Vorsorge bei Teilzeitarbeit: Unternehmer in der Verantwortung

Vorsorge bei Teilzeitarbeit: Unternehmer in der Verantwortung

Mehr als jeder Dritte in der Schweiz arbeitet Teilzeit, darunter immer mehr Männer. Gerade für Arbeitnehmer mit geringen Arbeitspensen und tiefen Einkommen können im aktuellen Vorsorgesystem beträchtliche Deckungslücken entstehen. Es gilt, rechtzeitig zu informieren und entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen.

Teilzeitarbeit ist in der Schweiz stark verbreitet, insbesondere bei Frauen. Rund 60 Prozent arbeiten mit einem reduzierten Arbeitspensum, bei den Männern sind es erst gute 15 Prozent. Seit Anfang der Neunziger Jahre beobachtet man aber auch bei den Männern eine steigende Tendenz, die inzwischen alle Altersgruppen erfasst hat. Das Streben nach einer besseren Work-Life-Balance oder neue Rollenverteilungen in der Familie, bei welchen zum Beispiel beide Partner ihr Arbeitspensum leicht reduzieren, um die Kinder zu betreuen, sind dabei wichtige Treiber. Ins Auge sticht auch der Anstieg der Teilzeitarbeit bei jungen Erwerbstätigen beider Geschlechter. Einen Erklärungsgrund stellt hier die Verlängerung der Ausbildungsdauer dar. Oft gehen Jugendliche neben dem Studium einer Beschäftigung auf Teilzeit- oder befristeter Basis nach.

Teilzeitarbeit als Risiko

Aus vorsorglicher Sicht ist die zunehmende Verbreitung von Teilzeitarbeit und anderen flexiblen Arbeitsformen, wie temporären Stellen, mehreren Teilzeitjobs bei unterschiedlichen Arbeitgebern, Freelance-Tätigkeiten, nicht unbedenklich. Über drei Viertel der im Rahmen der Credit Suisse Studie befragten Pensionskassenvertreter bezeichneten solche Arbeitsmodelle als eine der grössten gesellschaftlichen Herausforderungen für das Schweizer Altersvorsorgesystem. Teilzeitarbeit schmälert das Einkommen und damit die Beiträge an die 1. und 2. Säule sowie später deren Leistungen. In der beruflichen Vorsorge haben insbesondere die Eintrittsschwelle und der Koordinationsabzug nachteilige Folgen für Teilzeitarbeitende. Wer in solchen Arbeitsverhältnissen tätig ist, läuft also Gefahr, ohne zusätzliche private Vorsorge, wie Sparen in der Säule 3a, nicht genügend für das Alter vorsorgen zu können.

Kleine Einkommen

Nur wer bei einem Arbeitgeber einen Jahreslohn von mehr als 21'150 Franken bezieht, untersteht gemäss aktuell geltendem Recht der obligatorischen beruflichen Vorsorge. Zur Bestimmung des versicherten Lohns wird zudem vom Jahreslohn ein Betrag abgezogen. Dieser sogenannte Koordinationsabzug beläuft sich derzeit auf 24'675 Franken und ist auch bei einer Teilzeitanstellung fix. Vorsorgeeinrichtungen können in ihrem Reglement zwar je nach Beschäftigungsgrad einen geringeren Abzug festsetzen oder den gesamten Lohn versichern, sie sind allerdings gesetzlich nicht dazu verpflichtet. Verdient also ein Arbeitnehmer mit Vollzeitpensum 100'000 Franken, verbleiben nach Abzug des Koordinationsabzugs 75'325 Franken als versicherter Lohn. Arbeitet diese Person hingegen zu einem reduzierten Arbeitspensum von 40 Prozent und verdient 40'000 Franken, dann beträgt der versicherte Lohn lediglich 15'325 Franken. Wie dieses Fallbeispiel zeigt, führt der Koordinationsabzug dazu, dass sich Teilzeitanstellungen stark auf die an die 2. Säule auszurichtenden Beiträge und somit auf das angesparte Alterskapital auswirken. Der negative Effekt fällt bei tieferen Löhnen dabei stärker ins Gewicht. Einbussen ergeben sich auch im Fall von mehreren Teilzeitjobs. Wenn jemand beispielsweise eine Erwerbstätigkeit bei drei verschiedenen Arbeitgebern nachgeht, insgesamt 40'000 Franken, bei keinem dieser Anstellungsverhältnisse jedoch mehr als 20'000 Franken verdient, dann ist keiner der drei Arbeitgeber verpflichtet, diesen Arbeitnehmer zu versichern. Übersteigt aber der Gesamtbetrag aller Einkommen die Eintrittsschwelle von 21'150 Franken (in diesem Fall 40'000 Franken), kann sich der Arbeitnehmer bei der gesamtschweizerischen Auffangeinrichtung freiwillig versichern lassen. Die Problematik des Koordinationsabzugs ist auch im Rahmen der Reform «Altersvorsorge 2020» thematisiert worden. Dieses Reformpaket wurde allerdings am 24. September vom Schweizer Volk verworfen. Der nachteilige Effekt des Koordinationsabzugs bleibt demnach vorerst bestehen.

Beispiel Teilzeitanstellung

Lohn bei Vollzeitanstellung

100000 CHF        

Beschäftigungsgrad

40%        

Effektiver Lohn

40000 CHF       Versicherter Lohn: 40'000-24'675* = 15'325
         

* Geltender Koordinationsabzug 2017

Beispiel Anstellung bei mehreren Arbeitgebern

Lohn 1 20000 CHF      

Versicherter Lohn 1 = 0

Lohn 2

10000 CHF      

Versicherter Lohn 2 = 0

Lohn 3

10000 CHF      

Versicherter Lohn 3 = 0

Total Einkünfte

40000 CHF      

 

         

Keiner der drei Löhne übersteigt einzeln betrachtet die Eintrittsschwelle von 21‘150 (kein Arbeitgeber ist verpflichtet, diesen Arbeitnehmer zu versichern)

         

Da aber der Gesamtbetrag der drei Einkommen die Eintrittsschwelle übersteigt, kann sich der Arbeitnehmer bei der Auffangeinrichtung freiwillig versichern lassen (40‘000 > 21‘150)