E-Commerce: Tipps für den Export durch Onlinehandel

Mit E-Commerce erfolgreich in fremde Märkte exportieren. Darauf kommt es an.

E-Commerce boomt. Global liegen die jährlichen Wachstumsraten im zweistelligen Prozentbereich. Die COVID-19-Pandemie verstärkt diesen Trend zusätzlich. Mit Cross-Border-E-Commerce können auch Schweizer KMU vom wachsenden Onlinehandel in anderen Märkten profitieren.

Onlineshops und E-Commerce befinden sich weltweit auf der Überholspur. Wachstumsraten im zweistelligen Prozentbereich pro Jahr sind weitverbreitet. Und im Zuge der COVID-19-Pandemie nimmt der Anteil des Onlinehandels am gesamten Retailmarkt noch stärker zu als bis anhin. Die Zeichen stehen gut: Konsumenten, die während dieser Phase zum ersten Mal online eingekauft haben, dürften dies auch weiterhin tun. Für Schweizer KMU entstehen dadurch im Cross-Border-E-Commerce grosse Chancen, sowohl bei Konsumgütern als auch im B2B-Bereich.

Doch jeder Markt hat ganz eigene Merkmale und Herausforderungen, die Unternehmen kennen und überwinden müssen, um erfolgreich zu exportieren. Wie lassen sich diese Probleme lösen? Experten aus aller Welt gaben an den GoGlobal Days 2020 von Switzerland Global Enterprise (S-GE) Tipps für Schweizer Unternehmen, wie sie ihr Geschäftswachstum mit E-Commerce in globalen Märkten antreiben können.

Mit E-Commerce in alle Welt exportieren

Erfolgsrezepte für den Export sind so unterschiedlich wie die Länder selbst. Die wichtigsten Tipps und Vorgehensweisen für Schweizer KMU.

EU-Raum

Der EU-Raum scheint dank der geografischen Nähe und dem grossen Binnenmarkt  für viele Schweizer Unternehmen ein logischer Schritt für die Expansion mittels E‑Commerce. Die Chancen sind gross, die Umsätze im Onlinehandel betrugen im Jahr 2018 rund 600 Milliarden Euro.

Trotzdem ist der Onlineverkauf im EU-Raum kein Selbstläufer für Firmen aus der Schweiz. Denn die EU ist nicht ein einzelner Markt, sondern besteht aus 27 verschie­denen Absatzmärkten. Diese haben einerseits eigene Mehrwertsteuerregelungen, andererseits sind auch die Bedürfnisse der Kunden sowie deren Erwartungen an Bezahlsysteme, Kundenservice und Lieferzeiten in jedem Mitgliedstaat unterschiedlich.

Eine schrittweise Expansion in die einzelnen Märkte ist in Zusammenarbeit mit lokalen Logistikpartnern zielführend. Im ersten Schritt kann ein Unternehmen einen Webstore für die gesamte EU lancieren, um möglichst viele Kunden anzusprechen. In den grossen und wichtigen Märkten kann anschliessend ein eigener Shop in der Landessprache mit eigenem Kundenservice und einer lokalen Rücksendeadresse folgen. So kann Markt für Markt erschlossen werden.

Cross-Border-E-Commerce in die EU: Chancen und Risiken 

Chancen Herausforderungen
Geografische Nähe Hohe Kosten für grenzüberschreitende Lieferungen
Grosser Binnenmarkt in der EU Lokalisation des Angebots auf die einzelnen Ländermärkte nötig
Hohe Kaufkraft Gesetze und Regulierungen unterscheiden sich zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten

USA und Kanada

Rund 80 Prozent der Konsumenten in den USA und Kanada kaufen online ein. 2019 wurde in Kanada für rund 43 Milliarden kanadische Dollar, in den USA für rund 510 Milliarden US-Dollar online eingekauft. Besonders Schuhe, Kleidung und Elek­tronikprodukte werden oft im Internet erworben.

