Büroflächen: Nachfrage nach Büroräumen dürfte sinken

Sind Büroflächen noch gefragt? Die Auswirkungen von COVID-19.

Die COVID-19-Pandemie verschärft den Strukturwandel im Schweizer Immobilienmarkt. Der Trend zum Home-Office drückt langfristig auf die Nachfrage nach Büroflächen. Neben Büroräumen schrumpft auch der Markt für Verkaufsflächen im stationären Detailhandel.

Home-Office verdrängt die traditionellen Büroräume

Für die Vermieter von Büroflächen in der Schweiz hat der Lockdown bisher kaum spürbare Konsequenzen. Nur ein geringer Anteil der Büromieter war unmittelbar von den Massnahmen zur Bekämpfung der Corona-Krise betroffen. Die Mietzinsausfälle dürften sich in diesem Jahr daher lediglich im tiefen einstelligen Prozentbereich bewegen.

Langfristig könnten die Folgen jedoch gravierender sein. COVID-19 dürfte den Strukturwandel im Büroflächenmarkt beschleunigen, denn Arbeitgeber und Angestellte konnten sich in der Krise von den Vorteilen der Heimarbeit überzeugen. Das Home-Office wurde damit salonfähig, und in der Folge dürften viele Angestellte auch in Zukunft zumindest einen Teil ihres Pensums von zuhause aus erledigen.

Nachfrage nach Büroräumen dürfte wegen der Verbreitung von Home-Office-Lösungen abnehmen.

Vermehrtes Arbeiten im Home-Office dürfte Nachfrage nach Büroflächen drücken

Befragung Einkaufsmanager: Erwartetes Pensum der Belegschaft im Home-Office nach Aufhebung der COVID-19-Restriktionen
Quelle: Credit Suisse, procure.ch
Letzter Datenpunkt: Mai 2020

Nachfrage nach Büroflächen sinkt langfristig

Darüber hinaus bietet eine Reduktion der gemieteten Büroflächen Einsparungspotenzial, da die Raumkosten für viele Unternehmen ein wesentlicher Kostenfaktor sind. Schweizer Dienstleistungsunternehmen erwarten, dass sie dank dem Ausbau von Home-Office-Lösungen rund 7 Prozent weniger Büroflächen benötigen werden. Und auch Industriebetriebe rechnen mit Einsparungen von 3,6 Prozent. Dies dürfte sich vor allem auf die Kosten von Neuanmietungen auswirken, da Unternehmen nun zuerst genau prüfen dürften, ob die Bestandsflächen nicht doch bereits ausreichen.

Wie stark die langfristigen Folgen sein werden, ist noch unklar. Das Hauptszenario der Credit Suisse geht ceteris paribus auf eine Sicht von zehn Jahren von einem Nachfrageeinbruch bei Büroflächen zwischen von 15 Prozent aus. Solche Entwicklungen werden auch die Mieten in Mitleidenschaft ziehen. Zudem stellt für Vermieter von Büroflächen mittelfristig der Rückgang der Beschäftigung in der Schweiz ein weiteres Problem dar. Bis Ende Jahr dürfte ein Beschäftigungsabbau von 1,5 Prozent Realität sein, was einen Rückgang der Nachfrage nach Büroflächen um rund 770’000 Quadratmeter nach sich zieht. Ein solcher Einbruch wäre mit dem Nachfragerückgang in der Finanzkrise vergleichbar.

Rund ein Drittel der Unternehmen erwartet wesentliche Einsparungen durch Home-Office.

Erwartete Einsparungen bei Büroflächen dank Home-Office

Befragung Einkaufsmanager: Mit welchen langfristigen Einsparungen an Büroflächen rechnen Sie in Ihrem Unternehmen dank Home-Office (in % der heuten Fläche)?
Quelle: Credit Suisse, procure.ch
Letzter Datenpunkt: Mai 2020

Verkaufsflächen im Detailhandel schrumpfen rascher

Auch im stationären Detailhandel hinterlässt die COVID-19-Pandemie ihre Spuren. Das Coronavirus beschleunigt den bestehenden Strukturwandel noch zusätzlich. Hatte die wachsende Konkurrenz des Onlinehandels der Branche bereits zuvor zugesetzt, so traf die temporäre Schliessung der Geschäfte viele Betriebe aufs Neue.

Zwar stiegen die Umsätze im Food-Bereich weiter an, im Non-Food-Bereich hingegen dürfte über das ganze Jahr ein Umsatzrückgang von rund 20 Prozent resultieren. Besonders das Bekleidungssegment litt bereits in den ersten drei Monaten stark, und im zweiten Quartal werden die Zahlen noch schlechter sein. Die Folge dürften Konkurse und Flächenreduktionen sein, was den Verkaufsflächenmarkt rascher schrumpfen lässt als bis anhin.

Der Non-Food-Bereich im Detailhandel leidet massiv unter der Pandemie

Schweizer Detailhandel ist unterschiedlich stark von COVID-19 betroffen

Nominales Wachstum der Detailhandelsumsätze im Vorjahresvergleich (saison- und verkaufstagsbereinigt), 2016–2019: Januar–Dezember; 2020: Januar–März
Quelle: GfK, Credit Suisse
Letzter Datenpunkt: März 2020

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