Mélanie Eppenberger Verwaltungsratspräsidentin Toggenburg Bergbahnen AG CS Unternehmer Erfolgsgeschichte

Toggenburg Bergbahnen AG: «Wir setzen auf die Qualität der Region»

Wie lässt sich die risikoreiche Unternehmung einer Bergbahn langfristig planen? Mélanie Eppenberger, Verwaltungsratspräsidentin der Toggenburg Bergbahnen, über die Vision hinter den jüngsten Investitionen, ideale Finanzierungslösungen und wie sie der Wetterabhängigkeit des Geschäfts entgegenwirkt.

Frau Eppenberger, Sie kennen die Toggenburg Bergbahnen auch aus Sicht der Geschäftsleitung, die Sie vor ein paar Jahren ad interim 18 Monate lang ausübten. Weshalb wollten Sie die Geschäftsleitung nicht beibehalten?

Mélanie Eppenberger: Es war von Anfang an ein befristeter Einsatz, um diesen wichtigen Posten ohne Eile neu besetzen zu können. Ich durfte in dieser Zeit wertvolle Erfahrungen sammeln. Doch meine Leidenschaft gilt nicht in erster Linie dem operativen Geschäft: Ich plane und entwickle gern Konzepte und begeistere mich für die langfristigen Strategien und Visionen unserer Unternehmung. Daher ist das Verwaltungsratspräsidium genau der richtige Ort für mich.

Mélanie Eppenberger, Verwaltungsratspräsidentin der Toggenburg Bergbahnen 

Wie führt man eine Bergtourismus-Unternehmung erfolgreich in die Zukunft? Mélanie Eppenberger, Verwaltungsratspräsidentin der Toggenburg Bergbahnen über das Gipfelrestaurant von Herzog & de Meuron auf dem Chäserrugg und die Erwartungen an die Credit Suisse als Finanzpartner. 

Dazu gehören auch grössere Investitionen wie etwa das neue Gipfelgebäude der Stararchitekten Herzog & de Meuron, das wie ein riesiger Holzstall auf dem Chäserrugg schwebt. Was möchten Sie mit dieser Architektur zum Ausdruck bringen?

Das Gebäude steht in engem Dialog mit seiner Umgebung: Viel Licht und Raum auf der einen und Schutz bietende Nischen auf der anderen Seite. Mit dem schlichten, naturbelassenen Holzbau lehnen wir uns dabei gezielt an die traditionellen Bauernhäuser und Ställe im Toggenburg an. Im Vergleich zu anderen Wintersportgebieten blieb die wunderschöne Toggenburger Landschaft bisher grösstenteils unverbaut und lebt von den hier stark verwurzelten Menschen und ihren Traditionen. Wir setzen auf die Qualitäten der Region, um einen kultur- und naturnahen Tourismus zu gewährleisten. Wer zu uns kommt, soll Ruhe und Erholung finden. Die Architektur des Gipfelgebäudes vereint all diese Botschaften. 

Schwebender Stall: Die Seilbahn dockt direkt beim neuen Gipfelrestaurant von Herzog & de Meuron auf dem Chäserrugg an.

Schwebender Stall

Die Seilbahn dockt direkt beim neuen Gipfelrestaurant von Herzog & de Meuron auf dem Chäserrugg an.

Welche strategischen Überlegungen stecken sonst noch hinter den jüngsten Erneuerungen?

Herzog & de Meuron haben nebst dem Gipfelgebäude auch die drei Stationen einer neuen Gondel-Bahn gebaut. Diese ermöglicht eine zweite Erschliessungslinie des Chäserrugg. Wir investieren grundsätzlich in Projekte, die der Wetterabhängigkeit unseres Geschäftes entgegenwirken und die Erlebnisqualität im Gebiet verbessern.

Lässt sich das Geschäft einer Bergbahn überhaupt langfristig planen?

Die Wetterabhängigkeit ist für uns tatsächlich die grösste Herausforderung. Hier stellt sich die Frage, wie wir die Auslastung unter der Woche und an Schlecht-Wetter-Tagen erhöhen können. Eine Massnahme besteht darin, das Gruppengeschäft auf Reservation zu fördern.

Wie gehen Sie mit dem stagnierenden Skifahrermarkt um?

Ein Kernelement unserer Strategie fusst auf dem Berg Chäserrugg selbst, der über eine aussergewöhnliche Topographie verfügt: ein Gipfel mit einer flachen Spitze. Ein eimaliges Ereignis im Alpenraum und zudem der einzige der imposanten Kurfirsten, der erschlossen ist. Der Chäserrugg begeistert daher sowohl Skifahrer, als auch Wanderer. Mit unseren Investitionen wollen wir eine neue Art des Skifahrens anbieten: weniger Geschwindigkeit und Frequenz, dafür mehr Naturerlebnis, Genuss und Erholung. Zudem zielen unsere Projekte nicht nur auf die Wintersaison, sondern fördern verstärkt den Sommerbetrieb. Man könnte auch von einer Diversifizierung der Sportarten reden, um ein Klumpenrisiko zu vermeiden.

