Unternehmen & Unternehmer Erfolgsgeschichten 

Erfolgsgeschichten 

Unternehmer schaffen mit ihrer Leistung Werte und Arbeit. Unternehmer setzen um. Unternehmer bewegen die Schweiz. Unternehmer inspirieren. Als Bank für Unternehmer unterstützen wir sie dabei.

Fuchsstadt und Goldhügel

Silvio Tarchini, Inhaber der Tarchini Group, ist bekannt als Gründer des Factory-Outlet-Centers FoxTown bei Lugano-Mendrisio. Der umtriebige Unternehmer im Porträt.

Mariska Beirne 

Silvio Tarchini steht an einem der hohen Rundbogenfenster seines Luxusresort Collina d’Oro und lässt seinen Blick über die dicht bewaldeten Hügel schweifen, in der Tiefe der glitzernde Lago di Lugano. «Dort unten bin ich zur Welt gekommen. Als Kind ging ich davon aus, dass ich einmal Rechtsanwalt werden würde wie mein Vater, aber ich merkte bald: Das akademische Stillsitzen liegt mir weniger. Ich muss Hebel in Bewegung setzen können, sodass etwas entsteht», sagt er und zeigt mit einer schwungvollen Handbewegung durch den elegant eingerichteten Raum.

Silvio Tarchini, CEO Tarchini Group 

«Man ist Unternehmer oder man ist kein Unternehmer».
Dass Silvio Tarchini zur ersten Gruppe gehört, merkt man schnell. Erfahren Sie vom Gründer von FoxTown, wie er es zu einem der erfolgreichsten Unternehmer des Landes geschafft hat.

Lehrjahre mit Holz und Plastik

Ausserhalb des Tessins ist der Unternehmer vor allem als Gründer des Outlet-Centers FoxTown bekannt. Doch FoxTown ist nur ein Puzzleteil, wenn auch ein wichtiges, im Leben von Silvio Tarchini. Er war erst 21 Jahre alt, als er das Holzbauunternehmen seines Grossvaters übernahm, kurz nachdem dieser gestorben war. «Ich hatte jedoch bald das Bedürfnis, ausserhalb des Betriebs weitere Erfahrungen zu sammeln», konstatiert er. Also arbeitete er in England und Deutschland in unterschiedlichen Holzbetrieben und anschliessend in Mailand in einem Kunststoffunternehmen. «1967 kam ich zurück ins Tessin. Ich war 23 Jahre alt und der Meinung, dass in der Schweiz im Bereich PVC-Verpackungsfolien eine Marktlücke bestehe», erinnert sich Tarchini. Beim Tod seines Grossvaters hatte er etwas Geld geerbt. Damit kaufte er eine kunststoffverarbeitende Firma und gründete ein neues Unternehmen: die Plastar. Im selben Jahr wurde er Kunde der Credit Suisse. Tarchini dazu: «Schon damals fühlte ich mich als Unternehmer bei der Credit Suisse gut aufgehoben, denn ich erwarte von meinem Bankberater, dass er mit dem Unternehmer mitdenkt und mich herausfordert.» 1975 besass der 31-Jährige bereits eine Fabrik von 5000 Quadratmetern Fläche. Doch irgendwie war das alles zu einfach geworden: Silvio Tarchini sehnte sich nach neuen Horizonten. 

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«Schon damals fühlte ich mich als Unternehmer bei der Credit Suisse gut aufgehoben, denn ich erwarte von meinem Bankberater, dass er mit dem Unternehmer mitdenkt und mich herausfordert.»

Kerngeschäft gefunden

Er verkaufte seine Firma und ging mit seiner Frau auf Weltreise, um neue Inspiration zu finden. Speziell Buenos Aires faszinierte ihn, weil er erkannt hatte, dass in der Stadt ein Manko an Büroflächen herrschte. Zufällig ergab sich die Gelegenheit, zwei alte Häuser zu kaufen. Seine Frau und er brachen in Lugano ihre Zelte ab und zogen mit den drei Töchtern nach Argentinien. Er liess ein grosses Bürohaus bauen, um es nach drei Jahren gleich wieder zu verkaufen. Tarchini erklärt: «Ich hatte Tag und Nacht gearbeitet und zum Glück keine Schulden gemacht, sondern mein eigenes Kapital eingesetzt, und alles war gut gegangen. Aber die Inflation von etwa 170 Prozent war mir ein zu grosses Risiko, um hier weitere Geschäfte zu tätigen. So zogen wir zurück nach Lugano.» Mit seinen Erfahrungen als Fabrikant und im Immobiliengeschäft stellte er fest, dass seine Heimatregion Lugano für Industrielle unattraktiv war, weil geeignete Lager und Fabrikationsflächen fehlten. Als Erstes liess er in Mezzovico ein Industriegebäude bauen, und sehr bald verfügte er über ein respektables Immobilienportefeuille.

