Währungsrisiken: Firma greift bei Absicherung zum Termingeschäft

«Um die Marge zu sichern, müssen wir unsere Währungsrisiken absichern»

Im Sport ist man bei Scott Sports risikofreudig, keinesfalls aber bei der Währungsabsicherung. Wieso Scott beim Hedging seiner Währungsrisiken auf das Termingeschäft schwört, erläutert Alain Hasler, CFO bei Scott Sports, im Interview.

Scott Sports wurde 1958 in den USA gegründet und begann damals mit der Erfindung der ersten Aluminium-Skistöcke. Heute ist Scott Sports einer der Marktführer im Bereich der Entwicklung und des Vertriebs von High-End-Sportartikeln. Das global erfolgreiche Unternehmen mit Schweizer Organisation sowie Schweizer und koreanischer Finanzierung hat amerikanische Wurzeln, setzt in puncto Entwicklung und Marketing auf Europa, produziert international und besteht bei seinen Geschäften auf eine strategische Währungsabsicherung.

Scott Sports begann in den USA mit der Herstellung von Skistöcken. Welche Produkte stellt Scott Sports heute her?

Alain Hasler*: Scott Sports steht nicht mehr nur für eine Marke, ein Produkt oder einen Sport. Wir betreiben heute ein Multisport- und Multimarken-Unternehmen, das auf die Entwicklung und den Vertrieb von Sportprodukten spezialisiert ist. Scott bedient somit den Markt für den Rad-, Ski-, Lauf- und Motorsport. Für unsere Kunden entwerfen wir komplette Kollektionen von Kopf bis Fuss. Nebst Scott bieten wir weitere Marken an wie zum Beispiel Syncros, Bergamont oder Dolomite.

Scott Sports hat sich als Unternehmen breit etabliert. Wie hat es Scott geschafft, sich von der Konkurrenz abzuheben?

Bei Scott leben wir unsere beiden Slogans «Innovation, Design und Technologie» und «NO SHORTCUTS». Das sind Schlüsselfaktoren für unser Unternehmen und Teil unserer DNA. Shortcuts gibt es bei uns nicht. Wir versuchen, innovative und leistungsorientierte Produkte zu entwickeln, ohne Kompromisse eingehen zu müssen. Dabei stützen wir uns auf einen starken Markennamen und einen weltweiten Vertrieb.

Wie wichtig ist dabei der Schweizer Markt und wo verkauft Scott die meisten Produkte?

Die Schweiz ist ein wichtiger Markt für uns, da wir hier fest etabliert sind. Hier erwirtschaften wir ungefähr 8 Prozent unseres Umsatzes. Unsere Geschäftstätigkeiten konzentrieren sich im Allgemeinen auf Europa, wo wir über 60 Prozent unseres Umsatzes erzielen, insbesondere in Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien. Wir sind jedoch weltweit präsent und vertreiben unsere Produkte in mehr als hundert Ländern.

In welchen Währungen operiert Scott Sports?

Wir operieren in einer Vielzahl von Währungen: vom Schweizer Franken über den Euro und den US-Dollar bis hin zu lokalen Währungen wie der schwedischen oder der dänischen Krone sowie der indischen Rupie. Unsere Verkäufe erfolgen grösstenteils in Euro, während wir unsere Käufe teils in Euro, häufig aber in US-Dollar und japanischen Yen abwickeln. Die Verkäufe in anderen Währungen zu tätigen als den Einkauf, das ist für uns eine Herausforderung.

Wie setzen Sie die Preise bei Scott fest?

Wir entwerfen unsere Kollektionen zwei Jahre im Voraus. Sechs bis acht Monate vor Einführung der neuen Kollektion setzen wir dann unsere Preise fest. In der Regel bestimmt der Markt den Preis. Damit wir unsere Marge sichern können, müssen wir aber auch die Produktionskosten streng überwachen und die damit verbundenen Währungsrisiken absichern.

Welche Währungsrisiken bestehen denn für Scott Sports?

