Pensionskassenwechsel: Darauf kommt es bei der Vorsorgelösung an

Pensionskassenwechsel. Worauf es bei der Vorsorgelösung ankommt.

Die Wahl der Vorsorgelösung ist ein zentraler Entscheid für Arbeitgeber. Ob sich ein Pensionskassenwechsel für Arbeitgeber und Arbeitnehmer auch wirklich lohnt, sollte genau geprüft werden. Martin Jucker, Christina Vettas und Markus Büchi, Mitglieder der Geschäftsleitung der Spida Sozialversicherungen, zeigen auf, wie Unternehmen beim Pensionskassenwechsel vorgehen sollten.

Wie wichtig ist die Wahl der Vorsorgelösung für ein Unternehmen?

Martin Jucker: Das ist eine sehr wichtige Entscheidung. Insbesondere für die Personalpolitik eines Unternehmens, aber auch für das Unternehmen selbst. Denn heutzutage ist eine bedarfsgerechte Vorsorgelösung nicht mehr nur ein Nice-to-have, sondern ein Need-to-be. Ansonsten geht man das Risiko einer Über- oder Unterversicherung ein.

Bei der Wahl der passenden Vorsorgelösung macht es ausserdem Sinn, nicht nur auf die zweite Säule zu achten. Branchenlösungen bieten mitunter die erste Säule, die zweite Säule und die Familienausgleichskasse aus einer Hand an, was in der Regel sehr kosteneffizient ist.

Wie häufig sollte ein Unternehmen den bestehenden Vertrag unter die Lupe nehmen?

Christina Vettas: Grundsätzlich ist eine regelmässige Überprüfung des bestehenden Vertragsverhältnisses sinnvoll. Denn das Unternehmen und auch die Mitarbeitenden verändern sich ständig, und damit wandeln sich auch ihre Bedürfnisse. Beim Personal sorgen beispielsweise Beförderungen und höhere Löhne für neue Ansprüche an die Vorsorgelösung.

Für das Unternehmen als Ganzes kann eine Veränderung der Personalstruktur oder eine Fusion die Bedürfnisse verändern. Mit einer Prüfung der Verträge etwa alle fünf Jahre lassen sich in der Regel jedoch alle Punkte abdecken und sämtliche Veränderungen berücksichtigen.

Welche Fragen sollte man sich bei der Überprüfung stellen?

Christina Vettas: Die erste Frage ist immer die, ob die aktuelle Lösung noch stimmt. Und zwar sowohl jetzt als auch zukünftig. Ist das nicht der Fall, muss man die Kriterien für die Auswahl ermitteln. Stimmt beispielsweise die Höhe der Risikoleistungen noch, oder muss diese erhöht werden? Oder muss man neu eine Kaderversicherung abschliessen, um die aktuelle Personalstruktur bestmöglich abzubilden?

Welche Punkte und Kennzahlen sollte man bei einer neuen Vorsorgelösung vor einem allfälligen Wechsel anschauen?

Markus Büchi: Zum einen natürlich den Deckungsgrad der Kasse, der ein Indikator für ein Sanierungsrisiko oder allfällige Leistungsverbesserungen ist. Darüber hinaus gibt es weitere wichtige Kennzahlen: Das Verhältnis des Vorsorgekapitals der aktiv Versicherten gegenüber demjenigen der Rentenbeziehenden, die Kosteneffizienz der Kasse, gemessen an den Verwaltungskosten pro aktive versicherte Person, die Höhe der Risiko- und Verwaltungskosten sowie die historische Anlageperformance und die durchschnittliche Verzinsung der Altersguthaben.

Martin Jucker: Bei Sammelstiftungen oder Gemeinschaftseinrichtungen sind solche Zahlen im Geschäftsbericht einsehbar. Sie unterliegen speziellen Rechnungslegungsvorschriften und sind dadurch sehr gut miteinander vergleichbar. Dies vereinfacht den Prozess zusätzlich.

Gibt es noch weitere Merkmale, die überprüft werden sollten?

Martin Jucker: Zentral ist, dass die Leistungsniveaus für die Versicherten stimmig sind und keine Über- oder Unterversicherung besteht. Ebenso interessant ist die Art der Risikotragung. Also die Entscheidung, ob man sich einer autonomen Pensionskasse oder einer Vollversicherung anschliesst. Nicht vergessen sollte man auch die Struktur der Pensionskasse. Schliesst man sich einer Sammelstiftung an, in der man mehr Mitbestimmungsrechte und Pflichten hat? Oder einer Gemeinschaftskasse, die einem die organisatorischen Aufwände abnimmt, zum Beispiel in Form eines überbetrieblich zusammengesetzten Stiftungsrats?

