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Mit Mut in die Zukunft

Wie viel Fortschritt braucht die Schweiz? Wo braucht es mehr, wo weniger? Das Fortschrittsbarometer der Credit Suisse zeigt: Unternehmer sind fortschrittsaffiner als die übrige Bevölkerung. Das hängt mit ihrer Risikobereitschaft zusammen. Erst diese ermöglicht Innovation und damit Entwicklung.

Die Schweiz steht im realökonomischen Ländervergleich an der Spitze. Doch die Wahrnehmung vieler Schweizerinnen und Schweizer ist eine andere: Die Mehrheit unterschätzt den Fortschritt des Landes. Auch die Meinungen darüber, wie viel Fortschritt wünschenswert ist, gehen auseinander. Wer wie viel Fortschritt fordert, hängt unter anderem von Alter, Geschlecht und politischer Gesinnung ab, aber auch vom Beruf. Unternehmer von Klein- und Mittelbetrieben stehen in mehr Themen für mehr Fortschritt ein. Das offenbart das Fortschrittsbarometer 2018, das im Auftrag der Credit Suisse vom Forschungsinstitut gfs.bern erstellt wurde.

Standortfragen haben Priorität

3133 Personen hat gfs.bern befragt, darunter 68 Unternehmer. Zur Sprache kamen 30 Themen aus den Bereichen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Bei rund der Hälfte der Themen sind die Befragten mit dem Verlauf des Fortschritts zufrieden oder sprechen sich für eine Beschleunigung aus. Besonders stark ist der Wunsch, der Verkehr in der Schweiz möge in den Untergrund verlegt werden. Die grösste Zustimmung erhält dieses Thema von den Repräsentanten der KMU. Sie sehen in keinem anderen Bereich derart grossen Handlungsbedarf. Allerdings stehen sie mit diesem Anliegen nicht allein da. Die übrige Bevölkerung misst ebenfalls dem Ausbau des Untergrundverkehrs von allen Themen das grösste Gewicht bei, auch wenn sie sich mit einer langsameren Entwicklung zufriedengibt als die KMU-Vertreter.

Bei den Unternehmern stehen unmittelbar nach dem Untergrundverkehr verschiedene Themen aus dem Bereich Wirtschaft oben auf der Dringlichkeitsliste, allen voran Standortthemen. Damit unterscheiden sie sich von der übrigen Bevölkerung, die sich vorwiegend für gesellschaftliche Vereinbarkeitsaspekte ausspricht. Unternehmer fordern, dass in unserem Land mehr Steuergelder in die Forschung investiert werden. Fast ebenso wichtig ist es ihrer Ansicht nach, dass die Schweiz ihre tiefen Unterneh­menssteuern beibehält, damit vermehrt internationale Firmen ihren Sitz hierher ver­legen. Wenn es darum geht, mithilfe der Digitalisierung eine Effizienzsteigerung im Arbeitsleben zu erreichen, zeigen sich Unternehmer auch sehr fortschrittsaffin. Zudem verfechten sie den Einsatz von Robotern sowie einen freien und globalen Handel. Bei gesellschaftlichen und politischen Themen sind sie weniger an Fortschritt interessiert – mit einer Ausnahme: Sie legen grossen Wert darauf, dass das öffentliche und private Angebot an familienergänzender Kinderbetreuung ausgebaut wird.

Unterschiedliche Gewichtung

Doch es gibt auch den Wunsch nach Entschleunigung. Bei rund einem Drittel der Themen zeigen sich die Befragten insgesamt eher fortschrittskritisch. Unternehmer beurteilen die Lage positiver. Sie möchten den Fortschritt lediglich bei vier Themen aus den Bereichen Gesellschaft und Politik bremsen. Am meisten zu denken gibt ihnen die Tatsache, dass der Alltag der Bevölkerung immer stärker gesetzlich reglementiert wird. Nicht fortsetzen sollten sich ihrer Meinung nach der Schwund der Schweizer Medien­vielfalt und die zunehmende Polarisierung in der Politik. Hinzu kommt der Wunsch, dass sich der Stadt-Land-Graben nicht vergrössert. Unsicher sind die KMU-Repräsentanten, wenn es um die Kulturlandreduktion oder die Zuwanderung von Ausländerfachpersonal geht. Tendenziell möchten sie den Fortschritt hier eher beschleunigen, sind sich aber nicht sicher, wie sinnvoll dies ist. Gleiches gilt für die Tatsache, dass die Schweiz immer mehr zur Wissensgesellschaft wird und weniger für Landwirtschaft, dafür mehr für Universitäten und Hochschulen ausgibt.

Frauen richten ihr Hauptaugenmerk beim Fortschritt auf andere Themen als Männer. Bei gesellschaftlichen Themen möchten sie den Fortschritt schneller vorantreiben. Beide Geschlechter befürworten eine Entwicklung bei politischen und wirtschaftlichen Themen, für Männer muss sie jedoch schneller vonstattengehen als für Frauen. Unterschiede zeigen sich auch in Bezug auf die soziale Schicht. Menschen, die sich im unteren Segment sehen, möchten in Wirtschaft und Politik weniger Fortschritt als Personen, die sich selbst einen hohen sozialen Status attestieren. Den gesellschaft­lichen Fortschritt bejahen die sozialen Schichten in etwa gleich. Einvernehmen herrscht diesbezüglich auch unter den verschiedenen Altersgruppen. Jung und Alt ist es ein Anliegen, die Gesellschaft als Ganzes vorwärtszubringen.

Die Richtung ist klar

Die Schweizerinnen und Schweizer sind sich einig: Erst Fortschritte in der Gesellschaft ermöglichen Fortschritte in Politik und Wirtschaft. An den Eckwerten des Erfolgs­modells Schweiz wollen sie festhalten. Dazu gehören zivilgesellschaftliches Engage­ment, eine konsensorientierte Politik, der Erhalt der Landschaft und des Wert­schöpfungsstandorts Schweiz, freie und unabhängige Medien, kein zu starker Stadt-Land-Graben sowie keine übermässige Regulierung und Zuwanderung. Wo es im Detail wie viel Fortschritt braucht, ist hingegen umstritten. Er müsse aber immer die Entwicklung der Gesellschaft als Ganzes fördern und die Schwächsten mit ins Boot nehmen. Wird dies berücksichtigt, akzeptieren die Schweizer Fortschritt. Weniger Ängste im Hinblick auf Fortschritt haben Meinungsführende und Unternehmer. Sie sind offen für Veränderung und Innovation. Das setzt Risikobereitschaft voraus. Ein Attribut, das gemäss den Befragten typisch für eine unternehmerische Persönlichkeit ist – ebenso wie Durchsetzungskraft, Leidenschaft und Neugier.

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