Für Scott Sports gibt es hauptsächlich zwei Währungsrisiken, und zwar, weil wir in unterschiedlichen Währungen operieren: einerseits bei der Marge, denn wie gesagt müssen wir im Hinblick auf die Preissetzung die Produktionskosten überwachen, aber auch beim Cashflow. Wir müssen unser Bargeldvolumen konstant halten, damit wir genügend Kaufkraft haben, um auch bei höheren Kursen kaufen zu können.

Ein weiteres, aber weniger augenfälliges Risiko für Scott ist die Bilanzneubewertung. Wir operieren zwar in den verschiedensten Währungen, aber unsere Konzernbilanz konsolidieren wir in Schweizer Franken. Kursschwankungen beim Schweizer Franken können daher einen signifikanten Einfluss auf die Konzernzahlen haben.

Wie sichern Sie das Unternehmen gegen diese Währungsrisiken ab?

Unser Ziel bei der Währungsabsicherung ist es, die Marge und den Cashflow zu sichern. In der Regel definieren wir die Wechselkurse für die Preiskalkulation zehn bis zwölf Monate vor der Markteinführung einer neuen Kollektion. Unsere Strategie besteht darin, dieses Ziel mit Standardprodukten wie Termingeschäften zu erreichen. Wir nutzen also am häufigsten Forwards. Dabei müssen wir sicherstellen, dass wir mit den Wechselkursen nicht zu stark von unserem Budget abweichen und die Produkte innerhalb der definierten Preise produzieren können.

Wieso haben Sie sich für das klassische Termingeschäft entschieden?

Bei der Wahl der Absicherungsprodukte ist es uns wichtig, einen Mittelweg zwischen Effizienz und Unternehmensorganisation zu finden. Unsere Strategie mit den Forward-Geschäften passt zu unserer Unternehmensstruktur, sowohl in Bezug auf die Flexibilität als auch hinsichtlich unserer zeitlichen Abläufe und der verfügbaren Ressourcen.

Ändern Sie Ihre Strategie regelmässig oder setzt Scott auf Altbewährtes?

Unsere Strategie hat sich in all den Jahren bewährt. Es gibt Fälle, zum Beispiel aufgrund einer Verspätung in der Produktion, in denen wir unseren Cashflow anpassen und unsere Währungsbedürfnisse mit Swap-Geschäften feinabstimmen müssen. Sind die Währungskurse extrem volatil, müssen wir unsere Ziele natürlich überprüfen und die Auswirkungen auf unsere Produktmargen analysieren. Dies kann dazu führen, dass wir die Produktion einiger Artikel aus der Kollektion verschieben müssen. Die Stabilität unserer Preise stellt auch einen Vorteil für unsere Kunden dar.

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit der Bank in diesem Zusammenhang?

Da unser Geschäft saisonal aufgebaut ist, benötigen wir in unseren Spitzenzeiten einen starken Finanzpartner zur Finanzierung der Produktion und der Lagerung. Es ist wichtig, eine Bank zu haben, der wir vertrauen können. Mit der Credit Suisse arbeiten wir seit 30 Jahren zusammen. Unser Finanzpartner bietet uns die bestmögliche Unterstützung bei wichtigen Themen – so auch bei der Währungsabsicherung.

Was sind Ihre Perspektiven für die nächsten Jahre?

Wir blicken optimistisch in die Zukunft: Produktion und Vertrieb von E-Bikes dürften weiter zulegen. Potenzial sehen wir hauptsächlich bei E-Mountainbikes für den Sommertourismus in den Bergregionen, E-Urban-Bikes für den Stadtverkehr sowie E-Cargo-Bikes für Lieferservices. Es geht darum, Lösungen und geeignete Produkte für aktuelle Themen – den zunehmenden Verkehr und überfüllte Städte sowie die damit einhergehenden Umweltprobleme – zu finden.

Zudem erwarten wir weiteres Wachstum bei den Outdoor-Aktivitäten. Das Bedürfnis, draussen zu sein, der Wunsch nach einem Ausbrechen aus der täglichen Routine und die Attraktivität von Familienaktivitäten in freier Natur werden immer wichtiger. Nicht zuletzt ist der Einzelhandel auch in der Sportbranche aufgrund der Digitalisierung im Wandel – gerade im Hinblick auf Omnikanäle wie den E-Commerce, wo wir natürlich auch mitspielen möchten.