Schweizer Exporte: Aussenwirtschaftsforum rund um reife Märkte

Reife Märkte bleiben noch lange bedeutsam für Schweizer Exporte

Drei von vier Schweizer Export-Franken stammen heute aus reifen Märkten. Wird das so bleiben oder werden Schwellenländer ihnen den Rang ablaufen? Sascha Jucker, Ökonom der Credit Suisse, stand am Aussenwirtschaftsforum Rede und Antwort.

Die Schweiz ist ein Exportland. Im Jahr 2018 exportierte die Eidgenossenschaft Waren im Wert von 233 Milliarden Franken. Diese machen gemessen am Bruttoinlandsprodukt zwei Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung aus. Der weitaus grösste Teil der Schweizer Exporte geht in reife Märkte. Am Aussenwirtschaftsforum von Switzerland Global Enterprise diskutierten deshalb Schweizer Wirtschaftsgrössen, wie es gelingt, in reifen Märkten zu wachsen. An der Breakoutsession «Wohin geht die Reise in den reifen Märkten?» warfen die Experten der Credit Suisse einen Blick in die Zukunft.

Heute stammen drei von vier Schweizer Export-Franken aus reifen Märkten: Wie wird sich dieses Verhältnis künftig entwickeln?

Sascha Jucker: In den letzten Jahren hat sich das Verhältnis nur sehr wenig verändert. Tendenziell ist der Anteil der reifen Märkte aber leicht zurückgegangen. Im Gegenzug gewinnen Schwellenländer etwas an Bedeutung für den Schweizer Export. Insbesondere wird die Kaufkraft von China grösser. Die Entwicklung geht aber sehr, sehr langsam vonstatten. Ich rechne damit, dass der Anteil am Schweizer Exportvolumen, der in reife Märkte geht, in den nächsten Jahren auf nicht weniger als 70 Prozent zurückgehen wird.

Schweizer Exporte nach Markttyp

Drei von vier «Exportfranken» kommen aus reifen Märkten

Schweizer Exporte nach Markttyp in Milliarden Franken

Quelle: Weltbank, Credit Suisse

Sie sprechen China an. Wird das Land für Schweizer Exporte so zentral werden, wie manche erwarten?

Für Luxusgüter wie Uhren ist China aufgrund der grossen Bevölkerungszahl und der Kaufkraft der Oberschicht tatsächlich ein spannender Markt. Das gilt aber nicht für alle Branchen gleichermassen. Die Industrie, beispielsweise die Autoindustrie, ist stark von Deutschland abhängig. Das wird auch so bleiben. Sicherlich ist es für Schweizer Exportunternehmen sinnvoll, sich in China zu etablieren. Die anderen und insbesondere die reifen Märkte dürfen aber nicht vernachlässigt werden.

Welche Exportländer sind für die Schweiz besonders wichtig?

Europa und insbesondere Deutschland ist für Schweizer Exporte zentral und wird es auch bleiben. Das unterschätzen viele. Weiche Faktoren wie der ähnliche kulturelle Hintergrund erleichtern den Handel mit unseren Nachbarländern. In Asien oder Lateinamerika ist das völlig anders. Doch auch hier ist teils vielversprechendes Potenzial vorhanden, beispielsweise in grossen Ländern wie Brasilien. Wichtig ist allerdings, sich nicht nur aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage für einen neuen Markt zu entscheiden, sondern auch hinsichtlich Rahmenbedingungen wie der politischen Stabilität. 

Wie ist die Situation in den USA? Dorthin gehen Schweizer Exporte am zweithäufigsten.

Ähnlich wie beim Export in unsere Nachbarländer gibt es in den USA kaum Sprachbarrieren für Schweizer Exporteure. Spannend in den USA ist insbesondere das Gesundheitswesen. Dieses ist weniger stark reguliert und der Gesundheitsmarkt wächst schnell. Für mehr Nachfrage wird die demografische Alterung sorgen. 

Schwellenländer werden überdurchschnittlich wachsen. Ihr Marktanteil ist aber gering.

Sascha Jucker, Ökonom Credit Suisse

Welche Länder werden für Schweizer Exporteure in den nächsten Jahren wichtig sein?

Das Grundwachstum wird global in den meisten Ländern anhalten. Überdurchschnittlich wachsen werden die Schwellenländer. Ihr Marktanteil ist aber gering und die Hürden, welche ein Exporteur überwinden muss, sind teilweise hoch. Innerhalb der reifen Märkte dürften die USA das stärkste Wachstum verzeichnen.

Am Aussenwirtschaftsforum wurde die Wachstumsverlangsamung in Europa angesprochen. Was ist die Ursache?

2017 und im ersten Halbjahr 2018 hatten wir ein starkes Wachstum. Ende 2018 folgte dann eine Verlangsamung. Das ist völlig normal im Wirtschaftszyklus, vor allem in der Industrie. Einerseits hatten wir aussergewöhnliche und temporäre Faktoren wie beispielsweise den Hitzesommer 2018, die zu einer Abschwächung führten. Andererseits löste der Handelsstreit zwischen den USA und China Unsicherheit aus. In der Folge verzeichnete insbesondere Deutschland eine schwächere Nachfrage aus China. Diese betrifft allerdings primär den Industriebereich. Der Dienstleistungsbereich und der Arbeitsmarkt sind nach wie vor solide.

Schweizer Exporte spüren Schwäche in Europa

Schweizer MEM-Industrie spürt Europas Schwäche

Exporte der MEM-Industrie nach Land, Wachstum ggü. Vorjahr

Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung, Credit Suisse

Wird die Konjunktur in den reifen Märkten bald wieder anziehen?

Das wahrscheinlichste Szenario ist tatsächlich, dass wir bereits am Tiefpunkt angelangt sind. Die europäische Wirtschaft dürfte sich in den nächsten Monaten erholen. Wir erkennen bereits erste positive Wachstumsimpulse aus China. Ginge der Abschwung dagegen weiter, würde sich das früher oder später im Arbeitsmarkt niederschlagen. Eine Rezession wäre dann das Worst Case Szenario. Davon gehen wir allerdings nicht aus.

Für die Schweizer Wirtschaft ist der Exportsektor bedeutend. Wie abhängig ist die Schweiz aber tatsächlich von der Entwicklung in anderen Ländern?

Da wir nicht zu den grossen Volkswirtschaften gehören, sind wir selten Handelspartner Nummer 1 Handelspartner für ein anderes Land. Daher leiden wir auch oft nicht als erste bei einer Wirtschaftsflaute. Häufig bewegen sich Schweizer Unternehmen in Nischen oder Sektoren, welche weniger konjunktursensibel sind. Beste Beispiele sind die Pharmaindustrie, der Medtech-Bereich, die Uhrenindustrie, aber auch die Textilindustrie, welche sich auf hochfunktionale Textilien spezialisiert hat. Die Qualität von Schweizer Produkten schützt uns daher auch zu einem gewissen Grad vor Preisdruck. Trotzdem ist es gut, wenn man sich diversifiziert und in mehreren Märkten präsent ist. Gerade die Dominanz der reifen Märkte wird noch einige Jahrzehnte anhalten.

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