Schweizer Wirtschaft: beginnende Erholung der Konjunktur der Schweiz

Vollständige Erholung der Schweizer Wirtschaft braucht noch Zeit.

Die Schweizer Wirtschaft ist durch die Corona-Krise eingebrochen. Nach der Lockerung des Lockdowns zeigt die Konjunktur der Schweiz nun bereits erste Zeichen der Erho­lung. Bis zur vollständigen Regeneration ist jedoch Geduld gefragt.

Schweizer BIP bricht ein, die Haushalte sparen

Im ersten Quartal 2020 hat das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz im Vergleich zum Vorquartal um 2,6 Prozent abgenommen. Dies ist der stärkste Einbruch seit Beginn der Erhebung im Jahr 1980. Dennoch präsentiert sich die finanzielle Lage der meisten Haushalte Ende Mai besser, als es der Wirtschaftseinbruch erwarten lässt. Denn der Lockdown führte zu einem zurückhaltenden Konsum: Im ersten Quartal 2020 gingen die privaten Konsumausgaben im Vergleich zum Vorquartal um 3,5 Prozent zurück. Im zweiten Quartal dürfte der Einbruch sogar noch stärker ausfallen. Demzu¬folge konnten viele Haushalte während dieser Zeit Geld sparen.

Die Sparquote, welche die Ersparnisse ins Verhältnis zum Einkommen setzt, stieg von rund 13 Prozent auf 22 Prozent und erreicht einen historischen Höchststand. Die Credit Suisse geht davon aus, dass die Haushalte in den kommenden Monaten rund 5,5 Milliarden Schweizer Franken ihrer Ersparnisse wieder ausgeben werden. Dadurch machen sie rund die Hälfte des Konsumeinbruchs wett.

Konjunktur Schweiz: Sparquote erreicht historischen Höchststand

Konjunktur Schweiz: Sparquote erreicht historischen Höchststand 

Quellen: Bundesamt für Statistik; ab 2019: Schätzungen Credit Suisse

Vollständige Erholung des Konsums braucht Zeit

Bereits kurz nach der Lockerung des Lockdowns deuten Indikatoren auf eine erste Erholung des Konsums in der Schweiz hin. So konnte zum Beispiel der Einkaufs-managerindex (PMI) für den Dienstleistungssektor rund zwei Wochen nach dem zweiten Lockerungsschritt bereits knapp die Hälfte seines Einbruchs von März und April wettmachen.

Es ist jedoch davon auszugehen, dass der zweite Teil der Erholung deutlich langsamer vonstattengehen wird. Denn erstens ist das physische Angebot in Läden und Geschäf¬ten nach wie vor beschränkt; zweitens trübt die Angst vor Ansteckungen und dem Verlust des Arbeitsplatzes die Konsumentenstimmung; und drittens verlangsamt sich die Zuwanderung in die Schweiz als Folge von geschlossenen Grenzen und weniger Neueinstellungen. Die Credit Suisse geht somit im laufenden Jahr von einem Rückgang des privaten Gesamtkonsums um 2,1 Prozent aus.

Exporte sinken nicht in allen Branchen der Schweizer Wirtschaft

Bei den Aussenhandelszahlen gibt es markante Unterschiede zwischen den Branchen. Gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) nahmen die gesamten Schweizer Warenexporte im ersten Quartal um 3,4 Prozent zu, obwohl die Exporte der Industrie¬branchen deutlich nachgaben. Dies ist dem hohen Gewicht des Pharmasektors und dessen geringer Konjunktursensitivität zu verdanken.

Die Warenexporte unterliegen starken branchenspezifischen Unterschieden

Markante Branchenunterschiede bei den Warenexporten

Entwicklung der Warenexporte gegenüber Dezember 2019 nach Branchen, saisonbereinigte Warenwerte

Quellen: Eidgenössische Zollverwaltung, Credit Suisse

Für die meisten Exportbranchen dürfte der Tiefpunkt bald erreicht sein. Denn die Entwicklung der Ausfuhren der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie in die Länder, welche die Corona-Restriktionen schon vor einiger Zeit lockern konnten, lassen auf eine baldige Stabilisierung in Europa hoffen. Der globale Handel dürfte aber noch länger unter der gedämpften Nachfrage und den eingeschränkten Transportkapazi­täten leiden. Das BIP der Schweiz wird davon jedoch weniger beeinflusst, als der Exportrückgang erwarten lässt, denn auch die Importe – sowohl bei Konsumgütern als auch im Industriesektor – sind rückläufig.

Investitionen dürften bald Boden finden

Für Unternehmen galt es, während des Lockdowns alle nicht unmittelbar notwendigen Investitionen zu stoppen. Infolgedessen haben die Ausrüstungsinvestitionen im ers¬ten Quartal um 4 Prozent abgenommen und werden gemäss Einschätzungen der Credit Suisse im zweiten Quartal weiter sinken. Im Zuge der Lockerung dürfte jedoch eine Entspannung einsetzen. Darauf schliessen lassen die Bodenbildung des PMI für den Schweizer Industriesektor kurz nach der Lockerung und die Entwicklung des Industrie-PMI in Asien, wo der Lockdown schon länger zurückliegt.

PMI Industrie deutet Entspannung der Konjunktur der Schweiz an

PMI Industrie deutet Entspannung der Konjunktur der Schweiz an

PMI > 50 = Wachstum; Ausrüstungsinvestitionen gegenüber dem Vorjahr, real

Quellen: procure.ch, Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), Prognosen Credit Suisse

Erholung der Schweizer Wirtschaft verlangsamt sich

Mit der Lockerung des Lockdowns beginnt sich die Schweizer Wirtschaft unmittelbar zu erholen. Nach einem anfänglichen Aufbäumen wird die Regeneration aber wohl eher schleppend verlaufen. Angesichts der immer zahlreicheren Silberstreifen am Horizont schätzt die Credit Suisse den Einbruch des BIP der Schweiz im Jahr 2020 auf vergleichs¬weise tiefe 4 Prozent. Dennoch gehen die Experten davon aus, dass die Erholung 2021 nicht kräftig genug sein wird, um das BIP vor dem Jahresende wieder auf Vor¬krisenniveau steigen zu lassen.