Unternehmen Zentralschweiz: So entwickelt sich die Wirtschaftslage

Unternehmen in der Zentralschweiz gut gerüstet 

Die Zentralschweiz ist einer der attraktivsten Wirtschaftsstandorte der Schweiz. Mit tiefer Steuerbelastung, einem grossen Fachkräftereservoir und vielerorts guten Verkehrsverbindungen bieten die Kantone optimale Voraussetzungen für Firmensitze. Erfahren Sie, wie sich die Unternehmen der Zentralschweiz in den letzten Jahren entwickelt haben.

Wirtschaftslage der Zentralschweiz ist robust

Die Wirtschaftsstruktur der Zentralschweiz variiert je nach Kanton stark. Während Uri, Obwalden und Nidwalden von der Landwirtschaft sowie Hotellerie, Gastronomie und Industrie geprägt sind, dominiert in Zug und Luzern der tertiäre Sektor. In der von Eurokrise und Frankenschock geprägten Zeit erwies sich die Wirtschaftsstruktur der Zentralschweiz als resistent und konnte zwischen 2012 und 2017 ein überdurch­schnittlich starkes Beschäftigungswachstum von über 7 Prozent verbuchen.

Die Sektoren Landwirtschaft und Industrie verzeichneten zwar Beschäftigungs­rück­gänge. Dies wurde durch Zuwächse in anderen Sektoren, wie Unternehmensdienst­leistungen, jedoch mehr als kompensiert. Der Beschäftigungsrückgang in der Industrie fiel zudem dank weniger konjunktursensitiver Hightech-Branchen nicht so stark aus wie im Schweizer Mittel. Absolut sind die meisten Stellen im Kanton Luzern entstanden. Der Kanton registrierte ein Plus von 11’500 Stellen, was einem Wachstum von 6,5 Prozent entspricht. Prozentual lag Zug mit einem Wachstum von 10 Prozent vorne.

Zentralschweizer Dienstleistungssektor ist Wachstumstreiber

In der Zentralschweiz gilt der Dienstleistungssektor als Wachstumstreiber

Beschäftigungswachstum 2012–2017, Wachstumsbeiträge in Prozentpunkten

Quelle: Bundesamt für Statistik, Credit Suisse

Zentralschweiz verzeichnet eine rege Gründungstätigkeit

Ein Blick auf die Unternehmensdemografie zeigt, dass von Januar 2018 bis Sep­tember 2019 fast 10’700 neue Firmen ins Handelsregister eingetragen wurden, während 980 Unternehmen Konkurs gingen – das ist im nationalen Vergleich eine unterdurch­schnitt­liche Konkursrate. Zu den Top-5-Branchen für Neugründungen zählen Unter­neh­mens­beratung sowie Hauptsitztätigkeiten, Finanzdienstleistungen, die IT-Branche, das Immobilienwesen und der Grosshandel. 40 Prozent der Neueintragungen fanden im Kanton Zug statt.

Auch unter Jungunternehmern boomt die Gründungstätigkeit. Eine Analyse der Plattform Startupticker.ch aus dem Jahr 2018 zeigt, dass Start-ups schweizweit präsent sind. Insgesamt sind die meisten Start-ups zwar in Zürich angesiedelt. Wird jedoch an der Anzahl pro Einwohner gemessen, weist der Kanton Zug die höchste Start-up-Dichte auf.

Attraktive Rahmenbedingungen verhelfen Zug zur schweizweit höchsten Start-up-Dichte

Anzahl zwischen 1995 und 2017 gegründeter Start-ups, absolut und pro 10’000 Einwohner (Stand 2018), nach Kanton

Quelle: Crunchbase, HEC Lausanne und Startupticker.ch (Swiss Startup Radar 2018/2019), Bundesamt für Statistik, Credit Suisse, Geostat

Tourismusbranche in der Zentralschweiz wächst

Die Tourismusbranche, in der Zentralschweiz ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, hat in den letzten Jahren im nationalen Vergleich stark zugelegt. Das liegt zum einen an der hohen Attraktivität der Tourismusstandorte. Zum anderen profitiert die Branche von der ver­stärkten Ausrichtung auf das Hochpreissegment, das gute Wachstumschancen bietet.

Die Logiernächte stiegen zwischen 2013 und 2018 von rund 3,8 auf 4,3 Millionen an, was einem Plus von 13,8 Prozent entspricht. Haupttreiber war aufgrund seiner Grösse der Kanton Luzern mit einem Wachstum von 18,9 Prozent. Nidwalden verzeichnete dank der Eröffnung des neuen Bürgenstock Resorts sogar ein Wachstum von 61,8 Prozent.

Zentralschweizer Tourismusgebiete verzeichnen steigende Logiernächte

Logiernächte in Hotels und Kurbetrieben, Index 2010 = 100

Quelle: Bundesamt für Statistik, Credit Suisse

Kantone der Zentralschweiz planen Senkung der Unternehmenssteuer

Mit der 2019 angenommenen Unternehmenssteuerreform ist der Wettbewerb um den attraktivsten Standort neu entfacht. Um einer Abwanderung der Statusgesellschaften nach Abschaffung der privilegierten Besteuerung entgegenzuwirken, sind auch die Zentralschweizer Kantone gefordert, ihre steuerliche Attraktivität zu erhalten.

Daher will die Mehrheit der Zentralschweizer Kantone ebenfalls die ordentlichen Unter­nehmenssteuersätze reduzieren. Eine weitere Strategie für den Attraktivitätserhalt ist die Einführung neuer Steuerinstrumente zur Förderung innovativer Tätigkeiten, die auch im Ausland anerkannt sind. Dazu zählen beispielsweise Patentboxen, ein zusätzlicher Abzug für Forschung und Entwicklung sowie ein Zinsabzug auf Eigenkapital.