Schweizer Unternehmen, die in die nordamerikanischen Märkte eintreten wollen, müssen im Vorfeld folgende Fragen beantworten:

- Lohnt sich ein Einstieg überhaupt? Oder sprechen Punkte wie zu starker Wettbewerb, tiefe Preise oder mangelnde Nachfrage dagegen?

- Soll der Markteintritt über einen bestehenden Retailer, einen digitalen Marktplatz, den eigenen Webshop oder eine Kombination erfolgen?

- Welche logistischen Herausforderungen gibt es und wie lassen sie sich meistern?

- Wie kann ein weiteres Wachstum in den Märkten erfolgen?

Die Logistik ist aufrund der weiten Distanzen in den USA und Kanada sehr anspruchs­voll. Eine Zusammenarbeit mit externen Logistikpartnern mit mehreren Verteilzentren ist ratsam. Besonders in den USA müssen Steuerfragen genau berücksichtigt werden, da in jedem der 50 Bundesstaaten unterschiedliche Sätze bei den Sales Taxes für Onlinehändler gelten. Kanada hat den grossen Vorteil, dass dank dem Freihandels­abkommen mit der EFTA Importe aus der Schweiz grösstenteils zollfrei sind.

E-Commerce in die USA und Kanada: Chancen und Risiken

Chancen Herausforderungen

Hohe Kaufkraft

Aufwendige Logistik über grosse Distanzen

Ausgebaute Infrastruktur und attraktive Preise für Warentransport

Starke Konkurrenz im Onlinehandel, hohe Erwartungen der Konsumenten an Kundendienst

USA ist zweitgrösster Markt für E‑Commerce

Strenge Gesetze und Regulierungen in vielen Bereichen

Einfacher Import nach Kanada dank Freihandelsabkommen

Komplizierte Steuern in den USA. Ab einem Schwellenwert muss in jedem Bundesstaat eine Sales Tax gezahlt werden.

Brasilien und Mexiko

In den zwei grössten Märkten Lateinamerikas – Mexiko und Brasilien – ist E‑Commerce noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Die Verbreitung des Internets und vor allem von Smartphones ist noch nicht so weit fortgeschritten wie in Nordamerika, Europa oder Asien. Dennoch wachsen die Umsätze im Onlinehandel auch hier jährlich im zweistelligen Bereich.

Schweizer Unternehmen müssen beim Export in diese Märkte aber Einfuhr­beschrän­kungen und Zölle beachten. Ausserdem ist das Vertrauen in digitale Bezahlsysteme oft gering. Kreditkarten sind nicht sehr verbreitet, weshalb alternative Bezahlmög­lichkei­ten wie das Boleto Bancário in Brasilien berücksichtigt werden sollten. Lokale Partner und Experten helfen, sich im Dschungel dieser Märkte zurechtzufinden und die passen­de Strategie zu erarbeiten.

E-Commerce nach Mexiko und Brasilien: Chancen und Risiken

Chancen

Herausforderungen

Grosse Märkte mit viel Potenzial

Umständliche Bürokratie, komplexes Steuerregime sowie hohe Zölle und Importschranken, besonders in Brasilien

Starkes Wachstum im Onlinehandel

Wenig Vertrauen in Online-Trans­ak­tionen und geringe Verbreitung von Kreditkarten erfordern alternative Bezahlmöglichkeiten für die Konsu­menten

Südkorea

Über 90 Prozent der Bevölkerung in Südkorea haben Zugang zum Internet und zu einem Smartphone. Entsprechend ist Onlineshopping beliebt: Der Umsatz wächst im Schnitt um 24,3 Prozent jährlich. Im Jahr 2019 betrug er 113,3 Milliarden US-Dollar. Der Handel mit importierten Gütern im E-Commerce zeigt ähnliche Wachstumsraten. Bei ausländischen Produkten sind hauptsächlich qualitativ hochwertige Waren in den Bereichen Mode, Elektronik, Kosmetik sowie Food & Drinks nachgefragt. Wichtige Verkaufskanäle sind neben offenen Online-Marktplätzen auch Online-Retailer oder das Home-Shopping per Smart-TV.