Was reizt Sie an dieser eher risikoreichen Branche besonders?

Aus unternehmerischer Sicht fasziniert es mich, Visionen ökonomisch erfolgreich in die Tat umzusetzen. Dabei ein Team zusammenzubringen und zu erleben, wie die Leute plötzlich die Vision verstehen und mitziehen, ist für mich eine grosse Genugtuung. Die branchenspezifischen Faktoren sind sicher eine zusätzliche Herausforderung. Die Aufgabe verlangt Geduld, Überzeugungsarbeit und Durchsetzungsvermögen.

Das tönt nach Nerven aus Stahl. Braucht es die?

Wer wegen einer schlechten Saison den Mut oder gar den Schlaf verliert, sucht sich wohl besser eine andere Branche. Die Ruhe zu bewahren und die langfristigen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren, sind für meinen Job von zentraler Bedeutung. Und ich kann sehr hartnäckig sein (lacht). Steht ein Entscheid einmal fest, ziehe ich den durch.

Für die Finanzierung des Gipfelgebäudes und der Stöfeli-Bahn waren noch andere Banken im Rennen. Warum haben Sie sich für die Credit Suisse entschieden?

Es war von Anfang an eine Partnerschaft auf Augenhöhe mit einem ebenbürtigen Professionalisierungsgrad. Wir legten einen detaillierten 400-seitigen Businessplan vor, woraus die Kundenberater der Credit Suisse die richtigen Schlüsse ziehen konnten. Ausserdem kann uns die Credit Suisse alles aus einer Hand anbieten. Je nach Bereich, sei es Zahlungsverkehr, Finanzierung oder Aktien, stehen uns die entsprechenden Spezialisten zur Verfügung. Die Credit Suisse hat unsere Bedürfnisse dabei am besten erkannt und uns in kürzester Zeit mit einem attraktiven Gesamtfinanzierungsplan überzeugt.

Wie lauten diese Bedürfnisse konkret?

Dazu gehören fundierte Branchenkenntnisse einschliesslich der branchenspezifischen Risikofaktoren, den sogenannten drei Ws: Winter, Wetter und Währung. Bergbahnen betätigen Grossinvestitionen mit einer langen Lebensdauer und funktionieren aufgrund der saisonalen und wetterabhängigen Schwankungen mit besonderen finanziellen Kennzahlen, unter anderem einem branchenspezifischen Verschuldungsgrad. Dieses Verständnis muss vorhanden sein und in die Analyse integriert werden. Weil die Kundenberater der Credit Suisse das Geschäft so gut verstanden haben, konnten sie uns sehr spannende Lösungen aufzeigen. Lösungen, die uns zum Teil überrascht haben, wie etwa der Leasingvorschlag für die Bergbahn.

Welche Vorteile bringt Ihnen das Leasing?

Leasing ermöglicht eine hundertprozentige Finanzierung über eine sehr lange Laufzeit. Das ideale Setting für eine Grossinvestition wie die einer Bergbahn. Im Unterschied zur Drittfinanzierung wechseln beim Leasing weder Investoren noch Konditionen oder Zinssätze. Das schafft Sicherheit und Stabilität.

Gab es weitere branchenspezifische Herausforderungen, die eine kreative Lösung erforderten?

Die finanziellen Bedürfnisse einer Bergbahn sind im Winter nicht dieselben wie im Sommer und können auch innerhalb einer Saison von Monat zu Monat variieren. Die Vielseitigkeit der Credit Suisse zeigte sich auch bei der Umlaufvermögensfinanzierung. Der flexible Ansatz ermöglicht, die in unserer Branche saisonal bedingten Umsatz-Schwankungen optimal auszugleichen.

Wie wichtig ist für Ihr Unternehmen eine langfristige Zusammenarbeit mit der Bank?

Aufgrund der Saisonalität unseres Geschäftes ist eine langfristige Zusammenarbeit von zentraler Bedeutung. Der langfristige Ansatz kommt am Deutlichsten beim Leasing-Vertrag zum Ausdruck. Grossinvestitionen wie eine neue Bergbahn benötigen Zeit, bis sie ökonomisch Früchte tragen. Ausserdem kann es zu unerwarteten Verzögerungen kommen, wie etwa dem Warten auf die Baubewilligung. Da braucht es einen Partner wie die Credit Suisse, der sich mit uns ins selbe Boot setzt und gemeinsam in dieselbe Richtung rudert.