Privater Konsum stützt Konjunktur und stärkt Wirtschaftswachstum

Privater Konsum treibt Schweizer Wirtschaft an

Die Schweizer Wirtschaft hielt sich im 2. Quartal 2019 vergleichsweise gut. Das liegt vor allem am privaten Konsum im Inland und den starken Konsumgüterexporten, welche die Konjunktur stützen. Für die Industrie bleiben die Zeiten aber trotz des gegenwärtigen Wirtschaftswachstums mager.

Wirtschaftswachstum verlangsamt sich

Die Schweizer Wirtschaft ist auch im 2. Quartal gewachsen, und zwar um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Das Wachstum war allerdings schwächer als noch in den ersten drei Monaten dieses Jahres. Zudem lag das Bruttoinlandprodukt (BIP) lediglich geringfügig über dem Stand vor Jahresfrist. Und auch die weiteren Aussichten sind durchzogen, vor allem für grosse Teile der Industrie.

Dies untermauert auch der Einkaufsmanagerindex (PMI), den die Credit Suisse zusammen mit procure.ch erstellt. Er dient als verlässlicher Frühindikator für die Konjunkturentwicklung und liegt nun seit fast einem halben Jahr unter der Wachstumsschwelle. Gleichzeitig ist die Industriekonjunktur in den Abnehmerländern von Schweizer Waren und Gütern so schwach wie zuletzt vor sieben Jahren. Die weitere Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro erschwert die Lage für Industrieunternehmen zusätzlich.

Kein Einbruch der Konjunktur zu befürchten

Das Exportvolumen der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM-Industrie) schrumpft seit rund einem Jahr, während die Ausfuhren der Uhrenindustrie stagnieren. Insgesamt steht die Schweizer Exportwirtschaft aber solide da. Denn rund zwei Drittel aller Schweizer Exporte bestehen aus Konsumgütern. Diese Güter profitieren vom soliden Konsumwachstum weltweit. So nehmen beispielsweise die Ausfuhren der Pharmaindustrie stetig zu.

Der Anteil von Investitionsgütern sowie Rohstoffen und Halbfabrikaten an den gesamten Exporten sinkt hingegen kontinuierlich, und Energieträger machen nur einen geringen Teil aus. Um das Schweizer Exportvolumen insgesamt einbrechen zu lassen, bräuchte es also eine markante Eintrübung des globalen Konsumklimas – mit der zurzeit nicht zu rechnen ist.

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Konsumgüterexporte stützen Schweizer Konjunktur

Ab 2002: mit elektrischem Strom, Rückwaren und Lohnveredelungsverkehr
Ab 2012: mit Gold- und Silberbarren sowie Münzen

Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung, Credit Suisse

Solider Arbeitsmarkt kurbelt privaten Konsum an

Komfortabel präsentiert sich die Ausgangslage indes für den privaten Konsum im Inland. Die zuletzt eher pessimistische Konsumentenstimmung hängt in erster Linie mit Entwicklungen auf den Finanzmärkten zusammen. Aber die Erfahrung zeigt, dass die eigene Arbeitsplatzsicherheit viel wichtiger für den Konsumentscheid ist als die Entwicklung der Finanzmärkte. Und die Arbeitsmarktlage ist gegenwärtig relativ robust.

Die Arbeitslosenquote ist so tief wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr, das Beschäftigungswachstum hat sich jüngst nur leicht abgeschwächt. Einzig in der Industrie besteht das Risiko eines länger andauernden Stellenabbaus, der die Konsumstimmung beeinträchtigen könnte. Eine generelle Verschlechterung der Schweizer Konjunktur ist aber selbst in diesem Fall kaum zu erwarten. Dafür bräuchte es eine deutlich rückläufige Industrieaktivität, was derzeit nicht gegeben ist.

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Privater Konsum bleibt auf gutem Niveau

* von Schweizer Gästen
Heatmap: grün = überdurchschnittlich, rot = unterdurchschnittlich

Quelle: Datastream, GfK, Credit Suisse

Privater Konsum stützt die Konjunktur in der Schweiz

Die robuste Arbeitsmarktlage ist denn auch ein wichtiger Grund dafür, dass der private Konsum bis Ende 2020 weiter zunehmen dürfte. Weitere Faktoren wie steigende Ausgaben für Gesundheit und Wohnen sowie das Bevölkerungswachstum und die solide Kaufkraft in der Schweiz tragen ebenso zum Konsumwachstum bei. Zudem dürften die Bauinvestitionen 2020 wieder stärker zunehmen als gegenwärtig.

Eine ausgewachsene Rezession, die auch den Dienstleistungssektor erfasst, ist daher trotz der Schwäche in zahlreichen Industriebranchen wenig wahrscheinlich. Und sollten der Lagerzyklus oder der Handelsstreit zwischen den USA und China bis Ende 2020 nachlassen, ist sogar eine leichte Konjunkturbeschleunigung möglich. Das Schweizer BIP dürfte in den nächsten beiden Jahren moderat weiterwachsen. Im Gesamtjahr 2019 um 1,1 Prozent, 2020 etwas stärker um 1,4 Prozent.