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Tourismus Schweiz – Die erfolgreichsten Wintersportdestinationen

Neue Studie der Credit Suisse: Tourismus-Benchmarking für die 31 grössten Schweizer Wintersportorte

Die Credit Suisse hat heute die Studie mit dem Titel «Tourismus Schweiz – Wintersportorte im Wettbewerb» veröffentlicht. Die Ökonomen der Credit Suisse haben für die 31 grössten Schweizer Wintersportdestinationen ein Benchmarking erstellt. Die Studie kommt zum Schluss, dass Zermatt und St. Moritz über das breiteste Angebot verfügen und bezüglich der Nachfrage am erfolgreichsten sind. Auch Gstaad und Engelberg erzielen trotz deutlich geringerem Angebot Spitzenplätze im Nachfrage-Ranking. Davos und Crans Montana zeigen hingegen trotz eines hohen Angebots nur unterdurchschnittlichen Erfolg. Die Fokussierung auf die Qualität und frühzeitige Anpassungsmassnahmen an den Klimawandel sind wichtige Erfolgsfaktoren für die Tourismusbranche. Die Analyse diverser Qualitätsindikatoren zeigt, dass sich die Schweiz in einer guten Ausgangslage befindet.

Das Schweizer Gastgewerbe generierte 2010 eine jährliche Bruttowertschöpfung von rund CHF 12 Mia. und trug damit rund 2,2% zum Schweizer Bruttoinlandprodukt bei. Erwirtschaftet wurde diese Wertschöpfung durch mehr als 182'000 Beschäftigte (Vollzeitäquivalente). Damit ist die Branche nicht nur eine wichtige Einnahmequelle, sondern auch ein wichtiger Arbeitgeber (5,2% der Schweizer Beschäftigung). Die höchsten Anteile an der regionalen Wertschöpfung zeigt der Tourismus in den ländlichen Regionen entlang des Alpenkamms, also in den klassischen Wintersportdestinationen.

Schweizer Tourismuswirtschaft bleibt gefordert
Die Herausforderungen für die Schweizer Wintersportorte sind gross. Trotz des starken konjunkturellen Aufschwungs im Zeitraum von 2005 bis 2008 konnten die Einbrüche der Logiernächte von 1996 und 2001 nicht wettgemacht werden. Insbesondere in der Wintersaison schneidet der wichtigste ausländische Konkurrent Österreich besser ab.

Derzeit belastet der starke Schweizer Franken die Tourismusbetriebe. Gemäss den Berechnungen der Experten der Credit Suisse gibt es zwar einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen den Wechselkurs-Relationen und den Logiernächten von Gästen aus den Nachbarländern und den USA, der Einfluss des Wechselkurses auf die Logiernächteentwicklung ist aber relativ klein. Eine Aufwertung des Schweizer Frankens um 10% führt beispielsweise zu einem Rückgang der Anzahl Logiernächte deutscher Gäste von lediglich 0,8%. Die aktuellen Umsatzrückgänge der Branche werden stärker durch Preissenkungen getrieben als von rückläufigen Gästefrequenzen. Ferner spielt auch die ausländische Konjunkturentwicklung eine entscheidende Rolle.

Topangebot in Zermatt und St. Moritz, vielfältiges Davos
Bei der Auswahl einer Wintersportdestination spielt das vorhandene Angebot für den Gast eine zentrale Rolle. Der Angebotsindex des Tourismus-Benchmarkings systematisiert deshalb die 22 wichtigsten Angebotskomponenten aus den Kategorien Winter- und Sommerinfrastruktur, klimatische und landschaftliche Bedingungen, Unterkunft und Verpflegung sowie Unterhaltung. Die einzelnen Komponenten werden zu einem Gesamtindex zusammengefasst. Über das breiteste Angebot verfügen die international bekannten Destinationen Zermatt und St. Moritz. Sie zeichnen sich durch ein grosses Shoppingangebot, einen hohen Anteil an Luxushotels, zahlreiche Restaurants sowie eine attraktive Sommer- und Wintersportinfrastruktur aus. Davos erzielt Höchstwerte in den Kategorien Unterkunft und Verpflegung sowie Unterhaltung und belegt damit den dritten Rang. Für das gut ausgebaute Mountainbike- und Wanderwegenetz erhält Davos ebenfalls Bestnoten. Das geringste Angebot von den untersuchten Destinationen weisen Hasliberg, Meiringen und Saas-Almagell. Ihr verhältnismässig schmales Angebot beispielsweise bezüglich Unterhaltung, Unterkunft und Verpflegung ist letztlich auch auf deren Grösse zurückzuführen.

