Schweizer Gastgewerbe leidet besonders unter der Corona-Pandemie

Schweizer Gastgewerbe atmet nach einem schwierigen Pandemiejahr auf.

Lange blieben die Tische leer, jetzt wiegen die Einbussen schwer. Am härtesten traf die Corona-Pandemie das Schweizer Gastgewerbe. Die jüngsten Lockerungen hellen zwar die Aussichten auf, doch wie steht es wirklich um die Gastronomie und den Tourismus in der Schweiz?

Die Umsatzeinbussen im Schweizer Gastgewerbe wiegen schwer

Das Gastgewerbe atmet auf: Ende Mai beschloss der Bundesrat weitere Lockerungen der Massnahmen und sorgt damit für den langersehnten Lichtblick. Denn das Gastgewerbe, das die Gastronomie sowie den Tourismus umfasst, hat ein hartes Jahr hinter sich. Mit Umsatzeinbussen von 40 Prozent in der Gastronomie sowie von 67 Prozent im Tourismus schlugen im Pandemiejahr 2020 herbe Verluste zu Buche.

Am härtesten traf es die Gastronomie in den Grosszentren

Von den starken Umsatzeinbussen und den grossen Jobverlusten waren schweizweit nicht alle Regionen gleich stark betroffen. Die städtischen Regionen Genfersee und Zürich, die auch gastronomisch von der Ausgangsszene profitieren, litten im vergangenen Jahr besonders stark. Die Sperrstunde sowie die Schliessung der Clubs dürften sich in Städten stärker bemerkbar gemacht haben. Zusätzlich zu den ausländischen Gästen fehlten in diesen Regionen auch die Schweizer Touristen. Erholung suchten die Einheimischen stattdessen in der Zentral- oder Ostschweiz sowie im Tessin, wo sie die lokale Gastronomie stützten. Die Einbussen fielen dort entsprechend geringer aus.

Die Gastronomie der Grosszentren traf es am stärksten

Die Gastronomie der Grosszentren traf es am stärksten

Quelle: Monitoring Consumption Switzerland, Bundesamt für Statistik, Credit Suisse

Das Pandemiejahr veränderte die Nachfrage im Schweizer Tourismus

Auch in der Tourismusbranche spürten städtische Regionen wie Genf, Zürich oder Basel den pandemiebedingten Wegfall der Touristen über alle Beherbergungsformen am stärksten. Die typischen heimischen Ferienregionen wie das Berner Oberland, Graubünden oder das Tessin konnten hingegen allesamt mehr Inlandtouristen als im Vorjahr verbuchen.

Während der Wegfall inländischer Touristen landesweit vor allem bei den Drei-Sterne-Hotels zu spüren war, hinterliessen die fehlenden internationalen Touristen in den Vier- und Fünf-Sterne-Hotels einschneidende Lücken.

Spannend ist, dass die Verschiebung von höheren zu niedrigeren Preissegmenten sowie Sonderaktionen dazu führten, dass die Einnahmen aus Übernachtungen stärker zurückgingen als die Übernachtungen selbst. Die reine Betrachtung Letzterer unterschätzt somit den wirtschaftlichen Verlust. Ähnliches gilt für die Parahotellerie wie Camping, Gruppenunterkünfte oder Kurbetriebe. Während die Einnahmen um 39 Prozent einbrachen, legten die Logiernächte um 5 Prozent zu.

Konkurse im Schweizer Gastgewerbe nehmen nicht zu

Bei derart hohen Umsatzeinbussen stellt sich die Frage, ob die Pandemie zu einer Konkurswelle und damit zu schwerwiegenden Folgeschäden im Gastgewerbe führen wird. Jedoch zeigt sich, dass die Gastronomie seit Anfang 2020 weniger Konkurse als in den Vorjahren erlebte. Auch in der Tourismusbranche ist bis anhin kein Trend zu einer höheren Konkursrate erkennbar.

Was anfänglich erstaunt, lässt sich mit den staatlich verordneten Unterstützungsmassnahmen wie dem fünfwöchigen Betreibungsstillstand, der Kurzarbeitsunterstützung und weiteren Regulierungen erklären.

Trotz Krise ist im Gastgewerbe kein Trend zu erhöhten Konkurszahlen zu erkennen

Trotz Krise ist im Gastgewerbe kein Trend zu erhöhten Konkurszahlen zu erkennen

Letzter Datenpunkt: März 2021
Quelle: Schweizerisches Handelsamtsblatt (SHAB), Credit Suisse
 

Achtung, fertig, Wiedereröffnung – was erwartet das Schweizer Gastgewerbe?

Ein sofortiger Umsatzsprung zurück auf das Niveau von vor der Krise oder des letzten Sommers ist für die jüngste Wiedereröffnung nicht zu erwarten. Im Gegensatz zu 2020 gibt es aber zwei Faktoren, die sich zugunsten der Schweizer Gastronomie entwickeln könnten: Erstens dürfte sich die Schweizer Bevölkerung dank der Impffortschritte nun sicherer fühlen. Und zweitens können die Umsätze auch wieder durch Grossveranstaltungen gestützt werden, an denen Getränke und Speisen verkauft werden.

Eine Rückkehr des ausländischen Tourismus würde sich ebenfalls positiv auf die Gastronomie auswirken. Unsicherheiten bezüglich eines möglichen Impfzertifikats und erschwerte Einreisebestimmungen stellen jedoch weiterhin ein Hindernis für Auslandreisen dar. Für viele Touristen dürften diese Punkte Grund genug sein, sich für einen Inlandurlaub zu entscheiden. Deshalb werden sowohl die Parahotellerie als auch die Schweizer Ferienregionen aller Wahrscheinlichkeit nach im Sommer 2021 zu den Gewinnern zählen.