Konsum Schweiz: Branchen kämpfen mit Lockdown-Folgen

Konsum Schweiz: Branchen kämpfen mit Lockdown-Folgen

Mit Beendigung des Lockdowns darf sich die Wirtschaft in der Schweiz 2021 auf einen steigenden Konsum freuen. Doch vom erwarteten Nachholeffekt profitieren nicht alle Branchen. Während die Non-Food- und die Freizeitbranche sich die pralleren Konten zunutze machen, ist es für die Gastronomie und die Hotelindustrie schwieriger, vom Nachholkonsum zu profitieren.

Lockdown führt zu praller gefüllten Konten

Auf den ersten Blick ist es paradox, doch in jeder Corona-Welle wurden die Schweizer Haushalte im Durchschnitt «reicher». Denn einerseits reduzierten sich die Einkommen trotz Unterauslastung der Wirtschaft vergleichsweise wenig. Andererseits waren die Möglichkeiten, Geld auszugeben, durch die Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus eingeschränkt. Folglich war im ersten Lockdown die Sparquote beinahe doppelt so hoch wie in «normalen» Zeiten. So hat ein Haushalt 2020 durchschnittlich knapp 3000 Schweizer Franken zusätzlich gespart.

Und auch in den bisherigen Monaten des zweiten Lockdowns hat die Schweizer Bevölkerung mit 880 Schweizer Franken pro Haushalt wieder fleissig Geld zurückgelegt. Weil die Konsummöglichkeiten in der zweiten Welle deutlich weniger eingeschränkt waren, fällt das «Übersparen» diesmal aber nur noch ein Drittel so hoch aus wie im vergangenen Frühling.

Konsum steigt 2021 weniger stark

Angesichts des dünneren Nachholpolsters und des geringeren vorangehenden Einbruchs ist davon auszugehen, dass die Erholung 2021 weniger rasant ausfallen wird als im vergangenen Jahr. Zudem wird wohl auch nach dem zweiten Lockdown nicht der gesamte zusätzlich angesparte Betrag ausgegeben. Dies alleine schon deshalb, weil die Sparquote auf stärkere wirtschaftliche Veränderungen und insbesondere auf Veränderungen der Arbeitsmarktlage reagiert. Befürchten Haushalte, ihr Arbeitseinkommen zu verlieren, schränken sie ihren Konsum ein.

Gemäss unseren Schätzungen werden knapp 30 Prozent der Ersparnisse aus den zwei Lockdowns zu mittel- bis längerfristigem «Vorsichtssparen» werden. Vom erwarteten Nachholeffekt werden zudem nicht alle Branchen im gleichen Ausmass profitieren.

Non-Food- und Freizeitbranche holen Konsum nach

Insbesondere die Non-Food-Branche verzeichnet in den auf den ersten Lockdown folgenden Monaten einen starken Nachholkonsum. Im direkten Vergleich waren die Schliessungen in diesem Bereich etwas kürzer und die Massnahmen nicht ganz so einschränkend. Der Non-Food-Detailhandel erlitt im Lockdown 2021 zwar Konsumeinbussen von knapp 230 Mio. Schweizer Franken. Dank dem Nachholkonsum sollten diese jedoch innerhalb von drei Monaten wieder aufgeholt sein.

Konsum im Non-Food-Detailhandel steigt langfristig wieder an

Die Entwicklung des Nachholkonsums im Non-Food-Detailhandel

Quelle: Monitoring Consumption Switzerland, Bundesamt für Statistik, GfK, Credit Suisse

Die Unterhaltungs- und Sportbranche profitiert etwas weniger vom Nachholkonsum

Ein gewisses Nachholen des Konsums ist auch in der Unterhaltungs- und der Sportbranche zu verzeichnen. Das Ausmass ist im Vergleich zum Non-Food-Detailhandel aber geringer. Schliesslich ist das Potenzial zum Aufholen verpasster Kino-, Theater- oder Sportaktivi­täten begrenzt – des Terminkalenders wegen. Der wird sich nach Ende des Lockdowns nicht fundamental ändern. Um das Minus der Konsumausgaben einer Lockdown-Woche aufzuholen, benötigt die Branche circa 8 Wochen Normalbetrieb.

Lockdown für Gastronomie und Hotelindustrie hält an

In der Gastronomie hingegen blieben die Umsätze auch nach überstandenem Lockdown 2020 rückläufig. Das Potenzial für einen Nachholkonsum wird in diesem Segment als gering eingeschätzt. Nach dem Lockdown dürfen sich Gastronomiebetriebe zwar anfangs grosser Beliebtheit erfreuen, ein dauerhafter Anstieg der Besucher ist jedoch unwahrscheinlich. Unter der Annahme, dass kein signifikanter Nachholkonsum stattfinden wird, braucht es nach der Wiederöffnung wohl rund 14 Wochen Normalbetrieb, um den Konsumverlust einer einzigen Lockdown-Woche des laufenden Jahres wettzumachen.

Von einer Rückkehr zum Normalbetrieb ist die Hotelindustrie noch am weitesten entfernt. In der Zwischenzeit erweisen sich Inlandtouristen als wichtige Stütze. Sollten mindestens Europareisen im Sommer wieder möglich sein, muss die Hotelindustrie jedoch damit rechnen, dass Schweizer ihre Sommerferien vermehrt im Ausland verbringen werden. Damit dürfte der Unterstützungsfaktor der Inlandtouristen 2021 teils wegfallen. Eine Rückkehr zum Normalbetrieb wird wohl erst möglich sein, wenn sich die internationale Reiseaktivität wieder auf dem Vorkrisenniveau befindet.

Schweizer Wirtschaft wird noch lange unter Lockdown leiden

Langzeitfolgen werden sich also vor allem dort zeigen, wo die Einschränkungen besonders stark und langwierig waren – wie etwa bei der Hotellerie – und der Konsum nicht einfach nachgeholt werden kann (zum Beispiel Gastronomie und Freizeitbranche). Während der Non-Food-Detailhandel den temporären Konsumverlust aus einer Lockdown-Woche 2021 mit rund zwei Wochen Nachholkonsum zu kompensieren vermag, braucht das Segment Unterhaltung und Sport dafür wohl im Durchschnitt rund acht Wochen. Die hohe Substituierbarkeit von Restaurant- und Barbesuchen verringert das Potenzial für den Nachholkonsum in diesem Bereich. Unter Normalbetrieb sollte der Konsumverlust einer Lockdown-Woche 2021 in rund 14 Wochen aufgeholt werden können.

Konsumverlust im Lockdown und Potenzial zur Kompensation in den einzelnen Branchen

Konsumverlust im Lockdown und Potenzial zur Kompensation fallen je nach Branche unterschiedlich stark aus

Quelle: Monitoring Consumption Switzerland, Bundesamt für Statistik (BFS), GfK, Credit Suisse

* Für die Hotelbranche wurde der Konsumverlust pro Woche seit Beginn der Corona-Pandemie errechnet.