Die Digitalisierung macht auch vor den Vorsorgelösungen nicht halt. Wie profitieren Versicherte mit einer Vorsorgelösung, die robuste digitale Prozesse in der ersten und zweiten Säule anbietet?

Christina Vettas: Ein grosser Vorteil ist die Reduktion von Fehlerquellen. Vor allem dann, wenn direkte Schnittstellen zwischen der Software des versicherten Unternehmens und derjenigen der Vorsorgeeinrichtung installiert sind. Die Daten, beispielsweise zu den versicherten Löhnen, müssen nicht mehr von Hand abgetippt werden, sondern sie lassen sich per Knopfdruck übermitteln und werden direkt verarbeitet.

Dadurch verringern sich der Aufwand und damit auch die Verwaltungskosten. Zudem lassen sich bei elektronischen Formularen Plausibilitätschecks einbauen. So kann überprüft werden, ob die Daten komplett und korrekt sind, wodurch aufwändige Rückfragen wegfallen. Sie steigern also die Effizienz sowohl für die Versicherung als auch für die Versicherten.

Martin Jucker: Die Vorteile der digitalen Lösungen wurden gerade auch in der Corona-Krise sichtbar. Als wir zu Beginn der Krise innert kürzester Zeit die neuen Corona-Entschädigungen in der ersten Säule ausarbeiten mussten, waren wir sehr froh darüber, dass die Mehrzahl unserer Kunden bereits das digitale Angebot nutzte. So konnten wir unkompliziert mit ihnen kommunizieren und die angeforderten Leistungen innerhalb weniger Wochen erbringen.

Wie geht man bei einem Vergleich verschiedener Pensionskassen konkret vor?

Markus Büchi: Für einen ersten Überblick eignen sich die jährlichen Pensionskassenvergleiche, die in den Medien publiziert werden. Anschliessend empfehlen wir Unternehmen, dass sie die wichtigsten Kriterien definieren und Offerten bei verschiedenen Pensionskassen einholen. In einem nächsten Schritt sollte man die Offerten genau vergleichen. Für diese anspruchsvolle Aufgabe ist es wichtig, genügend Zeit einzuplanen. Sinnvoll ist auch, sich eine Zweitmeinung über einen spezialisierten Broker einzuholen – unseres Erachtens ist dabei dem Auftragsrecht Rechnung zu tragen, wobei wir feststellen, dass immer mehr Broker sich an dieser Praxis orientieren – und die Geschäftsberichte der Pensionskassen zu prüfen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um mit der Planung für einen Wechsel der Vorsorgelösung zu beginnen?

Christina Vettas: So früh wie möglich. Denn zum einen muss man die Kündigungsfrist des bestehenden Vertrags berücksichtigen. Diese beträgt in der Regel sechs Monate. Darüber hinaus muss man immer auch genug Zeit für den Einbezug der Mitarbeitenden, für die Definition der Auswahlkriterien und die Ausschreibung einberechnen. Das bedeutet: Man sollte mindestens ein Jahr vor dem Wechsel mit der Planung beginnen.

Was sind die wichtigsten Kriterien, die man bei einem Wechsel der Pensionskasse beachten sollte?

Markus Büchi: Neben den Kündigungsbestimmungen im bestehenden Vertrag stellt sich die Frage, ob man die bestehenden Rentnerinnen und Rentner in die neue Pensionskasse mitnehmen kann oder muss. Und wenn ja, zu welchen Konditionen. Bei der neuen Pensionskasse gilt es zu prüfen, wie die finanzielle Lage ist und ob man sich in den Deckungsgrad einkaufen muss. Und schlussendlich ist dem Mitbestimmungsrecht der Angestellten Rechnung zu tragen. Deshalb sollte man sie möglichst früh in den ganzen Prozess einbinden.

Wie unterstützen die Pensionskassen ihre Kunden bei diesem Prozess?

Martin Jucker: Wichtig ist zunächst eine genaue Bedürfnisabklärung, um einen passenden Lösungsansatz zu entwickeln. Zweitens können beispielsweise Branchenlösungen die Besonderheiten einzelner Branchen, wie etwa Gesamtarbeitsverträge, optimal berücksichtigen und ein Gesamtpaket anbieten. Und schlussendlich geht es immer auch darum, den Kunden eine transparente und vertrauensbasierte Beratung anzubieten. Die Sozialversicherungen betreffen alle Angestellten sehr direkt, deshalb ist ein gutes Gefühl bei der Entscheidung zentral.

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