Die Olwo-Gruppe

Mit Holz in Bewegung und Liquiditätsgarantie mit Factoring

Ihre Wurzeln hat die Olwo-Gruppe im Bereich Sägerei und Hobelwerk. Den grössten Teil des Umsatzes erwirtschaftet die Firma heute aber im Handel mit Holzwerkstoffen. Ob Wiesenauktion, Welthandel oder Webshop – Geschäftsführer Markus Lädrach weiss sich auf jedem Parkett sicher zu bewegen.

Herr Lädrach, Ihr Grossvater hat die Olwo AG 1926 gegründet. Wovon wäre er am meisten beeindruckt, worüber am meisten erstaunt, wenn er das Unternehmen heute sehen würde?

Die Sägerei würde er noch erkennen und verstehen, auch wenn heute alles viel grösser und computergesteuert ist und die Abläufe sehr schnell vonstattengehen. Erstaunen würde ihn, dass heute so viele Leute in den Büros sitzen und im Vergleich dazu viel weniger in der Produktion. Unser Handelsvolumen mit einem Jahresumsatz von 70 Millionen Franken würde ihn beeindrucken, ebenso unsere Logistik.

Sie haben es erwähnt, die Olwo ist heute viel mehr als eine Sägerei, Sie betreiben auch Handel. Können Sie Ihr Tätigkeitsfeld umreissen?

Grob gesagt, sind es drei Gebiete: In der erwähnten Sägerei und dem Hobelwerk entstehen Produkte aus Nadelhölzern; Abnehmer sind hauptsächlich die Industrie, Zimmereibetriebe und das Baugewerbe. Dann der Massivholzhandel, unsere Kunden hier sind Schreiner. Und zuletzt der Handel mit Produkten, die wir nicht selber her­stellen: Holzwerkstoffe, Parkett, Dachfenster oder Terrassendielen. Wir haben etwa 3000 Produkte im Sortiment.

Sind Sie mehrheitlich regional tätig? Einen Baumstamm exportieren Sie ja wahrscheinlich nicht nach China?

Nein, aber ganz so abwegig, wie Sie glauben, ist China nicht. Das Holz im Handel stammt aus der ganzen Welt und China ist ganz vorn mit dabei. Die Chinesen haben modernste Anlagen, die Arbeitskräfte sind günstig und der Transport kostet ebenfalls sehr wenig. Das führt zu einer verrückten Situation: Man transportiert europäisches Holz nach China, um es dort verarbeiten zu lassen. Am Ende werden die Produkte wieder nach Europa verschifft. Parkett beispielsweise kommt zunehmend aus China.

Als Laie stellt man sich den Holzhandel viel traditioneller vor.

Der Handel mit Rund- und Wertholz läuft tatsächlich noch immer sehr traditionell ab. Da gibt’s Auktionen auf einer Wiese am Waldrand, wo die Stämme für die Käufer ausliegen; das sind Säger oder Holzhändler. Manche Bäume erzielen Rekordpreise.

Legen die Schweizer Kunden Wert auf Schweizer Holz?

Es gibt einen Trend hin zu Schweizer Holz. Die öffentliche Hand in Bern setzt klar auf den Baustoff «Schweizer Holz», hier spielt Nachhaltigkeit eine Rolle. Für uns auch. Ich halte es für sinnlos, unsere Lastwagen durch den Baregg fahren zu lassen. Das Markt­gebiet für unsere Handelsprodukte erstreckt sich ganz klar vom Schweizer Mittelland bis in die französische Schweiz. Beim Einkauf für den Handel hingegen bewegen wir uns in einem Weltmarkt: 60 bis 70 Prozent unserer Produkte stammen aus Mittel­europa.

Das heisst, Sie importieren, exportieren aber nicht?

Das ist nicht ganz richtig. Aus unseren Sägereien exportieren wir einen Teil des Holzes ins angrenzende Ausland mit Schwergewicht Italien. Italien ist ein Holzimportland. Dort gibt es eine grössere Anzahl von Firmen in der Verpackungsindustrie, die minderwerti­ges Holz benötigen. In der Schweiz ist diese Sparte fast ganz verschwunden. Somit fehlt bei uns der Absatzmarkt für diese Produkte, die beim Schneiden eines Stammes automatisch entstehen. Es ist beim Holz ein wenig wie beim Fleisch, auch das besteht nicht nur aus Filetstücken.

Welche Rolle spielt Ihre Bank beim Handel mit dem Ausland?

Unsere Produktionsfaktoren werden in Schweizer Franken berechnet, ebenso das Roh­material. Bei den Schnittholzprodukten gibt es einen internationalen Marktpreis in Euro pro Kubikmeter. Wenn der Franken zu stark ist oder einen bestimmten Wertebereich verlässt, haben wir ein Problem. Deshalb sind wir immer wieder in Kontakt mit der Credit Suisse, um Währungsrisiken abzusichern. Zudem haben wir mit dem Export nach Italien eine spezielle Situation: hohe Risiken in Bezug auf Zahlungsausfälle sowie Zah­lungsfristen von 90 Tagen und mehr. Deswegen haben wir uns mit unserem Kunden­berater für eine Factoring-Lösung entschieden.

Factoring ist eigentlich eine Art Liquiditätsgarantie?

Genau. Im Prinzip ist Factoring eher für schnell wachsende junge Unternehmen gedacht, die ihre Lieferantenrechnungen nicht so rasch begleichen können. Doch auch für unser Problem passt es perfekt. Wir können so das Risiko eines Zahlungsausfalls absichern.

Das klingt nach einer unkonventionellen Lösung. Ist diese typisch für die Credit Suisse?

