunikation: Das Smartphone hat sich seit Beginn der Untersuchung von einem bestimmenden zum dominierenden Lifestyle-Produkt entwickelt. Hierbei zeichnet sich ein dynamisches Nutzungsverhalten ab, wie die abrupte Verdrängung von SMS durch WhatsApp in der Schweiz eindrücklich zeigt. Zwei Drittel der Jugendlichen kommunizieren hier via den Nachrichtendienst, der auch in Singapur äusserst beliebt ist (69%) – nicht aber in Brasilien (11%) und den USA (4%).

10. Drogen: Ganz klar out sind bei der Jugend in allen vier Ländern Drogen, leistungssteigernde Substanzen und das Rauchen. Bemerkenswert ist jedoch, dass die Schweizer Jugend ein nächtliches Alkoholverkaufsverbot mehrheitlich ablehnt.

Zusammenfassung Schweiz: Die Jugend ist ihrem Land wohlgesinnt
Optimismus und Modernität prägen die Haltung der Schweizer Jugendlichen. Ihre Situation präsentiert sich dank dem Wohlstand und dem dualen Bildungssystem in vielerlei Hinsicht als Sonderfall: Sie sind postmaterieller eingestellt als ihre Altersgenossen, und sie schätzen ihre Chancen, die eigenen Träume zu verwirklichen, weiterhin ausserordentlich hoch ein. In Zukunftsfragen zeigen sich die Jugendlichen aktuell zwar etwas weniger sicher, wobei der Beruf oder die Ausbildung in dieser Phase eine sehr hohe und tendenziell wachsende Bedeutung geniessen. Ob Beruf, Ausbildung oder Familie – wichtig ist, dass die Work-Life-Balance stimmt. Der Mainstream der Schweizer Jugendlichen bleibt stark an der Familie und den Freunden orientiert. Auch sind bei der Schweizer Jugend keine Anzeichen einer Auflehnung im politischen Sinn erkennbar. Das Vertrauen in das Schweizer Staatswesen ist gegeben und sogar tendenziell steigend. Erstmals ist mehr als die Hälfte der Jugendlichen der Ansicht, dass die Politik von Regierung und Verwaltung in entscheidenden Dingen selten versage. Direkt auf die Probleme der Schweiz angesprochen, steigt den Jugendlichen zufolge der Problemdruck insbesondere beim Thema Ausländerinnen und Ausländer, deren Integration und der Personenfreizügigkeit. Wie in den Vorjahren gehören auch die Altersvorsorge (37%) und Arbeitslosigkeit/Jugendarbeitslosigkeit (32%) zu den wichtigsten Problemen.

Nationale Unterschiede
Die Schweizer Jugendlichen streben im Vergleich stärker nach immaterieller Selbstverwirklichung und weniger nach öffentlicher Anerkennung. Es ist ihnen unverändert wichtig, ihre eigenen Träume zu verfolgen und Freizeit und Beruf im Gleichgewicht zu halten. Schweizer Jugendliche sind selbstbewusst, und stolz auf ihr Land. Auch wird das Ansehen des eigenen Landes im Ausland hier am höchsten eingeschätzt. Die Schweizer Jugend wertet als einzige den Umweltschutz als eines der wichtigsten Probleme.

In Brasilien ist weiterhin ein starker Wille zum sozialen Aufstieg über den Beruf mit einer gleichzeitigen Betonung von Solidarität und Umweltfreundlichkeit erkennbar. Auch Religion spielt in Brasilien eine grosse Rolle. Innenpolitische Spannungen dürften den Stolz der brasilianischen Jugend auf das eigene Land beeinträchtigt haben, während sie Tourismus, Kultur oder bevorstehende Grossanlässe für das Ansehen von Brasilien im Ausland als relevant betrachten.

In den USA herrscht zurzeit bei den Jugendlichen insgesamt etwas weniger Zuversicht als in den Vorjahren bezogen auf das Land und die eigene Zukunft. US-Jugendliche nehmen ihr Land als national ausgerichtet wahr und schätzen das Ansehen im Ausland als eher gering ein. Dennoch ist die Mehrheit stolz auf das eigene Land, unabhängig vom Urteil anderer Nationalitäten.

Konformität und Leistungswille sowie Respekt vor dem eigenen Land prägen das Lebensgefühl der Jugend in Singapur. Interessant ist, dass sich die Jugend in Singapur bezüglich ihrer eigenen Zukunft weniger optimistisch äussert als die Jugendlichen in den anderen drei Ländern, gleichzeitig jedoch mehr als drei Viertel vom guten internationalen Ansehen ihres Landes überzeugt sind. Für Singapurs Jugend ist auch das Problemempfinden rund um Migrationsfragen und Ausländer besonders gross.

Das Jugendbarometer 2013 – eine international repräsentative Umfrage
Für das Jugendbarometer 2013 wurden jeweils über 1000 Jugendliche in der Schweiz, in Brasilien, den USA und in Singapur im Alter zwischen 16 und 25 Jahren befragt. Die Umfragen geben Einblicke in Lebensweise, Probleme und Einstellung der Jugendlichen in den vier Ländern. Die Befragung wurde vom Forschungsinstitut gfs.bern in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern zwischen April und Mai 2013 vorwiegend online durchgeführt. Das Credit Suisse Jugendbarometer wird seit 2010 jährlich erhoben, die aktuelle ist die vierte Ausgabe.