Diversifikation: Wie KMU Lieferketten stabilisieren

Lieferketten stabilisieren. Auf Diversifikation setzen.

International tätige KMU spürten die Corona-Krise an allen Fronten. Was tun, wenn globale Lieferketten plötzlich stillliegen? Mit dieser Herausforderung sah sich die mb‑microtec ag im Frühjahr 2020 konfrontiert. In der aktuellen Ausgabe der KMU-Studie schildert CEO Roger Siegenthaler, warum er künftig verstärkt auf Diversifikation setzt. 

Lockdown stellte das KMU vor Engpässe

Selbstleuchtende Gaslichtquellen – für deren Herstellung ist die mb-microtec ag mit Hauptsitz in Niederwangen bei Bern weltbekannt. Als globale Marktführerin beliefert sie die Uhren-, Sicherheits-, Automobil-, Raum- und Luftfahrtindustrie. Ein lukratives Nischengeschäft. Doch dann brach im Frühjahr 2020 die Corona-Pandemie aus, zahlreiche Länder verhängten einen Lockdown. Die Folge: Globale Lieferketten kamen zum Stillstand.

«Der Virusausbruch hat uns zunächst einen Schrecken eingejagt», beschreibt CEO Roger Siegenthaler in der aktuellen KMU-Studie der Credit Suisse die Situation. Engpässe spürte das international operierende Schweizer Unternehmen an zwei Fronten: beim Import und beim Export.

Ausfall der wichtigsten Lieferkette beim Import

«Grundsätzlich weisen wir eine grosse interne Wertschöpfung auf», erklärt Roger Siegenthaler. «Kritisch wird es aber bei unserem Hauptrohstoff Tritium, einem Abfallprodukt aus Schwerwasserreaktoren, das nicht überall auf der Welt vorhanden ist.»

Das Unternehmen greift dafür auf einen einzigen Lieferanten zurück – und dieser sitzt in Kanada. Höchst problematisch, wenn der transatlantische Flugverkehr ausfällt. Spontan eine neue Lieferantenquelle ausfindig zu machen, gestaltete sich schwierig, nicht zuletzt da die mb-microtec ag den Transportbehälter vom Lieferanten least.

Starker Nachfrageeinbruch beim Export

Im Exportgeschäft spürte die mb-microtec ag einen deutlichen Rückgang der Nachfrage. Denn sie setzt 90 Prozent der produzierten Güter im Ausland ab. «In der Uhrenindustrie brachen die Umsätze in den USA und Asien stark ein. Ausserdem war es nicht mehr möglich, Händler zu besuchen», schildert der CEO die Lage.

Der persönliche Kontakt ist insbesondere in asiatischen Ländern wichtig, um Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Dementsprechend war es kaum möglich, neue Distributoren zu gewinnen.

Diversifikation der Lieferanten reduziert Abhängigkeiten

Trotz den Herausforderungen musste die mb-microtec ag keinen Notkredit beantragen. «Da wir verschiedene Branchen beliefern, konnten Umsatzeinbussen aufgefangen werden», erzählt Roger Siegenthaler. Die Corona-Krise bestätigte dennoch die Risikoanalyse des Unternehmens: Das Single Sourcing von Tritium stellt ein Hauptrisiko dar.

Um die Abhängigkeit vom transatlantischen Lieferanten zu reduzieren, plant die mb microtec ag, in Zusammenarbeit mit europäischen Firmen einen Europa-Hub aufzubauen. Dieser soll die Versorgung über eine Strassenverbindung garantieren. Zudem initiierte das KMU den Bau eines Transportbehälters, um künftig bei der Lieferantenwahl flexibler zu sein.

Investitionen in kernfremde Geschäftsbereiche stärken das KMU

Bereits vor der Corona-Krise suchte die mb-microtec ag nach neuen Geschäftsmöglichkeiten in kernfremden Bereichen. «Zu diesem Zweck haben wir eine spezifische Stelle in der Geschäftsleitung geschaffen», berichtet Roger Siegenthaler. Zwar mussten Pläne krisenbedingt zurückgestellt werden, doch der Wille bleibt bestehen.

Während der Krise merkte die mb-microtec ag zudem, dass sie mehr in die Produktentwicklung investieren muss. Ausserdem prüft das Unternehmen beispielsweise, neben dem Verkauf von Produkten auch Vermietungslösungen anzubieten. «Die Krise hat uns dazu gezwungen, uns zu bewegen, mutig zu sein und Neues anzugehen», fasst Roger Siegenthaler zusammen und fügt an: «Das ist eine Chance.»

Sie möchten wissen, wie Ihr KMU in Krisenzeiten liquide bleibt?

Beratung vereinbaren This link target opens in a new window