Währungsabsicherung: Wie Unternehmen das Währungsrisiko absichern

Schweizer Unternehmen sind Währungsrisiken ausgesetzt. Die Mehrheit sichert sich ab.

Wie werden sich die Wechselkurse 2019 entwickeln, und vor welchen Risiken steht die Weltwirtschaft? Diesen Fragen geht die Studie zur Devisenkursentwicklung der Credit Suisse nach. Herzstück der Studie ist eine grosse Umfrage unter 766 Unternehmen zum Thema Währungsmanagement.

Unternehmen schützen sich mittels Währungsabsicherung vor Kursschwankungen

Die meisten Schweizer Unternehmen sind eng mit dem Ausland verknüpft. Kursschwankungen in Euro oder, US-Dollar, aber auch in anderen Fremdwährungen treffen sie ganz direkt. In der Firmenkundenumfrage der Credit Suisse zeigt sich, dass lediglich ein Sechstel der befragten Unternehmen ausschliesslich in der Schweiz tätig ist. Die Mehrheit sichert deshalb das Währungsrisiko ganz oder teilweise ab.

Absicherung gegen alle Eventualitäten lautet beispielsweise die Devise bei der Walter Matter SA. Der Rohstoffhändler mit Sitz in Genf kauft und verkauft Kaffee und Kakao. «Das ist wichtig, weil wir Verträge bis zu zwei Jahre im Vorfeld unterzeichnen», begründet Finanzchef Roger Fry. Er ist einer von drei für die Studie ausführlich interviewten Unternehmer.

Erwartungen an die Wechselkurse

Die Studie zeigt aber auch, dass knapp ein Drittel der Unternehmen Transaktionen in Euro nicht absichert. Bei den Transaktionen in US-Dollar ist es ein Viertel. Den Währungsrisiken sind sie somit voll ausgesetzt. Für 2019 gehen die befragen Unternehmen von moderaten Wechselkursveränderungen aus. Sie erwarten keinen starken Aufschwung in Europa und entsprechend keine Wiedererstarkung des Euro.

Gemäss den Umfrageresultaten wird per Ende 2019 im Durchschnitt ein Euro-Franken-Kurs von 1.15 erwartet. Die Prognose der Ökonomen der Credit Suisse liegt bei 1.20. Auch für den US-Dollar sowie das britische Pfund rechnen die Unternehmen mit wenig Veränderung. Sie erwarten einen Dollar-Franken-Kurs von 0.99 (Prognose Credit Suisse 1.00) sowie einen Pfund-Franken-Kurs von 1.26 (Prognose Credit Suisse 1.40).

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Skepsis der Kunden bei EUR/CHF

Wechselkursprognosen und tatsächliche Wechselkurse für das jeweilige Jahresende (Durchschnitt vom Dezember)

Quelle: Credit Suisse Firmenkunden-Umfragen 2016–2018, Credit Suisse

Währungsrisiko starker Schweizer Franken

Für die Schweizer Wirtschaft sind die Studienteilnehmer verhalten optimistisch. Über die Hälfte erwartet, dass das Wirtschaftswachstum ähnlich wie im Vorjahr ausfallen wird. Die restlichen gehen eher von einer Wachstumsabkühlung als einer Wachstumsbeschleunigung aus. Das deckt sich mit den Einschätzungen der Credit Suisse House View.

Bezüglich des Schweizer Frankens dürfte sich gemäss den befragten Unternehmen die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank Fed am stärksten auf die Entwicklung auswirken. Einen ersten Zinsschritt der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bis Ende 2019 erwartet dagegen nur knapp die Hälfte. Auch politische Risiken könnten zu einem Aufwertungsdruck für den Schweizer Franken führen. Als am bedeutendsten wird die Haushaltsverschuldung in Italien erachtet.

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Geldpolitik und EU-Risiken mit Einfluss auf Franken

«Mit welcher Wahrscheinlichkeit werden folgende Aspekte den Schweizer Franken beeinflussen?», Durchschnittswerte

Quelle: Credit Suisse Firmenkunden-Umfrage 2018

Viele Schweizer KMU sichern Währungsrisiken ab

Unsicherheiten in der Eurozone und die sich weiterhin nicht in geordneten Bahnen bewegenden europäischen Staatshaushalte werden auch von Albert Angehrn, Leiter Large Swiss Corporates bei der Credit Suisse, als das grösste Marktrisiko für den Schweizer Franken genannt. In Interviews in der Studie erläutern er sowie zwei weitere Unternehmensbereichsleiter ausserdem, welches zurzeit die grössten Herausforderungen für ihre Kunden sind, warum in der Schweiz selbst KMU Währungsrisiken absichern müssen und warum der US-Dollar noch lange die dominante Handelswährung bleiben dürfte.