Schnelligkeit als Markenzeichen

Im September 1994 stiess Silvio Tarchini beim Lesen einer italienischen Zeitung auf einen Artikel über Factory Outlets. Diese Idee fesselte ihn sogleich. Er begann, sich über das Thema kundig zu machen und erfuhr, dass in London Vorträge stattfinden sollten. Er kaufte sich Tickets und flog hin. In London sprach er mit zahlreichen Experten und hörte, dass einen Monat später in Atlanta das Annual Factory Outlet Meeting anstand: «Mit einem meiner Mitarbeitenden reiste ich für eine Woche in die USA. Zurück kamen wir zu dritt, mit an Bord war eine Expertin für Factory Outlets. Sie blieb eine Woche bei uns, erstellte Markt- und Machbarkeitsstudien», erinnert sich Tarchini. Die Resultate waren vielversprechend. Die nächste bedeutende Frage war: Welches würde das wichtigste Ladengeschäft im Outlet sein, die Lokomotive gewissermassen? Nike, stellte sich heraus. Der Sitz von Nike war in Amsterdam, also setzte sich Silvio Tarchini abermals ins Flugzeug. Der Verantwortliche von Nike sagte zu Tarchini, nachdem er den Tessiner Standort begutachtet hatte: «Wenn du es bist, der das macht, dann sind wir mit an Bord.» Die Entwicklung hatte bis hierhin drei Monate gedauert: «Am Ende des Jahres stand mein Entschluss fest: Ich werde ein Factory Outlet Center eröffnen.» Giacomo von Wyl, seit vier Jahren Silvio Tarchinis Kundenberater bei der Credit Suisse, stellt fest: «Dieses systematische Vorgehen bei FoxTown ist typisch für ihn: Wenn er eine neue Idee hat, prüft er erst alles sehr gründlich, um das Risiko zu minimieren und zieht, wenn immer möglich, Experten hinzu. Meine Aufgabe ist es, noch einmal alles mit unseren internen Spezialisten zu prüfen und ihn gegebenenfalls auf zusätzliche Opportunitäten und Risiken aufmerksam zu machen.» Diese Haltung schätzt Silvio Tarchini sehr. Er betont, dass er die Bank für Diskussionen auf Augenhöhe brauche. Zum Glück sei sie genauso schnell wie er, das sei essenziell: «Als Unternehmer muss man seine Ideen rasch umsetzen, davon bin ich überzeugt – zudem entspricht das meinem Naturell.»

Stolz auf viele neue Arbeitsplätze

Es gab noch einige Hürden zu nehmen, bis das Factory Outlet Center FoxTown 15 Monate nach der ersten Idee seine Pforten öffnete. Der von Silvio Tarchini geplante Standort befand sich im Industriegebiet. Mit dem Argument, dass es sich mit den Geschäften in FoxTown gleichsam um eine Art Fabrikverkauf handle, konnte die Gemeinde Mendrisio überzeugt werden. Ein weiteres Problem war der Sonntagsverkauf, denn weltweit sind die Factory Outlets jeden Tag geöffnet. «Ich ging mit meinem Anliegen zu den Behörden nach Bellinzona, und wir fanden eine Lösung: Im Tessin ist die gesetzliche Lage so, dass Geschäfte, die Touristen von Nutzen sind, im Grenzgebiet sonntags geöffnet haben dürfen. Es war also eine Definitionssache», erklärt Tarchini. Gleichzeitig arbeitete er mit den Gewerkschaften einen Gesamtarbeitsvertrag aus. Überzeugend war sein Plan, im damals krisengeschüttelten Tessin 200 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Heute, 20 Jahre nach der Eröffnung, sind aus neun Geschäften 160 geworden und 1300 Menschen arbeiten in FoxTown. «Als ich mit der Credit Suisse zum ersten Mal über meine FoxTown-Idee sprach, stellte mir der Kundenberater sehr viele Fragen. Auch Giacomo von Wyl kann da manchmal recht hartnäckig sein, aber genau das macht für mich eine Bank für Unternehmer aus – zu merken, dass da jemand echt mitdenkt», sagt Tarchini. Von Wyl fügt hinzu: «Silvio Tarchini ist immer sensationell gut vorbereitet. Unsere Inputs kommen von daher neben dem Bankenspezifischen oftmals aus dem Bereich unserer Erfahrungen mit anderen Unternehmern.» Gelegenheiten für solchen Austausch gibt es genügend, denn die Ideen scheinen dem Tessiner nie auszugehen. Eben erst eröffnete er ein Datacenter und ein Gewerbegebäude mit kleinen, möblierten Büros für Start-ups. Im Bau befindet sich eine Residenz mit Alterswohnungen und die neuste Idee, die bis zum Erscheinen dieses Magazins wohl bereits umgesetzt sein wird, ist eine Parkgarage für Classic Cars. Darauf angesprochen, ob er noch Träume hege, die er verwirklichen möchte, überlegt Silvio Tarchini einen Moment lang und meint trocken: «Nein. Ich realisiere meine Träume laufend.»

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