Unternehmerinterview mit Marc André Cornu, Leiter Cornu-Gruppe

Nachgefragt bei Marc-André Cornu

Schon im Alter von zehn Jahren wusste Marc-André Cornu, dass er Bäcker und Patissier werden wollte: «Heute bewundere ich das Metier immer noch, leider übe ich es kaum mehr selber aus.» Aber als Unternehmer hatte er das Glück im Laufe seiner Karriere viele – sehr viele andere Dinge zu tun. Er hat Fabriken gebaut, Maschinen entwickelt und Unternehmen verkauft. Er ist überzeugt: Die Kreation – das Erschaffen von etwas Neuem ist es, was Unternehmer antreibt.

Was bedeutet es Unternehmer zu sein?

Während meiner Karriere habe ich viel sowie hart gearbeitet und auch Opfer gebracht. Es braucht eine klare Vision, das Gespür für den richtigen Moment und die Fähigkeit Entscheide zu fällen – dann auch Glück.

Sind Sie mutig?

Mut ist ein Teil des Unternehmertums. Ein Unternehmer muss die Grenze zwischen Mut und Übermut kennen. Ist Nichtstun risikoreicher als etwas zu wagen? Nehme ich das Risiko in Kauf, auch wenn das Resultat nicht hundertprozentig kalkulierbar ist?

Wie treffen Sie Entscheide?

Teils entscheide ich innert 2 Minuten. Dies im Vertrauen auf mein Wissen, wie es der Firma geht, wohin der Markt sich bewegt. Der Entscheid, dass wir in der EU produzieren hat zwischen 24 bis 48 Stunden gedauert. Das Abwägen, wohin wir expandieren, war ein längerer Prozess. Aber jeder muss seine Erfahrungen selbst machen und eigene Instrumente entwickeln, die ihn im Alltag unterstützen.

Welches war Ihr einschneidendster Entscheid?

Das Bedürfnis in der EU zu produzieren war gross und nach der Eröffnung unseres Produktionsstandortes in Frankreich wollten wir auch in Osteuropa starten, da dort die Rahmenbedingungen verheissungsvoll erschienen. Im Rückblick funktionieren Frankreich und Rumänien beide gut, es war also richtig die Risiken einzugehen. Als Unternehmen haben wir seriös analysiert. Als Unternehmer habe ich intuitiv entschieden.

Wie sah die Evaluation konkret aus?

Zuerst wollten wir die Produktion in Polen starten. Ein Freund hat mir aber empfohlen mich in Rumänien umzuschauen – wobei ich bis dahin nicht das beste Bild des Landes hatte. Rational waren die Voraussetzungen in Polen und Rumänien sehr ähnlich. Deshalb entschied ich, mir vor Ort einen Eindruck zu verschaffen. Zu einem bestimmten Zeitpunkt kann man nicht mehr herumstudieren. Irgendwann muss man entscheiden.

Was ist bei Expansionsplänen die Herausforderung?

Beim Schritt über die Grenze muss man sich der Unterschiede der verschiedenen Märkte bewusst sein, sich ein Bild verschaffen und andere Kulturen sowie Mentalitäten akzeptieren. Die Schweiz ist nicht der Nabel der Welt. An der Grenze ist nicht plötzlich Schluss. Wären wir nur in der Schweiz geblieben, hätten wir heute grosse Probleme. Jedes Unternehmen hat eigene Herausforderungen, wobei heute 85 Prozent unseres Umsatzes aus dem Ausland stammen. Das Fazit: Die Expansion ins Ausland war ein wichtiger Entscheid.

Welche Rolle spielen Risiken in der Firmengeschichte?

Mein Grossvater hat damals 1934 ohne Geld aber dafür mit viel Überzeugungskraft und Unterstützung der Bank ein Gebäude gekauft und die Bäckerei gegründet. In der Ära meines Vaters war 1962 mit der ersten automatischen Produktion eine wichtige Etappe und 1985 war die Investition in die neue Fabrik ein Risiko. Die grössten Schritte meinerseits waren die Eröffnung der Fabrik in Frankreich 1990 und damit die Entscheidung, erstmals im Ausland zu produzieren und dann 2016 der Bau in Rumänien. Für mich persönlich ist Risiko immer mit Investitionen verbunden; sprich dann, wenn die Frage im Raum steht: Gebe ich Geld aus oder nicht?

Welche Erfahrungen geben Sie der nächsten Unternehmergeneration weiter?

Sich der möglichen Probleme bewusst zu sein und zu wissen, dass es auch Niederlagen geben wird. Die Kraft, diese einzugestehen, zu analysieren und sehr schnell wieder aufzustehen. Als Unternehmer muss man auch Nein sagen können, einen anderen Weg gehen oder auch etwas abbrechen können – eben seine Linie fahren. JA sagen ist immer sehr einfach. Ein NEIN auszusprechen hingegen ist sehr viel schwieriger. Genau dies muss ein Unternehmer aber tun können, selbst wenn Nein-Sager nicht beliebt sind.

Wenn es etwas gibt, das Sie heute anders machen würden, was wäre das?

Ich bedaure keinen Entscheid und bereue keinen Moment. Damals bei der Berufswahl habe ich aufgrund der aktuellen Situation so entschieden. Heute, unter anderen Umständen würde ich eventuell das Gleiche machen, vielleicht auch nicht. Ich habe beruflich nie etwas bedauert und für meine Ideen kämpfe ich bis zum Ende. Ich kann auch sehr hart sein – was für ein Gegenüber fordernd und nicht einfach ist.

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