Ob sie typisch ist, weiss ich nicht. Aber ich kann von unserem Kundenberater sagen, dass er sehr daran interessiert ist, unseren Betrieb zu verstehen und uns jeweils passende Lösungen anzubieten. Was ich an unserer Hausbank jedoch am meisten schätze, ist die starke Kontinuität: In den letzten 20 Jahren hatten wir sehr wenig Wechsel bei den Beratern, da kann eine Beziehung mit Tradition entstehen – das gefällt mir.

Wo stehen Sie mit Olwo im Schweizer Holzmarkt in Bezug auf die Konkurrenz?

Im Sägereibereich befinden wir uns etwa unter den Top 5, im Handel gehören wir zu den grössten, die an einem Standort operieren. Wir laufen auch nicht allzu rasch Gefahr, von einem globalen Händler ausgehebelt zu werden – ein Versand per Post oder Drohne ist für viele unserer Produkte derzeit nicht praktikabel.

Ein Handelsbetrieb bedingt wahrscheinlich ein grosses Lager?

Das ist das A und O. Das Lager ist mit der Firma gewachsen, während unsere Kunden ihre Lager kontinuierlich reduzieren. Aber die Ware muss vor Ort sein. Die rasche Lieferfähigkeit ist die Berechtigung für den Handel in einer globalisierten Welt. Wenn ich morgen nicht liefern kann, was ein Kunde heute bestellt, ist er weg. Wir binden sehr viel Kapital im Lager, aber es rechnet sich. Darüber hinaus überprüfen wir regelmässig die Umschlagshäufigkeit und optimieren unsere Logistik.

Welche Möglichkeiten bietet Ihnen die Automatisierung?

In unserer Produktion und in der Logistik ist die Automatisierung schon weit fortge­schritten. Seit Kurzem kann man unsere Produkte auch online bestellen. Unser Webshop ist die Antwort darauf, wie sich ein traditionelles Unternehmen in neuen Märkten positionieren kann.

Sehen Sie in diesem Bereich das grösste Wachstumspotenzial?

Ich bin überzeugt, dass es noch riesiges Wachstumspotenzial in Bereichen gibt, an die wir noch gar nicht denken.

In welche Richtung könnte das gehen?

Holz ist ein faszinierendes Material. Man kann heute schon einzelne Inhaltsstoffe isolieren, die man in der Nahrungsmittelindustrie verwenden kann oder in der Chemie, beispielsweise in Verbund- oder Klebstoffen.

Besteht da nicht das Problem der Verfügbarkeit? Holz gibt es ja nicht unendlich.

Es gibt sehr viele Holzarten, die heute kaum genutzt werden. Buche wird beispielsweise zum grössten Teil verbrannt. Es ist nötig, in diesen Bereichen weiterzudenken. In Bezug auf wirklich Neues beobachten wir die Entwicklungen bei der Empa und der Fachhoch­schule in Biel. Ich betrachte es als unsere Aufgabe, die Augen für neue Verarbeitungs­möglichkeiten offen zu halten.

Gibt es in Ihrem Betrieb Traditionen, an denen Sie hängen?

Von manchen Traditionen muss man sich verabschieden, um Platz für Neues zu schaffen. In Kürze werden wir hier auf dem Firmengelände in Worb das Haus unserer Grosseltern abreissen. Aber es gibt auch Traditionen, die wir beibehalten werden. Am Geburtstag erhält jeder Mitarbeiter eine Packung Kambly-Biskuits und ein Fünf-Franken-Stück. Diese Tradition hat einst meine Grossmutter eingeführt. Auch wenn die fünf Franken etwas an Wert verloren haben, werden wir daran sicherlich festhalten.

Seit gut vier Jahren betreuen Sie die Olwo als Kundenberater. Wie erleben Sie dieses Unternehmen?

Die Olwo nutzt einen grossen Teil unserer Produkt- und Dienstleistungspalette, wie beispielsweise Leasing, Factoring, Hypotheken oder auch Devisenabsicherungen. Dadurch ist die Zusammenarbeit sehr intensiv und anspruchsvoll. Aber man kann deshalb als Kundenberater «aus dem Vollen schöpfen». Zudem ist die Firmenstruktur mit den drei Unternehmen interessant. Zwar sind alle in derselben Branche unterwegs, aber jedes ist wenig anders ausgerichtet.

Kennen Sie sich denn auf jedem Gebiet bis ins Detail aus?

Nein, das wäre gelogen. Wichtig ist aber, dass man das Geschäftsmodell des Kunden versteht und erkennt, wo die Herausforderungen und Risiken, aber auch die Chancen liegen, um eine kompetente Beratung zu bieten. Abhängig vom jeweiligen Thema ist der Einbezug von Spezialisten wichtig. Hier haben wir als Grossbank ein enormes Potenzial. Letztes Mal kam beispielsweise ein Steuerspezialist mit, um die Steuer­vorlage 2017 und die 1e-Vorsorgethematik zu diskutieren.

Wie pflegen Sie Kunden wie die Olwo?

Indem ich versuche, einen möglichst kompetenten und lösungsorientierten Service zu bieten. Ich will verstehen, was einen Kunden bewegt und was ihn weiterbringen könnte. Als Bank für Unternehmer wollen wir nicht nur Bankprodukte anbieten, sondern die Firma und die Unternehmerin bzw. den Unternehmer ganzheitlich beraten. So ist beispielsweise Markus Lädrach, wie viele andere erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer, Teil unserer UnternehmerCommunity. Das ist eine Plattform für spannende Netzwerkanlässe, die Unternehmerinnen und Unternehmer zusammen­bringt.