Schweizer Wirtschaft wird geprüft. Vor allem KMU sind gefordert.

Die Industrie 4.0 und der internationale Protektionismus stellen Schweizer Unternehmen vor Herausforderungen. Am ersten Unternehmerkongress der Credit Suisse diskutierten Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, wie Schweizer KMU konkurrenzfähig bleiben können.

Schweizer Wirtschaft darf sich nicht ausruhen 

Die Schweiz ist ein innovatives Land. Als kleine Wirtschaftsmacht muss sie dies sein. Schweizer KMU sind auf den internationalen Handel angewiesen, wenn sie wachsen wollen. Der Heimmarkt alleine ist dafür zu klein. In keinem anderen Land geben Unternehmen denn auch mehr für Forschung und Entwicklung aus als hierzulande. Bezüglich Innovation etabliert sich die Schweiz regelmässig an der Spitze.

Und trotzdem: Diesen Frühling wurde die Schweiz im «World Competitiveness Ranking 2018» von IMD abgestuft. Von Rang 2 auf Rang 5. Das lässt aufhorchen. Am ersten Schweizer Unternehmerkongress der Credit Suisse stand deshalb die Frage, wie die Wirtschaft auf die Herausforderungen der Gegenwart reagieren kann, ganz oben auf der Traktandenliste.

KMU verschliessen sich der Industrie 4.0

Insbesondere die Industrie 4.0 stellt Unternehmen auf den Prüfstand. Neue Technologien, Digitalisierung und Automatisierung krempeln die Wirtschaft und die Arbeitswelt um. Im Unterschied zu anderen industriellen Revolutionen geschieht der Wandel aber dieses Mal deutlich schneller. Selbst grosse Unternehmen wie IKEA wurden vom Tempo überrascht: «Wir sahen die Digitalisierung kommen, aber nicht so schnell», gestand Simona Scarpaleggia, CEO von IKEA Schweiz, am Unternehmerkongress ein.

Generell seien grosse Unternehmen aber zunehmend auf das Thema Industrie 4.0 sensibilisiert, waren sich die Teilnehmer am Kongress einig. Anders sieht es bei den Kleinen aus: «Viele KMU ruhen sich auf den Erfolgen der Vergangenheit aus und verschliessen sich gegenüber Neuem», berichtete Regula Bührer Fecker. Die Mitbegründerin der Zürcher Werbeagentur Rod Kommunikation erlebt in ihrem Arbeitsalltag immer wieder, dass KMU das Bisherige für gut genug befinden und Ideen nicht mal anhören wollen.

Internationaler Protektionismus schadet der Schweizer Wirtschaft

Nicht nur die Industrie 4.0 stellt Schweizer KMU vor Herausforderungen. Die zunehmende Globalisierung verschärft die Konkurrenzsituation. Besonders aus China droht Ungemach. Einerseits übernehmen Chinesen immer mehr Schweizer Firmen, andererseits sind chinesische Unternehmen schnell in der Umsetzung neuer Ideen und Technologien. Die Schweizer Wirtschaft droht da den Anschluss zu verlieren.

Gleichzeitig regulieren zunehmend mehr Länder den Handel. Der internationale Protektionismus verschlechtert die Handelsbedingungen. Als politisch stabiles Land hat die Schweiz diesbezüglich zum Glück Vorteile. «Die guten Rahmenbedingungen und das Schweizer Rechtssystem sind extrem wichtig», betonte Heinz Karrer, Präsident von economiesuiesse. Auch die zahlreichen Handelsabkommen verschaffen der Schweizer Wirtschaft einen Vorsprung.

KMU dürfen nicht stillstehen

All dies zeigt: Die Voraussetzungen für Schweizer KMU sind gut. Noch können sie sich weitgehend an der Spitze halten. Doch die Industrie 4.0 wird auch an ihnen nicht vorbeiziehen. So war denn am Unternehmerkongress mehrfach aus dem Plenum der über 200 Unternehmerinnen und Unternehmer der Ruf nach mehr Risikobereitschaft zu hören. Die Stabilität in der Schweiz wird hochgehalten, doch dürfe sie nicht zu Trägheit oder gar zum Stillstand führen.