Steuerwettbewerb: Kantone reduzieren Unternehmenssteuern infolge der STAF
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Neuer Schwung im Steuerwettbewerb. Kantone reduzieren Steuersätze.

Infolge der Steuerreform und AHV-Finanzierung planen zahlreiche Kantone, die Unternehmenssteuern zu senken, um die eigene Standortattraktivität zu erhalten. Das mischt die Karten im interkantonalen Steuerwettbewerb neu. Das Rennen um die attraktivsten Standorte für Unternehmen bleibt spannend.

Ordentliche Besteuerung soll Standortattraktivität der Schweiz erhalten

Der fundamentale Umbau der Unternehmensbesteuerung in der Schweiz hat seinen Lauf genommen. Grund dafür sind die gesetzlichen Änderungen im Zuge der 2019 angenommenen Steuerreform und AHV-Finanzierung (STAF). Die Abschaffung der privilegierten Besteuerung von Statusgesellschaften steht im Zentrum der Steuerreform. Künftig sollen alle Unternehmen in der Schweiz denselben Besteuerungsregelungen unterliegen.

Ziel der STAF ist es, ein international konformes und wettbewerbsfähiges Steuersystem für Unternehmen zu etablieren. Neben den kantonalen Reduktionen der ordentlichen Steuersätze für alle Unternehmen tragen die geplanten Massnahmen zur Förderung von innovativen Tätigkeiten auf Kantonsebene dazu bei. Zu diesen neuen Steuerinstrumenten gehören zum einen die obligatorischen Patentboxen, die eine steuerliche Entlastung von Gewinnen aus Patenten ermöglichen. Zum anderen sind Abzüge im Bereich Forschung und Entwicklung möglich. Die Ausgestaltung dieser und weiterer Prinzipien ist den Kantonen innerhalb des gesetzlichen Rahmens selbst überlassen.

Kantone setzen die Steuerreform unterschiedlich um

Kantone nutzen die neuen Steuerinstrumente unterschiedlich

*Umsetzung per 1.1.2020 bestätigt.
Stand: 5.9.2019

Quelle: BDO, Credit Suisse

STAF kurbelt Steuerwettbewerb neu an

So können die Kantone die für sie optimale steuerliche Strategie entwickeln. Diese ist wichtig, um heutige Statusgesellschaften – und damit die eigene Standortattraktivität – halten zu können. Denn die neuen Gesetzgebungen der STAF grenzen die Möglichkeiten, die Bemessungsgrundlagen zu verringern, erheblich ein. Um steuerlich attraktiv zu bleiben, planen zahlreiche Kantone deshalb, die ordentlichen Steuersätze zu reduzieren. Das kurbelt den interkantonalen Steuerwettbewerb neu an.

Einzelne Kantone wie Waadt oder Basel-Stadt haben ihre Steuersätze bereits per Anfang 2019 gesenkt. In anderen Kantonen müssen die Bürgerinnen und Bürger noch über die Umsetzung des steuerlichen Vorhabens abstimmen. Die angekündigten Steuersatzreduktionen variieren teils stark und bringen eine neue Dynamik in den Steuerwettbewerb der Schweiz. Heute steuerlich weniger attraktive Kantone können den Abstand zu den Spitzenreitern verringern oder sich gar attraktiver positionieren.

Many cantons are planning on lowering corporate taxes

Zahlreiche Kantone planen tiefere Unternehmenssteuern

Gesamtbelastung durch Gewinn- und Kapitalsteuern (für eine Kapitalgesellschaft mit einem Kapital von CHF 2 Mio. und einem Reingewinn zwischen CHF 80’000 und CHF 1’040’000), in Prozent des Reingewinns unter Berücksichtigung der von den Kantonsregierungen bereits kommunizierten Anpassungen bei der Unternehmensbesteuerung, Stand: 5.9.2019

Quelle: TaxWare, BDO, Credit Suisse

Neues Ranking bei der kantonalen Standortattraktivität

Mit der Umsetzung der STAF und dem Ringen um die attraktivste Steuerstrategie werden auch die Karten im kantonalen Wettbewerb um Unternehmen neu gemischt. Denn eine Senkung der Unternehmenssteuern kann die Standortattraktivität einzelner Kantone stark erhöhen. Diese wird jährlich durch den Standortqualitätsindikator der Credit Suisse bestimmt.

Gerade Zug und Basel-Stadt stehen sich derzeit in einem engen Zweikampf gegenüber, wobei Zug angesichts der nun beschlossenen Steuersenkung per Anfang 2020 bereits nächstes Jahr wieder auf dem Spitzenplatz stehen dürfte. Mit Ausblick auf eine ordentliche Senkung der Unternehmenssteuern dürften auch die Kantone Genf und Basel-Landschaft einen grossen Satz nach vorne machen. Der Wettbewerb um die attraktivsten Standorte bleibt aber über die nächsten Jahre in Bewegung.