Auf Folgendes sollten Schweizer Unternehmen achten, die ihre Produkte in Korea verkaufen möchten:

  • Über virtuelle Marktplätze wie «coupang» können ausländische Unternehmen in kurzer Zeit einen Verkaufskanal eröffnen.
  • Kunden wollen beim Shopping keine Zeit verlieren und ein möglichst unkom­pliziertes Einkaufserlebnis.
  • Lokalisation und ein umfassender Kundenservice sind sehr wichtig.
  • Aggressives und schnelles Agieren zahlt sich im dynamischen südkoreanischen Onlinemarkt aus.
  • Kunden entdecken Produkte oft über Suchmaschinen. Keyword-Marketing bietet daher gute Chancen für zusätzliche Verkäufe.
  • Nicht nur über einen Kanal verkaufen. Der Omnichannel-Ansatz bietet zusätzliche Chancen, um Kunden anzusprechen.

Cross-Border-E-Commerce nach Südkorea: Chancen und Risiken 

Chancen

Herausforderungen

Internetzugang und Smartphone-Besitz bei über 90 % der Bevölkerung

Intensive Konkurrenz unter Online­händlern

Mehr als die Hälfte der Onlinekäufe werden über mobile Geräte getätigt

Kunden erwarten rasche Lieferungen, Kundenservice rund um die Uhr und schnelle Reaktionszeiten

Starkes Wachstum im E-Commerce

Zölle können bei bestimmten Produkten anfallen

Online-Bezahlsysteme sind weitverbreitet und akzeptiert

Detaillierte Produktinformationen und ein unkompliziertes Einkaufserlebnis für Kunden bereitstellen

China und Indien

Die Digitalisierung in den bevölkerungsreichen Märkten von Indien und China nimmt rasant zu. China ist bereits heute der umsatzstärkste Markt für Onlinehandel weltweit, und durch den Ausbau von Internetzugängen sowie die Verbreitung von Smartphones kommen jährlich Millionen neue potenzielle Kunden dazu. Schweizer Produkte genies­sen darüber hinaus einen hervorragenden Ruf in diesen Regionen. Folgende Punkte sollten Schweizer KMU in diesen Märkten beachten:

  • Schritt für Schritt vorgehen und Erfolg der Massnahmen ständig überprüfen.
  • Bestehende und verlässliche Plattformen als Verkaufspartner leisten Unterstützung in Sachen Logistik und Kundenservice.
  • Mobile Bezahlsysteme sind in Asien breit akzeptiert.
  • Digitales und Social-Media-Marketing spielen eine wichtige Rolle, um die junge Generation anzusprechen. Neben den üblichen Plattformen sind in China beispielsweise Livestreamer beliebte Werbeträger mit grosser Reichweite.
  • Lokale Importeure und Vertriebspartner sind in Indien unerlässlich und bieten Marktexpertise sowie Unterstützung beim Marketing der Produkte und bei der Strategiewahl.
  • Mit einem Omnichannel-Ansatz und der Kombination von Online- und Offline­shops alle Kundensegmente abschöpfen.

Cross-Border-E-Commerce nach China und Indien: Chancen und Risiken

Chancen

Herausforderungen

Riesige Märkte mit grossem Potenzial

Ohne lokale Partner wird Erfolg schwierig

Mehrheit der Onlinekäufe wird über mobile Geräte getätigt

Bürokratische Hürden und Zölle

Starkes Wachstum im Onlinehandel

Starke und aggressive Konkurrenz im Onlinehandel

Möchten Sie mehr über die Chancen von E-Commerce erfahren?

Beratung vereinbaren This link target opens in a new window