Zermatt, St. Moritz und Gstaad verzeichnen die höchste Nachfrage
Um den Erfolg einer Destination zu messen, haben die Ökonomen der Credit Suisse Indikatoren zur Logiernächteentwicklung, zur Bettenauslastung, zu den Zimmerpreisen, zur Diversifikation nach Herkunftsländern, zur Saisonalität, zu den Tagesausgaben und zu den Immobilienpreisen zu einem Nachfrageindex aggregiert. Die höchste Nachfrage verzeichnen Zermatt, St. Moritz und Gstaad. Ihre Betten sind unter anderem überdurchschnittlich ausgelastet und lassen sich teurer verkaufen als in anderen Destinationen. Gstaad und Zermatt verzeichnen zudem eine vergleichsweise geringe Saisonalität. Ihre Anstrengungen, die Saison durch Kultur- und Sportevents zu verlängern, scheinen sich auszahlen. Zu den Erfolgsrezepten des viertplatzierten Engelbergs gehört die Fokussierung auf Outdoor-Sport und auf Familien sowie die starke Präsenz im Fernen Osten. Davos und Crans Montana schneiden in Bezug auf die Nachfrage schlechter ab. Sie leiden unter anderem am starken Rückgang der Hotelbetten. In den vergangenen Jahren mussten zahlreiche Hotels schliessen und sie wurden zu Ferienwohnungen umgebaut. Am Ende der Rangliste befinden sich Val d'Anniviers und Hasliberg.

Positionierung im Qualitäts- statt im Preiswettbewerb
Das Preisbewusstsein der Konsumenten hat auch im Bereich Urlaub markant zugenommen. Punkto Preis hat das Schweizer Gastgewerbe aber schlechte Karten. Vergleichbare Hotellerie- und Gastgewerbeleistungen sind in den vier betrachteten Nachbarländern rund einen Viertel günstiger. Im Qualitätswettbewerb verfügt die Schweiz hingegen über eine grundsätzlich gute Ausgangslage. Während das Luxussegment bezüglich Qualität bereits heute sehr gut positioniert und international ein hohes Ansehen geniesst, haben das Mittelklasse- und das Low-Budget-Segment Nachholbedarf. Der Strukturwandel wird deshalb in den beiden letztgenannten Segmenten weiter zunehmen. Preisbewusste Konsumenten sind zu Abstrichen bezüglich Komfort bereit und erwarten funktionale, aber dennoch saubere und moderne Zimmer. Viele Schweizer Low-Budget-Hotels erfüllen diese Kriterien derzeit nicht. Im Mittelklassesegment sehen die Ökonomen der Credit Suisse ebenfalls Neupositionierungsbedarf. Mittelklassebetriebe müssen entweder versuchen, eine klar definierte Nische wie zum Beispiel Familien- oder Sportferien zu besetzen oder sich deutlicher gegenüber dem Luxus- bzw. dem Low-Budget-Segment abgrenzen.

Destinationssterben in den Voralpen?
Der Klimawandel wird für die Schweizer Wintersportorte auf lange Sicht zur Herausforderung. Die Anpassungsprozesse sind vielfältig. Sie reichen vom Schutz vor Extremwetterverhältnissen bis hin zur Definition einer neuen Strategie und der allfälligen Neubestimmung eines einzigartigen Wettbewerbsvorteils (Unique Selling Proposition). Besonders hoch ist der Anpassungsbedarf in den tiefer gelegenen Destinationen, denn Schnee macht sich in diesen Gebieten zunehmend rar. Die Gäste werden daher für ihre Skiferien vermehrt in die hochalpinen Regionen abwandern. Zwar ist die Sommersaison nicht in Gefahr, mit nur einer Saison dürfte sich aber in den meisten Destinationen die erforderliche Infrastruktur kaum finanzieren lassen. Neue, attraktive Angebote für die Wintersaison sind deshalb von entscheidender Bedeutung. Sollte es den betroffenen Regionen nicht gelingen, den Sprung vom Wintersportort beispielsweise zum Wellness-, Outdoor-Sport- oder Kulturort zu machen, dürfte die Schweiz ein Destinationssterben in den Voralpen erleben, was für die lokale Wirtschaft in diesen Regionen schwerwiegende Konsequenzen hätte. Ein Hindernis auf dem Weg zur Neupositionierung dürfte einmal mehr die fragmentierte Struktur der Destinationen darstellen. Sie erschwert nötige Kooperationen und verunmöglicht oder verzögert Anpassungsprozesse. Die hochgelegenen Skigebiete des Wallis und Graubündens werden neben den Skigebieten in den französischen Alpen zu den Gewinner des Klimawandels gehören.