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Schweizer Wirtschaft 2012: Wachstumsdelle wird ausgewetzt

Wirtschaftsprognosen der Credit Suisse für das Jahr 2012

Die Schweizer Wirtschaft wird 2012 weiter wachsen. Die Ökonomen der Credit Suisse prognostizieren für das nächste Jahr ein Wachstum von 2%. In den kommenden Monaten wird sich das Wachstum zwar abschwächen, diese Verlangsamung ist jedoch in der bestehenden Prognose für 2011 bereits abgebildet (unverändert: 1,9%). Die Prognose für 2012 basiert auf wieder stärkeren Impulsen aus den Exportmärkten und einer weiterhin stützenden Binnenwirtschaft. Trotz einer noch längeren Zeit expansiver Geldpolitik, ist der Inflationsdruck marginal. Die Ökonomen der Credit Suisse veranschlagen die Teuerungsrate 2011 auf 0,3% und diejenige von 2012 auf 1%.

Die Weltwirtschaft hat in der ersten Jahreshälfte 2011 beträchtlich an Schwung verloren. Nebst der Natur- und Nuklearkatastrophe in Japan, waren dafür die bis ins Frühjahr steigenden Energiepreise, die anhaltende Schwäche am US-Immobilienmarkt sowie geldpolitische Bremsmanöver in vielen Schwellenländern und anderen Regionen, so auch der EWU, verantwortlich. Die Querelen um die Erhöhung der US-Schuldenobergrenze, erneute Unsicherheiten um die Solvenz hochverschuldeter europäischer Staaten, die dadurch verschärften Kursrückgänge an den Aktienmärkten sowie Spannungen an den Kreditmärkten haben im August weltweit zu einem markanten Einbruch des Unternehmer- und Konsumentenvertrauens geführt.

Trotz dieser unsicheren Ausgangslage gehen die Ökonomen der Credit Suisse nicht von einem Abgleiten der Weltwirtschaft in eine Rezession aus, sondern von einer anhaltenden, wenn auch in den meisten Industrieländern zögerlichen Fortsetzung des Aufschwungs. Während die zunehmende Steuerlast gerade in einigen unserer Nachbarländer die Wirtschaft bremst, bleibt die Geldpolitik global betrachtet locker und wird sogar noch expansiver. Zudem haben die Energiepreise nachgelassen. Vor allem aber bleibt die Finanzlage des Unternehmenssektors stark und sollte eine graduelle Expansion der Investitionstätigkeit stützen. Kernrisiken in diesem Bild bilden ohne Zweifel die labile Schuldensituation in der EWU und die dadurch verschärfte Anfälligkeit der Banken.

Schweizer Wirtschaft: BIP-Wachstum 2011 entspricht den Erwartungen
Die Schweizer Wirtschaft kann sich der langsameren Gangart der Weltwirtschaft nicht entziehen, zumal der starke Franken die preisliche Wettbewerbsfähigkeit verringert. Hinzu kommt, dass die Turbulenzen an den Finanzmärkten im August auch hierzulande die Konsumenten und Unternehmen verunsichert haben. Zuverlässige Vorlaufindikatoren wie der procure.ch PMI signalisieren seit längerem, dass sich das Wachstum des hiesigen Bruttoinlandprodukts (BIP) in den kommenden Monaten abschwächen wird. Der hohe Wachstumswert des Vorjahres dürfte demnach erwartungsgemäss nicht mehr erreicht werden. Die Ökonomen der Credit Suisse halten daher an ihrer bisherigen Einschätzung fest, dass das BIP-Wachstum 2011 mit 1,9% deutlich schwächer ausfallen wird als 2010 (2,7%).

Exporte: Daten besser als Stimmung
Allen Unkenrufen zum Trotz scheint die Frankenstärke zwar schmerzhaft, aber verkraftbar zu sein. Die bisher vorliegenden Daten lassen erst wenige Spuren der nunmehr einjährigen Überbewertung erkennen: Die Warenexporte nahmen im ersten Halbjahr 2011 nominal um 3,6% zu (real: 10,5%). Damit lag das nominale Warenexportwachstum nur wenig unter dem langjährigen Durchschnittswachstum von gut 5%. Und selbst der wechselkurssensitive Tourismus entwickelte sich mit einem minimalen Rückgang der Logiernächte um 0,2% bisher stabil. Eher den erwarteten Auswirkungen der Frankenstärke entspricht dagegen der Rückgang der Preise der Warenexporte um insgesamt -6,2% inklusive der Pharmasparte bzw. -4,2% ohne diese Produkte im ersten Halbjahr 2011. Offenbar mussten die Exportunternehmen Preiszugeständnisse machen. Auch konnten sich nicht alle Branchen gleich gut behaupten. Die positive Umsatzentwicklung wurde stark getrieben durch die Uhren- und die MEM-Industrie (Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie), während andere Branchen wie die Textilindustrie und die Chemiebranche negative Wachstumsraten verzeichnen.

