Plattform für Schweizer Start-ups

Top 100 – Sprungbrett und Bühne für Schweizer Start-ups

Die 100 vielversprechendsten Schweizer Start-ups werden jährlich an der «Top 100 Swiss Startup Award Night» gekürt. Wer sich in diesem Ranking einen Platz sichert, hat es zwar noch nicht geschafft, erhält aber eine offizielle Bestätigung für sein Potenzial, die Millionen wert sein kann.

Business Angels und chinesische Geldgeber

Die Zürcher Maag-Halle ist bis auf den letzten Platz gefüllt an diesem warmen Septemberabend 2018. Nervöse Spannung liegt in der Luft, als die Organisatoren von Venturelab die Zeremonie eröffnen. Für die nominierten Start-ups ist ein Platz im angesehenen Ranking weitaus mehr als eine Trophäe für den Pausenraum.

Höchstens fünf Jahre alt darf ein Start-up sein, um einen der begehrten 100 Plätze zu ergattern – 2018 schafften es 47 Unternehmen, neu in die Liste aufgenommen zu werden. Wie schnell sich die Schweizer Start-up-Szene bewegt, beweisen einige Zahlen: 5197 Jobs wurden durch die seit 2011 gelisteten Start-ups geschaffen; die sechs erfolgreichsten von ihnen sammelten in den vergangenen zwölf Monaten insgesamt 235 Millionen Franken Investitionskapital ein. 

Die Vermittlung zwischen Start-ups und Investoren steht denn auch im Fokus des Interesses. Neben etablierten Schweizer Investoren stellen die Organisatoren Kontakte her zu Geldgebern aus dem Silicon Valley sowie zahlreichen wohlhabenden Privatpersonen, den sogenannten Business Angels. Zunehmend interessieren sich auch chinesische Kapitalgeber für Schweizer Jungunternehmen. Erstmals erscheint die Begleitpublikation des Events dieses Jahr auch auf Chinesisch.

Ava reist nach China

In der Maag-Halle sind nach einer Stunde alle Augen auf Andreas Gerber gerichtet: Als Leiter des KMU-Geschäfts der Credit Suisse und Präsident des Swiss Venture Club steht er gleich für zwei wichtige Hauptpartner des Anlasses. Ihm fällt die Ehre zu, den Namen des Sieger-Unternehmens bekannt zu geben: «Der Gewinner des Top 100 Startup Award 2018 ist – Ava!», verkündet er und gratuliert den jubelnden Preisträgern, die im Siegen schon ein wenig geübt sind, haben sie doch auch im Jahr zuvor die begehrte Trophäe entgegengenommen. «Wir freuen uns riesig», strahlt Pascal Koenig, der CEO von Ava, eine halbe Stunde später. Kurz zuvor hat er mit seinem Team auf der Bühne das Publikum zum Lachen gebracht, als er in einem Wort erklärte, was die junge Firma macht: «Babys.» Das Medizinaltechnik-Unternehmen produziert einen Tracker, der die fruchtbaren Zyklustage einer Frau anzeigt, künftig aber noch weitere Funktionen erhalten soll. Koenig erzählt: «Das Top-100-Ranking gibt den Investoren Sicherheit, es ist eine Art Gütesiegel. Unser Gewinn letztes Jahr hat sicherlich sehr zu unserer eben abgeschlossenen 30-Millionen-Finanzierungsrunde beigetragen.»

In Kürze wird Ava das Siegergeschenk der Credit Suisse einlösen – eine Unternehmerreise nach China. «Für uns ist das weit mehr als einfach nur eine Reise. Wir haben jetzt auch ein Büro in Hongkong eröffnet, dieses Land bietet ein gewaltiges Potenzial. Vom Trip versprechen wir uns, mit Leuten reden zu können, die das chinesische Wirtschaftssystem verstehen. Wir möchten Schlüsselpersonen kennenlernen und von den Fehlern anderer lernen. Zum Glück sind wir mit dem Award von 2017 und 2018 jetzt gleich zweimal eingeladen», lacht Koenig.

Branchen, Regionen und Geschlecht

Den zweiten Platz des Top-100-Rankings belegt Bestmile, ein Lausanner Unternehmen, das eine Software für das Flottenmanagement selbstfahrender Fahrzeuge entwickelt hat. Auf dem dritten Platz ist ebenfalls eine Firma aus Lausanne zu finden: Lunaphore. Das Start-up beschäftigt sich mit personalisierter Medizin. Konkret entwickelt es Tests, die Gewebeuntersuchungen effizienter machen sollen. Die ersten drei Plätze bilden die beiden wichtigsten Regionen der Schweiz für Start-ups ab: Die Waadt mit derzeit 24 Unternehmen und Zürich mit 46. Bei den Branchen dominieren Software, Biotechnologie, Engineering und Medizinaltechnik mit der Belegung von total 67 Plätzen das Ranking. Auf der Liste 2018 sind zudem die Frauen im Vormarsch begriffen: 28 Start-ups wurden entweder von einer Frau gegründet oder haben eine Frau im Management. Für die kommenden Monate sagen die Organisatoren des «Top 100 Startup Award» neue Investitionsrekorde voraus. Man darf auf die Ausgabe 2019 von «Top 100» gespannt sein.