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Schweizer Branchen 2011: Ruhigeres Fahrwasser nach Berg- und Talfahrt

Credit Suisse veröffentlicht Branchenhandbuch 2011

Die meisten Schweizer Branchen werden sich 2011 weiter erholen, wenn auch in abgeschwächtem Tempo. Exportorientierte Industriebranchen mit einem starken Standbein in den boomenden Schwellenländern wie zum Beispiel die Uhrenindustrie haben die besten Wachstumsaussichten. Auch die Metall-, Maschinen- und Elektroindustrie sowie die Chemie und Pharmabranche dürften 2011 überdurchschnittlich wachsen. Der Franken könnte aber für die Exporteure und vor allem für das Gastgewerbe zur Belastung werden. Die mittelfristigen Perspektiven sind gemäss dem Branchenmodell der Credit Suisse besonders für technologieintensive Branchen überdurchschnittlich. In ihrem aktuellen Branchenhandbuch untersuchen die Ökonomen der Credit Suisse zudem erstmals den Effekt der Kurzarbeit in den unterschiedlichen Branchen. Sie zeigen auf, dass in stark betroffenen Branchen wie der Maschinen- und Metallindustrie die Arbeitslosigkeit ohne Kurzarbeit um bis zu 7 Prozentpunkte höher ausgefallen wäre.

Die Schweizer Wirtschaft hat sich 2010 überraschend schnell und kräftig von der Rezession erholt. Während die Industrie insbesondere von der Erholung des Welthandels profitierte, konnten die binnenorientierten Branchen auf die Zuwanderung und die ausgezeichnete Konsumentenstimmung zählen. Letzterer wiederum kam zugute, dass sich der Arbeitsmarkt erstaunlich robust zeigte. Dazu beigetragen hat auch das arbeitsmarktpolitische Instrument der Kurzarbeit, welches das diesjährige Branchenhandbuch im Rahmen eines Spezialthemas untersucht.

Heterogene Entwicklung der Dienstleistungsbranchen 2011
Die positiven Sonderfaktoren, die zur bisherigen Erholung der Wirtschaft beigetragen haben - wie zum Beispiel fiskalische Stützungsmassnahmen und statistische Basiseffekte - laufen allmählich aus und der Rückgang der Arbeitslosigkeit verliert an Tempo. Auch die Konsumentenstimmung hat sich gegen Jahresende bereits etwas eingetrübt. Binnenorientierte Branchen wie der Detailhandel oder das Autogewerbe werden 2011 zwar weiter wachsen, die Dynamik wird aber etwas nachlassen. Grössere Herausforderungen stellen sich hingegen dem Gastgewerbe, dem die Frankenstärke besonders bei der Nachfrage aus dem Euroraum und Grossbritannien zu schaffen machen wird. Der Grosshandel, die Unternehmensdienstleistungen und die Nachrichtenübermittlung werden sich gemäss den Ökonomen der Credit Suisse überdurchschnittlich entwickeln. Die Aussichten für die Finanzdienstleister sind hingegen stark von den Entwicklungen an den Finanzmärkten abhängig.

Industrie wächst dank Schwellenländern – der starke Franken als Spielverderber
Die Auslandsnachfrage dürfte 2011 stärker zulegen als die Binnennachfrage. Dies begünstigt die exportorientierten Industriebranchen. Besonders Segmente, die ein starkes Standbein in den boomenden Schwellenländern haben, werden überdurchschnittlich zulegen, allen voran die im Jahr 2009 gebeutelte Uhrenindustrie. Auch die Metall-, Maschinen- und Elektroindustrie sowie die Chemie und Pharma werden gemäss den Ökonomen der Credit Suisse 2011 überdurchschnittlich wachsen. Der starke Franken könnte aber für diese Branchen zum Spielverderber werden. Auch wenn die Auslandkonjunktur einen wesentlich grösseren Einfluss auf das Exportvolumen hat als der Wechselkurs, ist ein spürbarer Bremseffekt nicht auszuschliessen. Hält die Frankenstärke an oder wertet sich der Franken gar weiter auf, wird sich der Druck auf die Margen der Exporteure weiter verstärken und Kostensparmassnahmen oder auch Produktionsverlagerungen ins Ausland werden vermehrt geprüft werden. Eine eher verhaltene Entwicklung prognostizieren die Experten der Credit Suisse für die mit strukturellen Problemen kämpfenden Industriebranchen Textil und Bekleidung, Druck und Verlag sowie für die Papierindustrie.

