Schweizer Wirtschaft pendelt sich nach Achterbahnfahrt wieder ein

Die Schweizer Wirtschaft dürfte sich dieses Jahr auf vergleichsweise breiter Front erholen. Nach einer Achterbahnfahrt scheint sich die Konjunktur nachhaltig auf Vorkrisenniveau einzupendeln. Der durch die Pandemie erzeugte Wohlstandsverlust ist dennoch beträchtlich.

Konjunktur auf Achterbahnfahrt

Das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz ist im letzten Jahr um 2,9 Prozent gesunken – also ähnlich stark wie in der Finanzkrise von 2009 (–2,1 Prozent). Der Wirtschaftsverlauf glich dabei einer Achterbahnfahrt: Auf den bisher tiefsten verzeichneten Einbruch im zweiten Quartal 2020 folgte im dritten Quartal die bisher rascheste Erholung, die dann im vierten Quartal wieder an Schwung verlor.

Dementsprechend vollführten auch die Wirtschaftsprognosen einiger Institute eine Berg- und Talfahrt. Der Einfluss von COVID-19 auf die Schweizer Wirtschaft wurde dabei zuerst unter- und dann überschätzt.

Auf den tiefsten Einbruch folgte eine rasche Erholung der Konjunktur

Prognose des Schweizer BIP-Wachstums 2020 zum jeweiligen Zeitpunkt
Quelle: Consensus Economics, Credit Suisse

Schwankungen der Konjunktur nehmen ab

Für dieses Jahr gilt nach wie vor verhaltener Optimismus. Es ist unverändert von einem BIP-Wachstum von 3,5 Prozent auszugehen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft sind deutlich weniger stark als in der ersten Welle, was mehrere Gründe hat: Erstens sind die gegen die Verbreitung des Virus ergriffenen Massnahmen diesmal weniger strikt und zielgerichteter, wodurch der Jo-Jo-Effekt des privaten Konsums geringer geworden ist. Zweitens sind sowohl die gesundheitlichen als auch die wirtschaftlichen Schutzmassnahmen bereits bekannt und in Kraft. Zudem haben Privathaushalte und Unternehmen gelernt, ihre Aktivitäten «Corona-konformer» zu organisieren.

Mobilitätsrückgang beeinträchtigt Schweizer Wirtschaft nur wenig

Durch diese Anpassungen hat die Mobilität weniger abgenommen als im ersten Lockdown, und die am Einkaufsmanagerindex (PMI) für den Dienstleistungssektor gemessene Aktivität hat weniger stark auf den Mobilitätsrückgang reagiert. Die Lage der Weltwirtschaft ist zudem deutlich besser als vor einem Jahr. Insbesondere viele asiatische Länder, auf die rund 30 Prozent der globalen Nachfrage entfallen, haben die Pandemie weitgehend im Griff, und der Aufschwung schreitet voran.

Dazu kommt, dass dank der Impfungen ein Ende der Pandemie absehbar ist. Das Wissen um die Endlichkeit der Krise ist mit ein Grund dafür, dass es trotz schwachen Wirtschaftsgangs nicht zu einer starken Entlassungswelle kommt. Die Unternehmen halten soweit möglich an ihren Angestellten fest, um die Nachfrage nach dem erneuten Anspringen der Konjunktur befriedigen zu können. Somit sollte die Arbeitslosenquote maximal auf 3,7 Prozent steigen.

Mobilitätsrückgang beeinträchtigt Schweizer Wirtschaft weniger stark

Prozentualer Rückgang der Mobilität im Vergleich zur Vor-Corona-Basisperiode (linke Skala), Dienstleistungs-PMI (rechte Skala)
Quelle: Google COVID-19 Community Mobility Report, IHS Markit, Credit Suisse

Unternehmen investieren trotz Pandemie

Zudem sind aufgrund der zweiten Corona-Welle zwar da und dort abermals Investitionen zurückgestellt worden, ein eigentlicher Investitionsstopp ist aber nicht zu beobachten. In der Januar-Umfrage unter Einkaufsmanagern von Schweizer Industrieunternehmen gab die Mehrheit zu Protokoll, dass die zweite Welle ihre Investitionsplanung im Gegensatz zur ersten kaum beeinflusst habe.

Ein Viertel der Befragten investiert wegen Corona weniger als ursprünglich geplant, wogegen im letzten Juni noch jedes zweite Unternehmen angab, seine Investitionen zurückzufahren. Zudem dürften die zurückgestellten Investitionen – ähnlich wie im letzten Jahr – später dennoch umgesetzt werden.

Keine vollständige Erholung der Schweizer Wirtschaft

Summa summarum lässt sich sagen: Während die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2021 wohl noch leicht abnehmen wird (Prognose: –0,5 Prozent), sollte sich das Wirtschaftswachstum in den Sommer hinein beschleunigen. Zu viel Optimismus ist aber nicht angebracht. Denn zum einen wird es wohl noch länger dauern, bis die Pandemie vollständig unter Kontrolle ist. Und zum anderen ist die Unsicherheit bezüglich Impffortschritt und Lockerungen weiterhin hoch.

Hinzu kommt, dass die Wirtschaftsleistung zwar gegen Ende dieses Jahres wieder das Vorkrisenniveau erreichen wird, der Wohlstandsverlust infolge der Corona-Pandemie aber dennoch beträchtlich sein wird. Insgesamt schätzt man die BIP-Einbussen auf rund 57 Milliarden Schweizer Franken. Die durch COVID-19 entstandene Wachstumslücke wird so auch Ende 2022 noch nicht wieder geschlossen sein.

Hoher Wohlstandsverlust insbesondere während der ersten Welle

Realer BIP-Wohlstandsverlust gegenüber Szenario ohne Krise, pro Quartal in CHF Mrd.
Quelle: Credit Suisse