Der wahre "Stress-Test" für die Schweizer Exportwirtschaft, die massive Aufwertungswelle des Frankens im Juli und im August sowie die jüngste Abkühlung der Weltwirtschaftsdynamik, sind in den bisher publizierten Daten noch nicht berücksichtigt. Zudem dürfte sich die bremsende Wechselkurswirkung erst mit einer zeitlichen Verzögerung einstellen. Dementsprechend vorsichtig veranschlagen die Ökonomen der Credit Suisse das Wachstum der Exporterlöse für 2011 auf 3,5%. Für 2012 gehen sie von einer leichten Beschleunigung aus (+5%). Dem zu Grunde liegen zwei Annahmen: kein Abgleiten der Weltwirtschaft in die Rezession und ein etwas schwächerer Franken.

Konsum: Kaufkraftgewinn dank tiefen Zinsen und billigen Preisen
Der Konsum ist eine solide Säule das Schweizer Wirtschaftswachstum. Dies wird aus mehreren Gründen auch 2012 der Fall sein: Erstens verschaffen die Tiefstzinsen ein Plus an Kaufkraft. Zweitens animieren die günstigen Preise zum Kauf. Drittens gehen von der weiterhin regen Zuwanderung Impulse aus und viertens sollte sich die Arbeitsmarktlage im kommenden Jahr kaum verschlechtern. Auch der Einkaufstourismus dürfte aktuell seinen Höhepunkt erreicht haben. Für 2012 prognostizieren die Ökonomen der Credit Suisse eine Zunahme des privaten Konsums um 1,5% (2011: 1,3%).

Ausrüstungsinvestitionen im Spannungsfeld
Das Umfeld der Ausrüstungsinvestitionen ist geprägt von günstigen Finanzierungsbedingungen, soliden Kapazitätsauslastungen sowie zahlreichen Opportunitäten, die der starke Franken im Einkauf bietet. Bremsend wirken die allgemeine Verunsicherung sowie geschrumpfte Margen. Insgesamt dürften die Ausrüstungsinvestitionen 2012 um 3,5% zunehmen, nach einem Wachstum von 4,4% im laufenden Jahr.

Ungebrochene Bauinvestitionen, Temperaturanstieg am Immobilienmarkt
Die Bautätigkeit in der Schweiz wird auch 2012 zunehmen (CS-Prognose: 1,5%). Die Auftragsbücher sind prall gefüllt, nur Kapazitätsengpässe bremsen eine stärkere Expansion. Trotz ungebrochen reger Wohnbauproduktion ist das Absorptionspotenzial am Markt nach wie vor intakt. Ein baldiger Crash scheint demnach unwahrscheinlich, aber die Preisentwicklung koppelt sich zunehmend von der Einkommensentwicklung ab. Doch ausser den bekannten lokalen Hot Spots und gewissen Tourismusdestinationen kann derzeit nicht von einer flächendeckenden Überbewertung gesprochen werden.

Starker Franken und tiefe Zinsen führen zu schwacher Teuerung
Im Jahresdurchschnitt rechnen die Ökonomen der Credit Suisse mit einer Teuerung von jeweils 0,3% in diesem und 1% im kommenden Jahr. Die jüngste Aufwertung des Schweizer Frankens senkt die Inflation nochmals, was sich darin zeigt, dass sich die Teuerung seit rund einem Jahr um 0,5% bewegt, während im Ausland Teuerungsraten weit über der Grenze der Preisstabilität von 2% zu verzeichnen sind. Offensichtlich wurden die dank Frankenstärke günstigen Importpreise zumindest teilweise weitergegeben. Schätzungen veranschlagen die Weitergabe auf rund ein Drittel des Preisvorteils, wobei der Druck auf die Importeure laufend zunimmt. Zudem wirken sich die wiederholten Zinssenkungen der Nationalbank über den träge reagierenden Referenzzinssatz mietpreissenkend aus, weshalb das milde Teuerungsklima noch eine ganze Weile anhalten sollte. Dies auch, weil die Ökonomen der Credit Suisse in den nächsten zwölf Monaten nicht mit einer Zinsstraffung rechnen.