Jeder vierte Arbeitnehmer der Metallindustrie während der Rezession in Kurzarbeit
Die Schweizer Wirtschaft hat die Rezession unerwartet schnell überwunden. Erstaunen löste insbesondere auch die Robustheit des Schweizer Arbeitsmarktes aus; die Arbeitslosigkeit stieg weniger stark an als in früheren Rezessionen. Eine mögliche Erklärung dieses Umstands liefert das Instrument der Kurzarbeit, dank welchem ein stärkerer Abbau von Arbeitsplätzen zumindest kurzfristig verhindert werden konnte. Die Ökonomen der Credit Suisse analysieren im Branchenhandbuch erstmals die Entwicklung der Kurzarbeit nach Branchen. Im Verhältnis zur Branchenbeschäftigung wurde Kurzarbeit am häufigsten in der Metallbranche, der Textil- und Bekleidungsindustrie sowie im Maschinenbau eingesetzt. Im Spitzenmonat Mai 2009 war beispielsweise jeder vierte Metallarbeiter in Kurzarbeit, im Maschinenbau war es jeder fünfte Beschäftigte.

Arbeitslosigkeit in stark betroffenen Branchen um bis zu 7 Prozentpunkte geringer
Die Berechnungen der Ökonomen der Credit Suisse zeigen, dass ohne die Möglichkeit zur Kurzarbeit die Arbeitslosigkeit in den verschiedenen Branchen deutlich höher ausgefallen wäre. In der Textil- und Bekleidungsindustrie hätte die Arbeitslosigkeit 2009 beispielsweise bis auf 17% ansteigen können. Tatsächlich erreichte die Quote aber "nur" einen Wert von 10%. Auch im Maschinenbau und der Metallindustrie hätte die Arbeitslosigkeit ohne Kurzarbeit um etwa 7 Prozentpunkte höher ausfallen können. Zum heutigen Zeitpunkt lässt sich allerdings noch nicht abschliessend beurteilen, ob dank Kurzarbeit Entlassungen tatsächlich nachhaltig verhindert werden konnten. Sicherlich hat aber der ausgeprägt „v-förmige“ Verlauf der Krise mit dem unerwarteten und heftigen Einbruch sowie der ebenso kräftigen Erholung die Wirksamkeit der Massnahme begünstigt. Kurzarbeit wurde zur temporären Überbrückung von Engpässen benutzt und scheint keinen Überhang an strukturell nicht zukunftsfähigen Arbeitsplätzen produziert zu haben. Der Einsatz von Kurzarbeit dürfte ebenfalls dazu geführt haben, dass die Schweizer Unternehmen für die Erholung besser gerüstet waren. Sie mussten weniger stark als zahlreiche ihrer ausländischen Konkurrenten qualifizierte Arbeitskräfte mit wertvollem Know-how entlassen und diese – sobald die Erholung einsetzte – auf einem bereits angespanntem Arbeitsmarkt für Fachkräfte suchen und wieder einstellen.

Chemie und Pharma sowie Medtech und Messinstrumente mittelfristige Spitzenreiter
Mittelfristig sind nicht konjunkturelle, sondern strukturelle Einflussfaktoren für die Entwicklung einer Branche ausschlaggebend. Ein eigens entwickeltes Chancen-Risiko-Modell der Ökonomen der Credit Suisse zeigt die Perspektiven der verschiedenen Branchen über die nächsten drei bis fünf Jahre auf, basierend auf strukturellen Angebotsfaktoren und langfristigen Nachfragetrends. Der resultierende Indikator wird wie in den Vorjahren von der chemisch-pharmazeutischen Industrie, der Medizinaltechnik und den Messinstrumenten sowie von der Uhrenindustrie angeführt (siehe Grafik). Diese Branchen profitieren von der internationalen Spitzenposition der Schweiz in der Forschung und können sich im globalen Wettbewerb profilieren. Die demografische Alterung sowie der weltweit wachsende Stellenwert der Gesundheit versprechen der Pharmaindustrie und der Medizintechnik sowie dem an dritter Stelle liegenden Gesundheitswesen auch in Zukunft eine robuste Nachfrage. Die steigende Arbeitsteilung, Vernetzung und Komplexität von Wirtschaft und Gesellschaft wirkt sich zudem positiv auf die Nachfrage nach Beratungs- und Informatikdienstleistungen aus.

Strukturschwache Branchen mit ungünstigem Chancen-Risiken-Profil
Am Ende der Rangliste befinden sich Branchen, welche mit strukturellen Problemen auf der Angebotsseite zu kämpfen haben. Dazu zählen das Druck- und Verlagswesen, die Textil- und Bekleidungsindustrie, das Gastgewerbe sowie die Landwirtschaft. Diese Branchen müssen sich in den nächsten Jahren weiterhin grossen Herausforderungen stellen und Anpassungen an ein verändertes Umfeld werden unumgänglich sein.

Die Bewertung der mittelfristigen Chancen und Risiken stützt sich auf ein von der Credit Suisse entwickeltes Bewertungsmodell, welches auf 19 Indikatoren von offiziellen Schweizer Statistiken sowie eigenen Prognosen basiert. Die Branchenbewertung ist auf eine Skala von -10 bis +10 skaliert. Eine Branche mit einem hohen Wert wird sich wirtschaftlich nachhaltiger entwickeln als eine Branche mit einem tiefen Wert.